Schülerzahlen in der DG stabil

Die Schülerzahlen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft sind insgesamt stabil. Dennoch sieht Unterrichtsminister Harald Mollers Handlungsbedarf im Unterrichtswesen.

Schüler in Deidenberg

Archivbild: Stephan Pesch/BRF

„12.403“ steht unter dem Strich. Diese Summe verteilt sich auf die Kindergärten, Primar- und Sekundarschulen, die Förderschulen, die Hochschule und in einem geringen Maße auf den Teilzeitunterricht.

Catherine Reinertz und ihr Fachbereich Ausbildung und Unterrichtsorganisation im Ministerium haben die Zahlen analysiert und festgestellt, dass es im Großen und Ganzen nur wenige Änderungen gibt, mal abgesehen von einigen Trends im Sekundarschulwesen: „Zum einen gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen dem Norden und dem Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft: Im Süden hat es einen recht großen Rückgang gegeben, während die Zahlen im Norden mehr oder weniger stabil geblieben sind.“

RSI Eupen größte Sekundarschule

Seit einigen Jahren ist auch eine zahlenmäßige Verschiebung zwischen den Netzen zu erkennen: So ist das Robert-Schumann-Institut in Eupen mit 868 Schülern mittlerweile die größte Sekundarschule. Die Pater-Damian-Schule musste die Spitzenposition schon im vergangenen Schuljahr aufgeben und verlor weiter an Schülern.

Die Athenäen in Eupen, Kelmis und St. Vith bleiben recht stabil wie auch die Bischöflichen Schulen in St. Vith und Büllingen. Deutlich gesunken sind die Zahlen am Technischen Institut und an der Maria Goretti.

Unterrichtsminister Harald Mollers kann nur darüber spekulieren, welche Rolle hier pädagogische oder infrastrukturelle Neuerungen spielen: „Da gibt es eine Vielzahl von möglichen Erklärungen, die aber nicht statistisch oder wissenschaftlich zu belegen sind. Ich schließe aber nicht aus, dass in einigen Jahren der Trend wieder in eine völlig andere Richtung geht. Das haben wir schon häufiger erlebt.“

Fakt ist unter anderem, dass weniger Luxemburger eine ostbelgische Schule besuchen. Das liegt wohl daran, dass Luxemburg sein Sekundarschulwesen 2017 grundlegend geändert hat.

Erstankommende Schüler

Herkunft und Nationalität spielen auch in anderer Hinsicht eine Rolle: „Vor allem auf dem Gebiet der Gemeinde Eupen sind sehr viele sogenannte erstankommende Schüler in den Grundschulen. Das sind Schüler, die die Unterrichtssprache nicht auf einem ausreichenden Niveau beherrschen, um problemlos dem Regelunterricht folgen zu können und darum an Sprachlernkursen und Sprachlernklassen teilnehmen“, erklärt Catherine Reinertz.

Der Anstieg von Kindern aus Ländern, wo es keinerlei besondere Förderung gab, stellt auch die Förderschulen vor Herausforderungen. Auf der anderen Seite können zunehmend Kinder mit Mehrfachbehinderung oder mit autistischer Prägung in Ostbelgien gefördert werden – statt wie bislang an Einrichtungen im Ausland.

Unterschied zwischen Norden und Süden

Auffallend: Die größten Kindergärten und Primarschulen liegen im Norden, die kleinsten Niederlassungen allesamt im Süden. Minister Mollers sieht hier mittelfristig Handlungsbedarf: „Ich glaube nicht, dass es zielführend wäre, die Schulerhaltungsnormen weiter abzusenken. Da gibt es auch kein Projekt. Aber wir müssen überlegen, wie wir die Personalverteilung vielleicht anders gestalten können, damit die Lehrer nicht überlastet werden.“

Akut wurde der Minister mit der Entscheidung der Gemeinde Büllingen konfrontiert, die Primarschüler von Wirtzfeld vorübergehend in Rocherath unterrichten zu lassen. „Man hat teilweise versucht, Personal aus verschiedenen Urlaubsformen zurückzurufen oder auf pensionierte Lehrkräfte zurückzugreifen. Nur man kann niemanden zwingen.“

„Ich halte es für pädagogisch sinnvoll, dass man jetzt die doch etwas mutige Entscheidung getroffen hat, vorübergehend den Unterricht in einer anderen Niederlassung zu organisieren. Ich glaube, dass das für die pädagogische Umrahmung der Kinder wichtig ist.“

Der Kindergarten in Espeler ist wegen Nichterreichens der Norm geschlossen, die Grundschule von Hünningen im sogenannten Gnadenjahr. Auf das gesamte Schulwesen gesehen, geben die Prognosen für die kommenden Jahre Anlass zu Zuversicht. „Die Geburtenzahlen zeigen sich relativ stabil“, so Catherine Reinertz. „Im Kindergarten sind die Zahlen sogar höher als in den letzten Jahren. Das wird sich dann auch auf die Primarschule auswirken.“

Stephan Pesch

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Ein Kommentar
  1. bruels werner

    Die Katze ist noch nicht ganz aus dem Sack. Aber die kleinen Primarschulen werden künftig wohl oder übel von räumlichen Fusionen betroffen sein (müssen). Im Heimatdorf des Unterrichtsministers kann man demnächst einen Vorgeschmack davon bekommen.

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