Die Geschichte der Wahlen aus ostbelgischer Perspektive

Das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft zeigt noch bis zum 11. März in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv eine Ausstellung unter dem Titel "Wahl:Los". Die Ausstellung widmet sich der Geschichte der Wahlen aus ostbelgischer Perspektive.

Ausstellung "Wahl:Los": Die Geschichte der Wahlen aus ostbelgischer Perspektive (Bilder: Chantal Delhez/BRF)

Ausstellung "Wahl:Los": Die Geschichte der Wahlen aus ostbelgischer Perspektive (Bilder: Chantal Delhez/BRF)

Wie selbstverständlich ist Demokratie? Betrachtet man die Ausstellung „Wahl:Los“ in den Räumen des Parlaments wird deutlich, dass die Antwort sehr vielschichtig ist.

Die Geschichte der Wahlen aus ostbelgischer Sicht beleuchtet die Entwicklung der Demokratie Preußens bis nach dem Ersten Weltkrieg über die Zwischenkriegsjahre und die Zeit nach 1945 bis heute. „Dass immer mehr Menschen das Recht haben, wählen zu gehen, war uns ein Hauptanliegen“, so Dr. Vitus Sproten, Archivar beim Staatsarchiv über die Ausstellung.

„Wir beginnen mit der Beobachtung: Vor 150 bis 200 Jahren durften nur wenige Menschen wählen und nicht jeder hatte die selbe Anzahl Stimmen. Und wir enden mit der Beobachtung, dass man heute in Ostbelgien ein Parlament hat, Frauen dürfen wählen, Jugendliche dürfen wählen und alle haben das gleiche Stimmrecht“, erklärt Dr. Vitus Sproten.

Die Wahlsysteme haben sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert und immer mehr Menschen die Möglichkeit gegeben, ihre Stimme geltend zu machen. „Ich denke, die wichtigsten Entwicklungen sind vor allem das allgemeine Wahlrecht, das Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführt wurde“, so Dr. Vitus Sproten. „Aber viele Bevölkerungsgruppen waren lange von Wahlen ausgeschlossen. Das trifft auf Frauen zu, aber betrifft auch die Absenkung des Wahlalters. Das trifft aber auch auf die Demokratie in der DG zu.“

Die Ausstellung beleuchtet auch die Entwicklung der demokratischen Mitbestimmung der Deutschsprachigen Gemeinschaft im gesamtbelgischen Staat und zeigt unter anderem Wahlplakate, an die sich viele noch erinnern werden. Trotz der Entwicklung zu mehr Demokratie macht sich aber auch Politikverdrossenheit breit.

„Obwohl sich die Demokratie in den letzten 150 bis 200 Jahren sehr entwickelt hat, sind diese Entwicklungen manchmal nicht unbedingt von den Menschen selbst gefördert worden, sondern von der Politik entschieden worden“, so die Beobachtung von Dr. Vitus Sproten.

Die Ausstellung im Parlament ist bis zum 11. März zu sehen, wochentags von 9 bis 16 Uhr.

cd/rasch

Ein Kommentar
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Mag sein, dass heute mehr Menschen wählen können wie früher.Nur das ändert nichts an der Tatsache, daß Politik eine Angelegenheit einer akademisch gebildeten Kaste bleibt, genau wie vor 200 Jahren.Darum ist das Wahlrecht eine Mogelpackung. Mitbestimmung wird den Menschen vorgegaukelt.Mehr ist nicht.Der ominöse Bürgerdialog ist diesbezüglich ein gutes Beispiel.

    Während der Pandemie hat die Politik deutlich an Vertrauen verloren. Und dieses verlorene Vertrauen kann nur durch mehr direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild wieder gewonnen werden.