Die Presseschau von Samstag, dem 29. Juni 2019

Die Schulferien sind da. Doch gewisse Ereignisse trüben die die Stimmung. Das neue Festival "Vestiville" etwa musste kurzfristig abgesagt werden, am Flughafen Zaventem droht ein neuer Streik, Belgien bekommt in letzter Zeit vermehrt schlechte Zeugnisse und auch das Schicksal der MR ist nicht gerade rosig.

Illustrationsbild: Pixabay

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„Jetzt haben die Ferien endgültig begonnen“, titelt Gazet van Antwerpen. Und auch auf der Titelseite von La Dernière Heure scheint die Sonne. Das Blatt fügt aber gleich ein paar Tipps hinzu: „Oben ohne, Zigaretten, Hunde, Alkohol: An der belgischen Küste ist nicht alles erlaubt“.

Viele Zeitungen sind am Samstag in Urlaubsstimmung. Am Freitag haben ja im ganzen Land die Schulferien begonnen. Und wer in Belgien „Ferien“ sagt, der sagt auch „Festivals“. Am Donnerstag hat ja schon das große Rockfestival in Werchter begonnen, das insbesondere die flämischen Zeitungen aus nächster Nähe verfolgen.

Abgesagtes Musikfestival sorgt für Unmut

Am Freitag hätte aber auch im limburgischen Lommel ein neues Festival an den Start gehen sollen. Auf dem „Vestiville“ hätten vor allem Hiphop- und R’n’B-Stars auftreten sollen. Aus dem Hochamt der Urban-Music wurde aber ein spektakulärer Flop. Das Festival wurde am Freitag aus Sicherheitsgründen abgesagt, und das nur anderthalb Stunden vor dem geplanten Beginn. Viele Besucher standen da schon vor dem Eingangsbereich. „Abgesagtes Festival: Polizei musste wütende Jugendliche im Zaun halten“, bemerkt Het Laatste Nieuws auf Seite eins. Rund 1.500 enttäuschte Besucher hatten versucht, das Gelände zu stürmen.

Das Ganze könnte aber für die Organisatoren ein Nachspiel haben: „Die Staatsanwaltschaft leitet eine Untersuchung wegen mutmaßlichen Betrugs ein“, titeln Het Nieuwsblad und Het Belang van Limburg. Das Fiasko kam im jeden Fall gewissermaßen „mit Ansage“, wie beide Blätter hervorheben. Kenner der Szene hatten von Anfang an Bedenken geäußert. Und möglicherweise ist auch nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Das Wirtschaftsministerium weist seinerseits darauf hin, dass die Veranstalter rechtlich dazu gezwungen sind, den Kunden das Geld für die Tickets zurückzuerstatten.

Brussels Airport mit dem Streik-Virus infiziert

Auch am Landesflughafen Zaventem könnte es schon bald lange Gesichter geben. „Jetzt droht das Personal eines Gepäckabfertigungsunternehmens den Brussels Airport lahmzulegen“, bemerkt etwa Het Laatste Nieuws auf Seite eins. Die Mitarbeiter von Swissport könnten am Montag die Arbeit niederlegen, um gegen die Arbeitsbedingungen zu protestieren. Für den Flughafen käme ein Streik jetzt, ausgerechnet zu beginn der Hochsaison, zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

Der Brussels Airport wurde offensichtlich mit dem Streik-Virus infiziert, stellt De Tijd in seinem Leitartikel fest. Die Fluglotsen von Skeyes sorgen schon seit Monaten mit ihren Protestaktionen regelmäßig für Chaos. Das Sicherheitspersonal und die Zollbeamten organisieren immer mal wieder Bummelstreiks. Und jetzt, ausgerechnet zum Urlaubsbeginn, melden sich auch die Mitarbeiter der Gepäckabfertigung wieder zurück. Was sie alle verbindet: Die Streikenden riskieren nichts. Viele von ihnen wissen sehr wohl, dass sie unabdingbar sind. Im Grunde genommen gilt das aber auch für den Flughafen selbst. Zwar erleidet der Brussels Airport wegen der permanenten Streiks einen gehörigen Imageschaden. Großartige finanzielle Folgen hat das aber nicht, weil insbesondere die belgischen Fluggäste den Landesflughafen nicht einfach so links liegen lassen können.

Herausforderungen 2030 – Belgien auf dem falschen Weg

Bemerkenswerte Zahl derweil auf Seite eins von L’Echo: „Klima, Pensionen, Jobs: Belgien wird das alles 9.000 Milliarden Euro kosten“, schreibt das Blatt. Zu diesem Ergebnis kommt ein so genannter Think-Tank. In dieser Denkfabrik haben sich Experten von Universitäten zusammengeschlossen. Die Fachleute haben insgesamt 26 Herausforderungen identifiziert, die Belgien bis 2030 erwarten. Die nötigen Maßnahmen wurden auch beziffert: 9.000 Milliarden Euro wird das Ganze kosten, das entspricht 20 Mal dem belgischen Bruttoinlandsprodukt.

Doch eins ist sicher: Belgien darf nicht so weitermachen wie bisher, meint Le Soir sinngemäß in seinem Leitartikel. In den letzten Tage hat Belgien gleich mehrere katastrophale Zeugnisse bekommen. Vor rund einer Woche gab die EU-Kommission dem belgischen Klimaplan mal eben die Note „ungenügend“. Einige Tage später stellte das Planbüro fest, dass sich im Bereich der nachhaltigen Entwicklung nichts bewegt. Und am Freitag hat Elia, der Betreiber der Hochspannungsnetze, in einem neuen Bericht vor Versorgungsengpässen infolge des Atomausstiegs gewarnt. Im Klartext: Im Bereich Energie und Klimaschutz sind wir nirgendwo. Totalversagen der Behörden auf allen Ebenen. So kann und so darf es nicht weitergehen.

„Die Politik hat nichts verstanden“

Und allein mit Zynismus kann man insbesondere den Klimawandel nicht stoppen, mahnt auch De Standaard. Die extremen Wetterphänomene häufen sich. Gerade erleben wir in Europa, zu einem ungewohnt frühen Zeitpunkt, die erste Hitzewelle. Gleichzeitig sind die Staaten der Welt weiter denn je von einer wirklich entschlossenen gemeinsamen Klimaschutzpolitik entfernt. Stattdessen herrscht der Zynismus. Sich über Klimaschutz-Aktivismus lustig zu machen, ist zu einer olympischen Sportart avanciert. Die Klimajugend wurde in die Ecke gestellt. Aber nicht vergessen: Das löst die Probleme nicht. Wir können nicht allen Ernstes glauben, dass wir mit dieser Haltung durchkommen. Solidarität ist keine Einbahnstraße. Wir können die Kosten nicht immer auf „die anderen“ abwälzen.

Zumindest im Moment gibt es aber nach wie vor auch keine Regierung, die die Probleme angehen könnte. In den Regionen und erst recht auf der föderalen Ebene treten die Verhandlungen mehr oder weniger auf der Stelle.

Die Politik hat nichts verstanden, wettert sinngemäß Het Belang van Limburg. Auf allen Ebenen sehen wir das gleiche Schattentheater. In Flandern und in der Wallonie wird über Minderheitsregierungen verhandelt, die in beiden Fällen kaum lebensfähig sein können. Und auf der föderalen Ebene schließen sich PS und N-VA nach wie vor gegenseitig aus. Streitereien und Stratego, das ist genau das, was die Wähler vor einem Monat abgewählt haben. Die Politik scheint das schon vergessen zu haben.

Die MR hat den Schwarzen Peter

L’Echo befasst sich seinerseits mit der Situation in der Wallonie. Der Schwarze Peter ist in jedem Fall für die MR, glaubt das Blatt. Entweder, PS und Ecolo kriegen doch noch irgendwie eine Mehrheit zusammen; dann bleiben die Liberalen draußen. Doch selbst, wenn die PS am Ende doch noch bei der MR anklopfen muss, wartet auf die Liberalen eine undankbare Rolle. Die MR würde ja bestimmt nicht eine Note blind unterschreiben, die die Sozialisten und Grünen vorgekaut haben. Heißt also: Die MR muss eine Text zerreißen, zu dem die Zivilgesellschaft inhaltlich beigetragen hat. In beiden Fällen kann die MR also nur verlieren. Wobei es noch einen dritten Weg gibt: die Blockade. Das allerdings wäre auch nicht besser.

Roger Pint

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7 Kommentare
  1. Dieter Leonard

    „Sich über Klimaschutz-Aktivismus lustig zu machen, ist zu einer olympischen Sportart avanciert.“

    Diese „Sportler“ finden auch im BRF Hörerforum eine Bühne für ihr zynisches Treiben.

  2. MARCEL SCHOLZEN eimerscheid

    Werter Herr Leonard.

    Über Klimaschutzaktivisten kann man sich genauso gut lustig machen wie über andere gesellschaftliche Phänomene auch.Warum sollen die ausgenommen werden ?Sind die was besonderes ?Wenn man zum Beispiel Witze über Ostfriesen machen darf, darf man auch Witze machen über Klimaschutzaktivisten.Mich erinnert das an früher, als man keine Witze über Pfarrer und Kirche machen durfte. An deren Stelle sind jetzt Klimaschutzaktivisten getreten.Die neuen Heiligen.Sind unantastbar und dürfen sich alles erlauben.

    Anscheinend wieder so ein Versuch, die Meinungsfreiheit einzuschränken, indem man das Witzemachen über Klimaaktivisten stigmatisiert. Das darf nicht sein. Dem muss entgegen gesteuert werden. Das ganze ist eben typisch linksradikal. Ist aber nichts neues. Als der deutsche Liedermacher Reinhard Mey in seinem Lied „Annabelle“ sich über die Studenten- und Emanzipationsbewegung zu Beginn der 1970er Jahre lustig machte, gab es einen heftigen Aufschrei im linken Milieu.

  3. Dieter Leonard

    @M. Scholzen
    Sie haben offensichtlich weder den Beitrag von Roger Pint verstanden, noch durchblicken sie selbst Motivation ihres eigenen Treibens Herr Scholzen. Sie machen sich nicht lustig über Klimaaktivisten, sie versuchen, sie lächerlich zu machen und zu kriminalisieren.
    Sie erniedrigen, verleumnden und ziehen absurde Vergleiche wie auch diesmal. Typisch linksradikal, Ostfriesen,…?
    Da sie fachlich nicht in der Lage sind zu argumentieren, verbirgt sich hinter ihrer deplatzierten „Satire“ und ihren „drastischen Vergleichen“ ganz einfach die Leugnung einer wissenschaftlichen Erkenntnis. Mehr ist da nicht.
    Und dazu sind ihnen und anderen alle Mittel diffamierender Rhetorik recht. Von den Schlümpfen bis zu den grünen Ratten. Von den Linksradikalen bis zu den Terroristen und Dschihadisten.
    Sie sind, was diese Thematik betrifft, in Wirklichkeit nur ein familiärer Trittbrettfahrer, Herr Scholzen. Weder lustig, noch stichhaltig, noch glaubhaft.

  4. Alexander Kerres

    Sie machen also nur Witze, Herr Scholzen? Schön wäre es, aber die Wahrheit ist doch, dass Sie sie als Leugner des anthropogenen Klimawandel keine Gelegenheit auslassen, die von Ihnen und anderen rechten Freunde so verhassten Grünen, Linke, Liberalen und gemäßigten Konservativen zu beleidigen und zu diffamieren. Also eigentlich alles, was nicht rechts von N-VA, AfD u.ä. ist. Dabei sind Sie weder witzig noch besonders originell.

  5. Marcel scholzen Eimerscheid

    Werter Herr Léonard. Der Vergleich mit Dschihadisten bietet sich doch gerade zu an. Die verstehen auch keinen Spass. Genau wie die Klimaschuetzer 😊
    Werter Herr Kerres. Ich bin nicht Rechts. Ich bin demokratisch eingestellt. Ich akteptiere andere Meinungen. Ich habe nur eben meine eigene Meinung zu dieser Klimahysterie, die mit vernuenftigem Umweltschutz nichts zu tun hat. 😁😁

  6. Alexander Kerres

    Herr Scholzen, wenn Sie nicht rechts sind, warum kommt von Ihnen denn hier nichts anderes, als die altbekannte rechtspopulistische Hetze in allen möglichen Themenbereichen?
    Europa, Islam, Klima, Justiz, etc.?
    Aber wenn Sie das nicht verstehen können, wundert mich das jetzt auch nicht wirklich. Vielleicht bringt der BRF ja noch mal eine Erklärung dazu, was eigentlich linke und rechte Positionen sind.😉
    Aber keine Sorge. Als Nazi bezeichne ich Sie nicht. Mit Sozialismus haben Sie ja schließlich nichts zu tun.😁

  7. Marcel scholzen Eimerscheid

    Rechtspopolitische Hetze ? Diese Behauptung ist totaler Quatsch. Nur weil meine Meinung nicht „politisch korrekt“ ist. Ich bin eben nicht mit jedem Bloedsinn einverstanden, wie zum Beispiel dem ganzen Rummel um Greta Thunberg.

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