Kultursektor wünscht sich breitere Debatte

#stillstanding - diesen Aufruf hat die belgische Kulturbranche bereits zwei Mal gemacht. Nun machen die Kulturakteure ein drittes Mal auf den Stillstand ihrer Branche aufmerksam. Dazu gehört auch eine Gruppe ostbelgischer Kulturschaffender. Sie fordern eine breite gesellschaftliche Debatte und wünschen sich, wieder kulturell aktiv sein zu dürfen.

Mikrofon (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / duha127)

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Insgesamt sieben Akteure wenden sich mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit: das Agora Theater, arsVitha, Chudoscnik Sunergia, Fithe Ostbelgien, Irene K, das Kulturelle Komitee Eupen sowie OstbelgienFestival.

Die sieben Akteure sind sich einig in ihren Forderungen, wie Konstanze Keller von Chudoscnik Sunergia erklärt: „Der Titel unserer Mitteilung erklärt es eigentlich schon. Wir stehen still. Das ist jetzt kein Geheimnis. Wir möchten heute unabhängig von der finanziellen Lage, den Planungsunsicherheiten und dem Stillstand unserer Aktivitäten vor allem daran erinnern, dass Kultur als Gemeinwohl dringend öffentlich debattiert und verteidigt werden muss.“

Zum einen wünschen die Kulturakteure sich eine breite, öffentliche Debatte. Zum anderen würde die Kultur gerne einen wichtigeren Platz in dieser Debatte einnehmen, so Konstanze Keller: „Es ist einfach vom Prinzip oder vom Grundrecht her unser öffentlicher Auftrag innerhalb der Demokratie, über das auszutauschen, was gerade passiert aktuell in der Gesellschaft.“

Aktuell dominiere die Logik der Inzidenzzahlen, so Konstanze Keller stellvertretend. Diese Logik sollte jedoch dringend erweitert werden, lautet die Forderung. Faktoren des sozialen Lebens, die Frage, was der Mensch zum eigenen Wohlergehen braucht, sollten stärker berücksichtigt werden: „Wir wünschen uns ganz ehrlich das Schaffen von fairen Ausgangsbedingungen für die ganze Gesellschaft, also im Interesse der Bürger. Da haben wir die wirtschaftlichen aber auch die sozialen und psychosozialen Risiken, die mit einbezogen werden sollen.“

Zurzeit sieht der Kultursektor solche Aspekte vergessen. Dementsprechend schwierig ist es da, die Gesamtheit der Maßnahmen nachzuvollziehen: „Und da steht verhältnismäßig etwas nicht in Relation. Man kann jetzt das Beispiel nehmen, während für viele Handelsaktivitäten das Zusammenkommen von zahlreichen Menschen durchaus toleriert ist, vielleicht auch mehr als 200, sind die kulturellen Aktivitäten komplett unter dem aktuellen Protokoll verboten. Und da ist ein Problem, das steht nicht in Relation“, erklärt Konstanze Keller.

Keine Möglichkeit sich auszudrücken

Momentan habe man jedoch keine Möglichkeit sich auszudrücken, betont Konstanze Keller. Aus einem kulturellen Rahmen heraus möchte die Branche ihre Einwände nach vorne bringen – im Austausch mit öffentlichen Akteuren, aber auch der Gesellschaft. Denn auch die Bevölkerung habe ein Bedürfnis nach kulturellen Angeboten: „Wir möchten einfach nochmal daran erinnern, dass Kultur Verbindungen schafft zur Bildung, zu sozialen Aktivitäten und deswegen auch zur mentalen Gesundheit der Bevölkerung beiträgt. Und in dieser Rolle möchten wir wieder aktiv sein dürfen und auch gehört werden.“

Konstanze Keller sieht Alternativen gegenüber der kompletten Schließung des Sektors und erinnert dabei an die letzten Monate: „Es ist ja schon eine Tatsache, dass es bereits letzten Sommer und bis in den September hinein lokale Initiativen, also auch belgienweite Initiativen gegeben hat, die bewiesen haben, dass kulturelle Aktivitäten auch in Krisenzeiten systemrelevant sind und auch wirklich dankend angenommen werden von Künstlern und von den Zuschauern.“

„Wir stehen im Schatten“, bemerkt Konstanze Keller abschließend. Mit dem erneuten Aufruf hoffen die Kulturschaffenden, einen ersten Schritt aus diesem Schatten heraus zu machen.

Andreas Lejeune