Streit um flämische „Kollaborations“-Flaggen auf Pukkelpop-Festival

Das Pukkelpop-Festival bei Hasselt ist gestern zu Ende gegangen, und die Veranstalter sprechen mal wieder von einem großen Erfolg. Doch genau wie vergangenes Jahr, als flämische Festivalbesucher angetrunken rassistische Lieder gesungen hatten, sorgten auch diesmal wieder Vorfälle abseits der Konzertbühnen für Aufsehen.

Beim Musikfestival Pukkelpop hat nicht nur Gewalt gegen Klimaaktivisten für Aufsehen gesorgt, sondern auch der darauffolgende Streit um die flämisch-nationalistische Fahne (Bild: Kristof Van Accom/Belga)

Beim Musikfestival Pukkelpop hat nicht nur Gewalt gegen Klimaaktivisten für Aufsehen gesorgt, sondern auch der darauffolgende Streit um die flämisch-nationalistische Fahne (Bild: Kristof Van Accom/Belga)

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag belästigten junge Flamen junge Klimaaktivisten rund um die Schülerin Anuna De Wever. Sie warfen Flaschen nach ihnen, die mit Urin gefüllt waren, verwüsteten ihre Zelte und riefen Todesdrohungen in ihre Richtung. Dabei sollen sie Fahnen der flämisch-nationalistischen Bewegung getragen haben.

Security-Personal machte den Ausschreitungen in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag ein Ende. Festgenommen aber werden konnte keiner der jungen Männer, die die Klimaaktivisten rund um Anuna De Wever bedrängt hatten.
Allerdings wurde festgestellt, dass diese Männer Fahnen der flämisch-nationalistischen Bewegung getragen hatten. Diese Fahnen zeigen auf gelbem Hintergrund den schwarzen flämischen Löwen, der – im Unterschied zur offiziellen flämischen Fahne – komplett schwarz ist. Auf der offiziellen flämischen Flagge hat der Löwe rote Krallen und die Flamme, die er ausstößt, ist ebenfalls rot.

Schon vor dem Vorfall hatte am Donnerstagnachmittag die Vorsitzende der flämischen Jungsozialisten der S.PA, Kaoutar Oulichki, dem Festivalleiter Chokri Mahassine, ebenfalls S.PA-Mitglied, per Twitter geschrieben: „Hey, Chokri, ich bin seit fünf Minuten auf dem Festivalgelände und habe schon vier flämische Kollaborationsflaggen gesehen. Ist es das, wofür Pukkelpop steht?“

Am Freitag dann, nach dem Vorfall mit Anuna De Wever, beschloss die Festivalleitung, flämische Fahnen mit dem komplett schwarzen Löwen drauf zu entfernen. Auf Twitter teilte die Festivalleitung mit: „Wir haben nichts gegen flämische Fahnen. Aber die schwarze, sogenannte Kollaborationsfahne, gehört tatsächlich nicht hierhin.“ Einen Tag später, am Samstag, entschuldigte sich Festivalsprecher Frederik Luyten für diesen Tweet. Vor allem für den Ausdruck „Kollaborationsfahne“.

Was war geschehen? Nicht nur, aber auch N-VA Kammerfraktionschef Peter De Rover hatte wütend auf diese Entscheidung des Pukkelpop-Festivals reagiert. Die Fahne mit dem komplett schwarzen Löwen als Kollaborationsfahne zu bezeichnen, sei eine unzulässige Kriminalisierung all der Flamen, die sich mit dieser Fahne als Zeichen des flämischen Nationalismus identifizieren. Denn sie würden mit dieser Bezeichnung in einen Topf mit den Nazis geworfen.

Natürlich hatten sich auch Politiker des rechtsextremen Vlaams Belang aufgeregt. Am Samstag verteilten Mitglieder der Jugendorganisation des Vlaams Belang vor dem Eingang des Festivals kostenlos flämische Fahnen mit dem komplett schwarzen Löwen.

Der Ausdruck „Kollaborationsfahne“ für die Flagge der flämisch-nationalistischen Bewegung – falsch oder nicht? Der flämische Historiker Bruno De Wever von der Universität Gent sagte dazu im flämischen Radio: „Die Fahne hat eine viel breitere Bedeutung, als Kollaboration. Aber dass der flämische Löwe bei der Kollaboration im Zweiten Weltkrieg benutzt wurde, ist auch eine Tatsache.“

Die Fahne deshalb als Kollaborationsfahne zu stigmatisieren und zu verbannen, hält De Wever für falsch. „Wenn man alle Symbole, die irgendwann mal in einem bestimmten Zusammenhang missbraucht worden sind, danach verbieten will, dann bleibt nicht mehr viel übrig“, begründet er. „Dann kann man fast keine Symbole mehr benutzen.“

War die Reaktion der Festivalleitung deshalb falsch? Festivalleiter Mahassine verteidigte sich am Sonntagabend gegenüber der VRT. „Vielleicht hätten man auch anders reagieren können“, sagte er. „Aber Fakt ist doch: Da waren zwei Gruppen, zwischen denen es zu verbaler und körperlicher Gewalt gekommen ist. Und wir wollten Maßnahmen ergreifen, um das zu beenden.“

Und Mahassine kommentiert weiter: „Über die Maßnahmen, die wir getroffen haben, haben sich einige Leute dann aufgeregt. Aber letztlich ist es doch so: Wir haben gesagt, was gesagt werden musste. Jetzt ist es vorbei. Wir haben das alles zur Kenntnis genommen und werden uns in Zukunft bemühen, dass so etwas nicht noch einmal passiert.“

Kay Wagner

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2 Kommentare
  1. Alexander Hezel

    Ein gänzlich schwarzer Löwe macht den Schwenker noch nicht zu einem Nazi; allerdings sollte diese Person die Menschen nicht für dumm verkaufen wollen, denn sie hat sich bewusst dafür entschieden, eine Fahne mit schwarzem und nicht mit schwarz-rotem Löwen zu schwenken, wohlwissend, in welchem historischen und aktuellen Kontext diese Fahne benutzt wird und was sie symbolisiert (flamischer Nationalismus und Rechtsextremismus).

    Die bewusste und wiederholte Verwendung eines Symbols, das so behaftet ist, ist keine simple freie Meinungsäußerung, sondern eine gewollte Provokation, ein politisches Statement und eine Identifizierung mit einer Ideologie.

    In Deutschland läuft man auch nicht mit einem 88-T-Shirt herum, weil man die Zahl so toll findet!
    Wenn die NV-A sich zum schwarzen Löwen bekennt, dann ist das eine rein taktische Haltung, um an ihrem rechtsextremen Rand noch einige Wähler vom Vlaams Belang für sich zu gewinnen bzw. ihrer rechtsextremen Wählerschaft über’s Fell zu streichen.
    Warum können diese Flamen nicht einfach die offizielle Fahne schwenken?

  2. Maria van Straelen

    Diese Haltung hätte ich von Bruno De Wever nicht erwartet. Missbrauchte Symbole sind im Nachhinein nicht mehr verwertbar, ohne dass man an diesen Missbrauch erinnert wird (vor allem WERDEN SOLL) – siehe Hakenkreuz, das hat es auch vorher gegeben. Hier geht es nicht um unschuldige Patrioten sondern um absolute Rassisten, wie auch im vorigen Jahr bereits. Warum sonst mußte es genau diese nicht offizielle Fahne sein ? Wieso konnte man die Leute nicht finden, die Anuna und andere angegriffen haben, das sagt doch schon alles ! Was hat sich die Welt in 50 Jahren geändert, wenn ich da an Woodstock denke ….

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