Die Presseschau von Freitag, dem 23. August 2019

Die Zeitungen jubeln über den Finaleinzug der Hockeyherren bei der Europameisterschaft in Antwerpen. Außerdem beschäftigen sie sich mit dem künftigen belgischen EU-Kommissar, der so genannten superintelligenten Kilometermaut und Symbolhandlungen für eine bessere Klimapolitik.

Die Red Lions stehen im Finale der Europameisterschaft (Bild: Dirk Waem/Belga)

Die Red Lions stehen im Finale der Europameisterschaft (Bild: Dirk Waem/Belga)

„Umwerfende Red Lions“, titelt Le Soir. „Im Finale ihrer Europameisterschaft nach einer verrückten Aufholjagd“, so die Schlagzeile von L’Avenir. „0:2-Rückstand gegen Deutschland gedreht: ‚Red Lions‘ kämpfen sich in das Finale“, heißt es beim GrenzEcho auf Seite eins.

Die belgischen Hockeyherren haben mit einem 4:2-Sieg am Donnerstag in Antwerpen das Finale der Europameisterschaft erreicht. Bis zu 42. Minuten lagen die Red Lions genannten Hockeyherren noch 0:2 zurück, bevor die Belgier das Spiel noch drehten. Der amtierende Weltmeister Belgien hat jetzt auch gute Chancen, am Samstag gegen Spanien erstmals Europameister zu werden.

La Dernière Heure kommentiert: Die Erfolge, die Belgien jetzt im Herrenhockey feiert, sind der Verdienst des neuseeländischen Trainers Shane McLeod. Seitdem er die Red Lions vor nicht einmal ganz vier Jahren übernommen hat, hat er die Athleten in Krieger verwandelt; in ein verschworenes Kollektiv. Nicht weniger als sieben Finalspiele bei großen Turnieren hat Belgien seitdem bestritten. Das Erfolgsrezept liegt darin, dass auf die Art und Weise des Spiels geachtet wird und das Ergebnis zunächst unwichtig ist. So war es auch am Donnerstag im Spiel gegen Deutschland. Panik, ist bei der Mannschaft nie ausgebrochen. Sie hat immer an sich geglaubt. Zu Recht, jubelt La Dernière Heure.

„Belgien wird Europameister“

Bei La Libre Belgique heißt es: Vor ein paar Jahren noch hätte Belgien dieses Spiel verloren. Aber dieses Mal hat die Mannschaft weitergespielt, als ob nichts wäre. Als ob das 0:2 den Traum vom Finale nicht bedrohen würde. Das Kollektiv der Red Lions hat am Donnerstag wieder funktioniert. Belgien wird Europameister, ist sich La Libre Belgique sicher.

Politisch beschäftigen sich viele Zeitungen mit dem Vorschlag der PS, Laurette Onkelinx als belgische Kommissarin bei der EU-Kommission zu nominieren. Le Soir schüttelt darüber den Kopf und schreibt: Dass wir uns nicht falsch verstehen. Sowohl Didier Reynders, der bislang als Kandidat genannt wurde, als auch Laurette Onkelinx sind hervorragende Kandidaten für den Posten. Beide würden unser Land auf europäischem Niveau gut vertreten. Aber man darf sich schon fragen, was dieser völlig überraschende Coup am Donnerstag von der PS eigentlich soll. Er ist rein politisch motiviert. Die PS will Terrain besetzen, Ansprüche erheben und der MR Kontra bieten. Nur das hat sie zur Nominierung von Onkelinx bewogen. Leider geht es mal wieder nicht darum, irgendeinen Besten in die EU-Kommission zu schicken, bedauert Le Soir.

Personalie EU-Kommissar eigentlich unwichtig

Het Laatste Nieuws seinerseits beklagt: Es ist schade, dass jetzt so viel Energie auf die Diskussion des belgischen Kommissionskandidaten verschwendet wird. Denn im Grunde ist es total egal, wer dort hingeht. Auch welches Politikfeld der belgische Kommissar künftig verantworten soll ist unbedeutend. Einfluss auf das Leben der Belgier hat das nicht. Natürlich ist es schön, wenn ein Belgier wichtige Entscheidungen treffen kann. Aber auch den Bürger treibt diese Personalpolitik zum EU-Kommissar wenig um. Vielmehr würde er sich freuen, endlich eine Regierung zu bekommen. Das wäre viel wichtiger, weiß Het Laatste Nieuws.

De Standaard beschäftigt sich mit den Plänen in Flandern, eventuell eine so genannte super intelligente Kilometermaut einführen zu wollen und notiert dazu: Es ist immer schwierig, wenn die Politik versucht, über Abgaben den Gebrauch des Autos zu steuern. Bei den Bürgern regt sich dagegen Widerstand. Das mag zwar nur ein rational unbegründetes Bauchgefühl sein. Aber so ist es. In so einer Situation ein kompliziertes System einzuführen, das in der Theorie und am Computer zwar funktioniert, doch in der Praxis sich noch nirgends bewährt hat, scheint schwierig. Wenn man Veränderungen will, muss man die Menschen mitnehmen. Das schafft man am besten, wenn man ihr Vertrauen gewinnt. Nicht, wenn man ihnen ein theoretisches Konzept aufzwingt, betont De Standaard.

Segeln und Bäume pflanzen für das Klima

Die flämische Schülerin und Klimaaktivistin Anuna De Wever ist mit einem Segelboot auf dem Weg nach Chile. Dort will sie an einer Klimakonferenz teilnehmen. Dazu meint Gazet van Antwerpen: De Wever und ihre jugendlichen Begleiter wissen natürlich selbst, dass ihr Segeltörn nur einen symbolischen Wert hat. Sie können sich selbst ausrechnen, dass die paar Sitze, die dadurch im Flugzeug unbesetzt bleiben, nichts sind gegenüber den vier Milliarden Reisenden, die jedes Jahr mit dem Flugzeug fliegen. Sie wissen auch, dass kaum jemand ihren Vorbild nacheifern kann. Dennoch ist diese Aktion nicht ohne Wert. Denn immerhin setzt sie ein Zeichen. Und wer sowieso die Dringlichkeit nicht sieht, etwas gegen die Klimaerwärmung zu tun, der wird sich auch von so einem Segeltrip nicht überzeugen lassen, glaubt Gazet van Antwerpen.

In die gleiche Richtung kommentiert Het Nieuwsblad. Die neue flämische Regierung will 10.000 Hektar Fläche bis 2030 neu mit Bäumen bepflanzen. Das ist geradezu lächerlich im Vergleich zu dem, was gerade in Brasilien passiert, wo viele Quadratkilometer Urwald unter Billigung der Regierung verbrennen. Aber es ist immerhin besser, überhaupt etwas zu tun, als gar nichts, findet Het Nieuwsblad.

Kay Wagner

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