Die Bilder vom olympischen Fackellauf, von der Eröffnungsfeier und von den Wettkämpfen berühren. Das ist bei den "Special Olympics" nicht anders als bei den großen Olympischen Spielen (sommers wie winters). Nur sorgen die verlässlich für negative Schlagzeilen: größenwahnsinnige Ausmaße, Kommerz, Korruption, Sportswashing, Doping … Auch die sympathisch daherkommenden Paralympics sind nicht über jeden Zweifel erhaben. Im Vergleich dazu weht über den "Special Olympics" geradezu der Schleier der Unschuld.
Der olympische Gedanke in Reinform: "Dabei sein ist alles". Und doch geht es um mehr als das. Es geht nämlich sehr wohl darum, so schnell wie möglich zu laufen, so hoch wie möglich zu springen, so weit und geschickt wie möglich zu werfen … und nach Möglichkeit zu gewinnen! Die eigenen Grenzen kennen- und überwinden lernen. Das setzt Übung und Training voraus. Die Sportler wollen zeigen, was sie können, was man schaffen kann, wenn man sich nur genug anstrengt. So werden auch sie zu Vorbildern für andere.
Ich kann mich noch gut an die Anfänge des "Behindertensportclubs" BSC Elsenborn erinnern. Heute steht das B für "begleitend" - und der Sportclub umfasst Sportler aus ganz Ostbelgien und darüber hinaus. Anfangs warben die Pioniere wie der Sportlehrer Alex Langer oder der Schulleiter Willy Heinzius um Anerkennung: Warum sollten Schüler mit einer geistigen Beeinträchtigung nicht an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen können?
Schon bald sorgten Berichte etwa aus dem schottischen Glasgow oder dem US-amerikanischen Reno für Aufsehen - eine Zeitlang bezeichnenderweise im Lokalteil, so wie dort auch über andere außergewöhnliche Reiseerfahrungen Hiesiger berichtet wurde. Mittlerweile haben es die "Athleten", wie sie sich von Anfang an stolz nennen durften, in den Sportteil geschafft: So geht Inklusion.
Dass unsere Gegend nun zum Schauplatz solcher Spiele wurde, ist zwar dem Zufall geschuldet - der ursprünglich geplante Austragungsort stand nicht mehr zur Verfügung. Die Deutschsprachige Gemeinschaft hatte Interesse signalisiert, war aber offensichtlich noch nicht bereit für ein solches Event - auch finanziell.
Auf die Schnelle wurde mit Malmedy eine Alternative gefunden und nach dem Vorbild der großen Olympischen Spiele (siehe die Winterspiele in Norditalien oder die anstehende Olympiabewerbung in NRW) bauten die Organisatoren auf ein dezentrales Konzept: Lasst uns die jeweiligen Wettkämpfe dort austragen, wo die Infrastruktur und das Knowhow schon vorhanden sind! Das stellt vor logistische Herausforderungen, ist aber ein tragfähiges, da finanzierbares Konzept auch für künftige Auflagen.
Dass dafür die etwas schwammige Ortsbezeichnung "Hautes Fagnes" gefunden wurde, sei den Veranstaltern verziehen. Im Hohen Venn selbst läuft gar nichts. Es war wohl der gemeinsame Nenner zwischen den Austragungsorten Malmedy, Spa, Theux, Eupen, Bütgenbach und Elsenborn. Wenn man so will: "Ostbelgien at its best" … oder "at its largest".
Dabeisein ist nicht alles. Aber es schafft Raum für Begegnung. Zwischen den Sportlern und zwischen den Ausrichtern. In diesem Sinne: Mögen die "Special Olympics" noch lange leben … und gerne wiederkommen.
Stephan Pesch