Die Presseschau von Freitag, dem 19. Juli 2019

Einige Blätter machen mit dem Tomorrowland-Festival auf. Der Fokus liegt aber bei der neuen Regierung der Region Brüssel sowie den Auswirkungen der Regierungsbildung auf die Parteien, vor allem die OpenVLD. Schließlich geht es noch um den Favoriten bei der heutigen Tour-de-France-Etappe, Wout Van Aert.

Blick auf das Tomorrowland-Gelände

Blick auf das Tomorrowland-Gelände (Bild: James Arthur Gekiere/Belga)

„Es waren einmal… 400.000 Festival-Besucher“, titelt Het Nieuwsblad. „Festival der Superlative“, schreibt das GrenzEcho auf Seite eins. Tomorrowland hat begonnen. An diesem Wochenende werden 400.000 Menschen aus 200 Ländern in Boom bei Antwerpen beim größten Techno-Festival der Welt auf elektronische Beats tanzen. Die Kulisse ist mehr denn je „märchenhaft“. Beim Tomorrowland wird ja quasi eine Traumwelt aufgebaut. Es ist bereits die 15. Auflage des weltberühmten Elektro-Festivals. „Und in 30 Jahren wollen wir immer noch bestehen“, sagen die beiden Organisatoren auf Seite eins von De Tijd und L’Echo. Es ist höchst selten, dass die beiden Brüder Presse-Interviews geben.

„Geht sparsam mit Wasser um“, so derweil die Schlagzeile von Het Laatste Nieuws. In Flandern ist Dürre-Warnstufe orange ausgelöst worden. Heißt: Die Bevölkerung wird dazu aufgerufen, Wasser zu sparen. „Und jetzt gilt auch fast überall ein Verbot, Wasser aus Seen, Flüssen oder Bächen abzupumpen“, detailliert Het Belang van Limburg die Maßnahmen.

Neues Brüsseler PS-Aushängeschild

Innenpolitisch liegt der Fokus natürlich auf der Region Brüssel. Am Donnerstag ist die neue Brüsseler Regierung offiziell vorgestellt worden. Le Soir bringt am Freitag ein Interview mit dem alten und neuen Ministerpräsidenten Rudi Vervoort. „Man sollte Brüssel nicht mit Füßen treten“, sagt der PS-Politiker sinngemäß auf Seite eins. Er meint damit vor allem die MR. Die frankophonen Liberalen hatten bis zuletzt versucht, doch noch an der Macht beteiligt zu werden. Die liberale Schwesterpartei OpenVLD hatte sogar mit einer Blockade gedroht. „Die MR hat ein mieses Spiel gespielt“, giftet Vervoort in Le Soir.

L’Echo stellt seinerseits ein neues Gesicht vor: Nawal Ben Hamou, das neue Aushängeschild der PS in Brüssel, schreibt das Blatt. Die 32-jährige Ben Hamou ist ab jetzt Staatssekretärin in der Brüsseler Regierung und soll wohl den frischen Wind symbolisieren.

Kleiner Fehlstart der Brüsseler Regierung

La Libre Belgique bewertet den Auftakt der neuen Brüsseler Regierung dennoch kritisch. „Das war ein kleiner Fehlstart“, meint das Blatt. Erstens: Die Koalition hat gleich ihr erstes Ziel verfehlt: Fünf Männer und drei Frauen, da kann man nicht von dem angestrebten Geschlechtergleichgewicht sprechen. Zweitens: Rudi Vervoort hat das Regierungsprogramm vorgestellt, als müsse er für weitere fünf Jahre ins Gefängnis. Drittens: Rachid Madrane, der neue Parlamentspräsident ist zugleich Minister der Französischen Gemeinschaft. Diese Doppelfunktion allerdings ist ungesetzlich. Ganz zu schweigen von dem Chaos, das innerparteilich insbesondere bei Ecolo und OpenVLD zu beobachten war. Man hat schon glücklichere Auftakte gesehen.

Und auch das Regierungsprogramm wirft Fragen auf, meint L’Echo in seinem Leitartikel. Insbesondere die Grünen scheinen die Hauptstadt auf links drehen zu wollen. Kreislaufwirtschaft steht im Vordergrund. Dabei kommen die großen Unternehmen quasi gar nicht vor. Und auch die Pendler scheint man loswerden zu wollen. Nur leisten die doch auch ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Strahlkraft der Hauptstadt. Insgesamt klingt das wie ein Programm, das darauf abzielt, die Brüsseler Wirtschaft regelrecht abzuschotten. Dabei müsste man in dem Moment, wo sich Großbritannien und insbesondere London nur noch auf sich selbst konzentrieren wollen, eigentlich genau das Gegenteil tun.

„Khattabi wirft das Handtuch“

Die Brüsseler Regierungsbildung hat in jedem Fall Spuren hinterlassen. „Zakia Khattabi wirft das Handtuch“, bemerkt etwa La Libre Belgique auf Seite eins. Die Ecolo-Ko-Präsidentin war mit ihrer Kandidatin für einen Ministerposten in Brüssel vor der Ecolo-Vollversammlung gescheitert. Das war für sie wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Khattabi wird jedenfalls nicht mehr für den Vorsitz kandidieren.

Schlimmer noch ergeht es den flämischen Liberalen OpenVLD. „Rutten wird öffentlich herausgefordert“, so etwa die Aufmachergeschichte von De Morgen. Der neue Brüsseler OpenVLD-Minister Sven Gatz hat sich offen über die Parteilinie hinweggesetzt. Der Vorstand hatte die Order ausgegeben, dass alles getan werden musste, um die frankophone Schwesterpartei MR mit ins Boot zu hieven. Sven Gatz unterschrieb dennoch im Alleingang das Regierungsabkommen.

Sven Gatz vs. Gwendolyn Rutten

„Gatz hat der OpenVLD-Chefin Gwendolyn Rutten ein Messer in den Rücken gerammt“, glaubt Gazet van Antwerpen. Das Manöver ist schwer nachvollziehbar. Die OpenVLD war auf niederländischsprachiger Seite in Brüssel so gut wie unumgänglich. Und das hätte man durchaus aus Druckmittel nutzen können. Zumal sich Gwendolyn Rutten ja nachdrücklich für eine Regierungsbeteiligung der MR stark gemacht hatte. Resultat jedenfalls: Vor der Augen der Öffentlichkeit liefern sich Gatz und Rutten eine regelrechte Straßenschlägerei. Das ist eine Krise, auf die wohl jede Partei verzichten kann.

Blauer Boxkampf

Der blaue Boxkampf zeigt aber vor allem eins, glaubt Het Belang van Limburg: In Brüssel herrschen eigene Gesetze. Die Hauptstadtsektionen aller Parteien verhalten sich wie unabhängige Kolonien. In Brüssel herrscht eine eigene Dynamik mit einer eigenen Agenda.

Het Laatste Nieuws macht eine ähnliche Analyse. „Warum sind die Liberalen denn plötzlich so geschockt?“, fragt sich das Blatt. Gerade bei der OpenVLD führt die Brüsseler Sektion seit einiger Zeit schon ein Eigenleben. Die neuerliche Episode legt aber insbesondere bei den Liberalen den Finger in die Wunde. Gerade die OpenVLD hat immer größere Probleme damit, den Graben zwischen der Metropole und der Situation auf dem Land zu überwinden. Konkret: Wie bringt man die kosmopolitische, globalisierte städtische Dienstleistungsgesellschaft in Einklang mit dem Bäcker, Metzger und Frisör aus der Provinz?

Einige Zeitungen schließlich blicken gespannt auf die Tour de France, genauer gesagt auf Wout Van Aert. Der gilt nämlich als Favorit beim heutigen Zeitfahren. „Bereit um zu glänzen“, schreibt Het Laatste Nieuws. Gazet van Antwerpen formuliert es blumiger: „Kommt Wout Van Aert heute ins Paradies?“.

Roger Pint

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