Kommentar: EU-Klimaplan – Ambitionen sind gut, Realismus ist besser

Die EU will ernst machen beim Kampf gegen den Klimawandel und hat sich mit dem Programm "Fit for 55" ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Bei der Abstimmung im EU-Parlament war es einigen Abgeordneten zu ambitioniert, anderen gingen die Ziele nicht weit genug. Am Ende scheiterten in der Abstimmung wichtige Regelungen zum CO2-Emissionshandel. Ambitionen sind gut, Realismus ist besser.

BRF-Programmchef Olivier Krickel

BRF-Programmchef Olivier Krickel (Bild: Achim Nelles/BRF)

Sogar sogenannte Qualitätsmedien lassen sich inzwischen zu Weltuntergangsuhren hinreißen. Noch sieben Jahre, fünf Monate und 14 Tage bis das CO2-Budget des Planeten aufgebraucht sei, tickert es seit Monaten etwa bei Spiegel online. Die Webseite suggeriert damit, dass nach aktuellem Stand am 24. November 2029 die Erde unwiderrufbar verloren wäre. Solche Spielchen sind etwa so seriös, wie den Klimawandel gleich ganz zu leugnen – nur eben mit umgekehrtem Vorzeichen. Und so kann es etlichen Aktivisten nicht schnell und umfassend genug gehen, die Grundlagen unserer Wirtschaft und damit unserer Gesellschaft auf den Kopf zu stellen. Wenn die Apokalypse droht, scheint jeder Kollateralschaden das kleinere Übel.

Mit zu ambitionierten Plänen, die das Funktionieren der Wirtschaft und damit den gesellschaftlichen Frieden aufs Spiel setzen, überschätzt Europa seine Bedeutung. Der Nobelpreisträger William Nordhaus hat vor Jahren einen Klimaclub ins Gespräch gebracht. Dem müssten neben Europa mindestens die USA, China und Indien angehören. Nur in einem solchen Verbund können Instrumente gedeihen, die den weltweiten CO2-Ausstoß tatsächlich senken, damit dem Klima wirklich gedient ist. Versucht Europa es im Alleingang, wird das dem Klima eher schaden als nutzen. Denn verbraucht Europa weniger fossile Energie, fällt deren Preis auf dem Weltmarkt, wodurch andere Länder schneller in die Versuchung kommen, genau diese fossilen Energien zu verfeuern. Ein Bärendienst für den Klimaschutz und ein Nachteil für Europa, wirtschaftlich in der Welt zu bestehen. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass der CO2-Ausstoss nur dann abnimmt, wenn auf der ganzen Welt weniger Kohle, Öl und Gas verfeuert wird. Passiert das nur regional, werden fossile Energieträger lediglich woanders verbrannt.

Auch wenn es stimmt, dass kein Klimaschutz am Ende teurer ist als Klimaschutz, so bleiben die Kosten für die Transformation allein der Energieversorgung immens. Nur ein Beispiel: Stand heute ist es technisch unmöglich, eine Industriegesellschaft ausschließlich aus erneuerbarer Energie zu versorgen. Es braucht eine Doppelstruktur mit konventionellen Kraftwerken für die nicht unwesentlichen Zeiten, in denen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Hinzu kommen Kosten für beispielsweise den Ausbau von Stromtrassen. Dass selbst in einem hochentwickelten Land wie den Niederlanden das Stromnetz streckenweise voll ist, sollte Warnung genug sein: Da kommt noch einiges an Aufbauarbeit auf uns zu. Das zieht Geld, Arbeitskraft und Ressourcen ab, die dann für anderes nicht zur Verfügung stehen. Wirtschaftswissenschaftler sprechen jetzt schon von der Greenflation, die die übliche Inflation zusätzlich antreibt und das Leben teurer macht. Gerade der aktuelle Preisschub zeigt, wie viel gesellschaftliche Sprengkraft hinter einer solchen Entwicklung steht.

Europa alleine kann das Klima nicht retten, aber sich selbst soweit schaden, dass es seinen Einfluss auf andere Weltregionen zunehmend verliert. Europa sollte klüger agieren, als bis zur letzten Patrone alles nur in CO2-Vermeidung zu investieren. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass sich das Klima noch lange zu unserem Nachteil verändern wird. Deshalb brauchen wir ebenso Ideen und Maßnahmen, wie wir mit diesen Veränderungen umgehen. Und es scheint, dass Europa die konkreten Anpassungen an das unvermeidliche „neue Klima“ noch viel zu stiefmütterlich behandelt.

Olivier Krickel

2 Kommentare
  1. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Sehr guter Kommentar.

    Die Realität berücksichtigen, ist eigentlich selbstverständlich.Nur passiert leider zu selten in der Politik. Europa allein hat keinen Einfluss aufs Klima.Alle Maßnahmen in Europa sind irrelevant, wenn der Rest der Welt nicht mitspielt.Der Klimawandel in Europa ist ein Vehikel für politische Extremisten, um die Demokratie zu untergraben.Eigentlich selbstverständliche Grundrechte werden nicht respektiert.Da blockieren Klimaaktivisten fremde Leute Eigentum, oder kritische und sarkastische Äußerungen über Gretchen und Co werden als „Hass“ bezeichnet und so die Kunst- und Meinungsfreiheit in Frage gestellt. Diese Leute erwarten bedingungslosen Gehorsam und Unterwerfung.Sie wollen eine totalitäre Umweltdiktatur mit niedrigem Lebensstandard und geringen Freiheiten.Alles im Namen des Klimaschutzes, einer neuen Ideologie oder Religion.Ein Blick nach Nordkorea zeigt wie eine totalitäre Diktatur aussieht.

  2. Gerald Pesch

    Der Begriff des „Leugnens“ des Klimawandels sollte ebenso hinterfragt werden wie die, zurecht, kritisierten völlig überzogenen Maßnahmen zum „Klimaschutz“. Niemand „leugnet“ die Eigenschaft des Klimas zum Wandel, das ist der Normalzustand. Anders sieht es aus bei der Theorie des „menschengemachten“ Klimawandels durch ir-anregbaren Spurengasen, im Besonderen des CO2. Auf unserer Internetseite „Gegenpol Ostbelgien“ haben wir uns ausführlich mit der wissenschaftlichen Kritik an dieser Theorie beschäftigt. Es ist unverständlich dass man sich dieser Diskussion weitgehend verweigert und das mit dem einzigen Argument dass „die Mehrheit der Wissenschaftler….“. Dass diese Mehrheit a) auf höchst fragwürdigen Studien beruht, und b) Mehrheitsmeinungen in der Wissenschaft bedeutungslos sind (siehe z.B. A. Wegener oder I. Semmelweis), zeigt dass auch diese Diskussion überfällig ist. Eine Diskussion über die Plausibilität eines CO2 getriebenen Klimawandels ist kein Unsinn sondern dringend nötig um die Entscheidungsspielräume zu schaffen damit die „Klimapolitik“ sich nicht zum wirtschaftlichen Desaster auswächst.