Die Presseschau von Montag, dem 2. August

Goldene Titelseiten: Turnerin Nina Derwael holte gestern die erste belgische Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen. Aber auch sonst herrscht in der Presse ein positiver Grundton: Belgien ist europäischer Impf-Spitzenreiter. Die Zeitungen überlegen nun, wie die letzten Impfgegner überzeugt werden können.

Turnerin Nina Derwael hat die erste Goldmedaille für Belgien geholt (Bild: Dirk Waem/Belga)

Turnerin Nina Derwael hat die erste Goldmedaille für Belgien geholt (Bild: Dirk Waem/Belga)

„Gold!“, jubelt Gazet van Antwerpen. „Glanzleistung“, so die Schlagzeile des GrenzEchos. „Unsere goldene Nina“, schreiben Het Belang van Limburg und La Dernière Heure auf Seite eins.

Die Turnerin Nina Derwael hat gestern am Stufenbarren Gold geholt. Für Belgien war es bei diesen Olympischen Spielen die erste Goldmedaille. „Es ist Gold, das besonders glänzt“, glaubt Het Laatste Nieuws. Het Nieuwsblad ist konkreter: „Es ist eine historische Goldmedaille“, ist die Zeitung überzeugt.

„Nina Derwael schreibt Geschichte“, notieren auch L’Avenir und La Libre Belgique. Denn: Es ist die erste olympische Goldmedaille für Belgien im Turnen überhaupt. Nina Derwael ist so etwas wie eine Pionierin.

Nina rettet uns den Sommer

Wer bis vor Kurzem noch keine Ahnung hatte, was ein Stufenbarren ist, der ist seit dem vergangenen Wochenende ein bisschen schlauer, meint Gazet van Antwerpen augenzwinkernd in ihrem Leitartikel. Dies ist natürlich Nina Derwael zu verdanken, die sich ebenso grazil wie entschlossen an diesem Turngerät eine Goldmedaille erkämpfte. Klar: Nina Derwael gehörte zum engen Kreis der Favoritinnen. Viele hatten im Vorfeld auf eine Goldmedaille gehofft, sie vielleicht sogar erwartet. Im Sport gibt es aber keine Sicherheiten; und Nina hat beeindruckende Nervenstärke bewiesen.

Selbst für diejenigen, die den Turnsport eigentlich nicht verfolgen, dürfte diese Leistung aufmunternde Wirkung haben. Und das gerade in diesem Sommer, der bis gestern alles andere als lustig war. Unsere Landsleute im Süden Belgiens lecken noch immer ihre Wunden nach der schrecklichen Unwetterkatastrophe. Wenn unsere Athleten auch nicht mit den meisten Medaillen von den Olympischen Spielen zurückkehren werden, so sieht es doch stark danach aus, als würden unsere Jungs und Mädels in Tokio den belgischen Sommer retten.

Auch L’Avenir ist voll des Lobes. Nina Derwael hat den Olymp erreicht. Nach Jahren der Anstrengungen und Entbehrungen. Jahre, in denen sie unentwegt ihre körperlichen und geistigen Grenzen überschreiten musste. Jahre, in denen sie die immer gleichen Übungen immer und immer wiederholen und perfektionieren musste. Ohne dabei das Vertrauen und den Spaß zu verlieren. In diesem Sinne ist die 21-Jährige aus Sint-Truiden eine glänzende Vertreterin der Sportwelt. Ihr Erfolg kann jedenfalls auch anderen Flügel verleihen, man denke nur an Nafissatou Thiam, die ihren Olympiasieg von Rio verteidigen will. Oder an die Red Lions; nach Silber in Rio will die Feldhockeymannschaft diesmal auf das höchste Treppchen. Aber es muss nicht immer eine Medaille sein. Eigentlich ist der Weg das Ziel.

Impfkampagne – Belgien hat die Nase vorn

Was war das doch für ein triumphaler Tag gestern, freut sich auch Het Nieuwsblad. Erstmal natürlich die Goldmedaille für Nina Derwael. Aber nicht nur das. Team Belgien hat Großbritannien überholt. Und zwar bei der Impfkampagne. Da können wir stolz darauf sein. Vor knapp einem halben Jahr konnte sich der britische Premier Boris Johnson noch selbst auf die Schulter klopfen, weil sein Land den Turbo eingelegt hatte. Die britische Revolverpresse lachte sich schief über die Europäer. Inzwischen liegt hierzulande die Impfquote höher. Und das haben wir in allererster Linie der EU zu verdanken. Belgien ist ein kleines Land, ganz zu schweigen von Flandern oder der Wallonie. Wenn wir nicht im mächtigen EU-Boot säßen, dann wären wir wohl nicht so schnell an die Reihe gekommen. All denen, die meinen, dass sie alleine besser da stünden, sollte das eine Lehre sein.

Apropos Impfung: Bislang wird in Belgien im Alltag noch kein Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften gemacht. Noch nicht, meint Het Belang van Limburg. Denn auch hierzulande steht eine mögliche Impfpflicht immer nachdrücklicher im Raum. Für ihn sei das kein Tabu mehr, sagte der flämische Gesundheitsminister Wouter Beke noch vor einigen Tagen. Und das ist nur konsequent. Inzwischen zeigt sich nämlich, dass die Delta-Variante noch ansteckender ist als gedacht. Und ob wir es nun wollen oder nicht: Wir werden wohl noch häufiger den Corona-Pass vorzeigen müssen. Denn vorläufig ist es immer noch das Virus, das die Regeln diktiert.

Sind die Impfgegner „nützliche Idioten“?

De Morgen plädiert seinerseits aber für Augenmaß. Zum Beispiel kann es nicht sein, dass Ungeimpften am Ende der Zugang zu ihrem Arbeitsplatz verwehrt wird. Entsprechende Gedankenspiele laufen ja bereits. Derartige Maßnahmen wären aber nur Wasser auf den Mühlen der Impfgegner und damit letztlich kontraproduktiv. In Belgien wären übertriebene Einschränkungen für Nicht-Geimpfte angesichts der doch hohen Impfquote im Übrigen überzogen. Die muss allerdings noch gesteigert werden. Aber vorzugsweise durch Überzeugungsarbeit.

Die Impfgegner sollen einmal in sich gehen, empfiehlt La Dernière Heure. Genauer gesagt sollten sie sich die Frage stellen, ob sie nicht auf dem besten Weg sind, zu dem zu werden, was sie doch eigentlich niemals sein wollten, nämlich zu Versuchskaninchen. Die Zahlen sprechen für sich: Die Covid-Patienten, die sich im Moment in den Krankenhäusern und auf den Intensiv-Stationen befinden, sind zu 95 Prozent nicht oder nicht vollständig geimpft. Anderes Argument: Viele Impfgegner wollen nach eigenen Angaben nicht der Pharmaindustrie das Geld in den Rachen schaufeln, tun das aber trotzdem, weil sie sich regelmäßig PCR-Tests unterziehen müssen. Fazit: Die Nicht-Geimpften werden gewissermaßen zur Vergleichsgruppe. An ihrem Beispiel zeigen sich in Echtzeit die Risiken des fehlenden Impfschutzes. Damit werden sie eigentlich nur zu den nützlichen Idioten im Kampf gegen die Pandemie.

Roger Pint