Für den 28-jährigen Kevin Nyssen aus Kelmis ist es die erste Teilnahme am Giro - und gleichzeitig eine ganz besondere Rundfahrt, weil mit Tim Rex ein weiterer Ostbelgier im Aufgebot des Teams steht. "Es ist auf jeden Fall ein sehr spezielles Gefühl, bei so einem großen Rennen dabei zu sein", sagt Nyssen. "Vor allem, wenn man mit dem Team auch noch wirklich um den Endsieg fightet. Das macht das Ganze noch einmal besonderer."
Der Alltag des Kelmisers spielt sich fernab der Kameras ab. Mal organisiert er Hotels, kümmert sich um Gepäck, Verpflegung und Wäsche, mal bereitet er Trinkflaschen für die Versorgungspunkte vor oder empfängt die Fahrer im Ziel mit Recovery-Produkten und frischer Kleidung. "Im Hintergrund muss einfach alles funktionieren", erklärt Nyssen. "Und genau dafür sind wir da."
Besonders intensiv erlebt er den Giro allerdings durch die gemeinsame Zeit mit Tim Rex. Beide kennen sich bereits seit rund zehn Jahren - lange bevor Rex nun auf der großen Bühne des Radsports für Aufsehen sorgt. "Für mich ist es schon extrem speziell, Tim hier dabei zu haben", erzählt Nyssen. "Ich kenne seinen Weg und weiß, wie hart er dafür gearbeitet hat."
Auch wenn innerhalb des Teams alle Fahrer gleich behandelt werden, sei die Verbindung zwischen den beiden Ostbelgiern natürlich etwas Besonderes. "Ich muss Tim genauso behandeln wie jeden anderen Fahrer auch. Da macht das Team keinen Unterschied", sagt Nyssen. "Aber natürlich ist da trotzdem dieses Gefühl von Heimat."
Besonders deutlich wird das bei den täglichen Routinen während der Rundfahrt. Nyssen betreut Rex unter anderem auch bei den Massagen nach den Etappen. "Man verbringt automatisch viel Zeit zusammen. Und wenn man dann drei Wochen von zuhause weg ist, tut es gut, jemanden aus Ostbelgien um sich zu haben."
Dass Rex beim Giro sportlich so stark auftritt, überrascht Nyssen dabei weniger als viele Beobachter. "Außerhalb des Teams kannten vielleicht noch nicht viele Tim. Aber intern wusste jeder, welche Kapazitäten er hat", betont er. "Man sieht jetzt einfach, wie stark er wirklich ist."
Für Nyssen ist Tims Entwicklung deshalb auch eine Art Bestätigung. "Ich bin extrem stolz auf seinen Weg hierher", sagt er. "Und ich glaube, dass Tim in Zukunft ein ganz wichtiger Baustein für eine Grand-Tour-Mannschaft werden kann."
Radio-Interview mit Kevin Nyssen im Player:
Raerener Tim Rex wird nach viralem Giro-Moment plötzlich zum Radsportliebling
Christophe Ramjoie