Rallye Monte-Carlo: Saisonstart in der WM spannend wie lange nicht mehr

2022 feiert die Rallye-Weltmeisterschaft ihre 50. Saison. Zum runden Jubiläum gibt es eine kleine Revolution, denn dieses Jahr wechseln die Autos auf Hybridantrieb. Los geht es am Donnerstag mit dem Auftakt in Monte-Carlo.

Am Samstag sind die neuen Rally1-Fahrzeuge offiziell vorgestellt worden - beim offiziellen Saisonstartschuss in Salzburg (Bild: Joerg Mitter / Red Bull Content Pool)

Am Samstag sind die neuen Rally1-Fahrzeuge offiziell vorgestellt worden - beim offiziellen Saisonstartschuss in Salzburg (Bild: Joerg Mitter/Red Bull Content Pool)

2022 steigt die Rallye-Weltmeisterschaft auf eine neue Fahrzeug-Generation um. Die Autos heißen nicht mehr „World Rally Cars“, sondern Rally1. Die große Neuerung ist der Hybrid-Antrieb.

Theorie

Zusätzlich zum Benzinmotor, der nach Angaben der Hersteller 380 PS leistet (getankt wird dieses Jahr 100 Prozent nachhaltiger Treibstoff, auch das ist eine Neuerung), gibt es ein Hybrid-System – einen Elektromotor mit Batterie, die im Servicepark aufgeladen wird und zusätzliche 134 PS beisteuert. Macht unterm Strich 514 PS, wenn der volle Extraschub abgerufen wird.

Beim Start in die Wertungsprüfung steht der Extraschub zehn Sekunden lang zur Verfügung. Wann und wie der Extraschub während der Wertungsprüfung abgerufen wird, wird voreingestellt. Je nach Grip gibt es drei verschiedene „Mappings“ – mehr oder weniger aggressiv.

Für den Extraschub muss aber eine Bedingung erfüllt sein: Die Fahrer müssen die Batterie aufladen – übers Bremsen während der Wertungsprüfung. Das nennt sich auf Englisch „Regen(eration)“ (Rekuperation). Die Fahrer müssen einen bestimmt Wert „erbremsen“, damit der Extraschub überhaupt zur Verfügung steht.

Die Voreinstellung kann während der Wertungsprüfung nicht geändert werden. Einzige Möglichkeit für den Fahrer: den elektrischen Extraschub ganz ausschalten. Das könnte zum Beispiel auf Schnee und Eis der Fall sein, wenn die Zusatz-PS nichts bringen. Wenn der Extraschub ausgeschaltet wird, bleibt er dann aber auch 60 Sekunden ausgeschaltet und kann erst danach wieder aktiviert werden.

Auf bestimmten Abschnitten der Verbindungsetappen (in geschlossenen Ortschaften) und im Servicepark sind die Fahrzeuge rein elektrisch unterwegs. Theoretisch beträgt die Reichweite bis zu 20 Kilometer, in der Praxis muss sich das aber noch herausstellen.

Praxis

In der Praxis bedeutet das neue Fahrzeug, dass der Fahrer nun eine Zusatz-Aufgabe hat. Er muss darauf achten, genug zu bremsen, um den Boost abrufen zu können. Da ist Anpassungsfähigkeit gefragt – und zu Beginn wird es sicherlich nicht ganz leicht für die Fahrer.

„Also vom Fahrerischen her ist es ganz klar, dass wir im Moment noch nicht das Vertrauen ins Fahrzeug haben wie vorher. Es ist halt alles neu. Es gibt so viele Situationen, die wir durchgehen müssen, wo wir lauter Überraschungen erwarten“, sagt Thierry Neuville.

„Deswegen wird es für uns das Ziel sein, bei der Monte-Carlo einen guten Rhythmus zu finden, unserem Gefühl zu folgen und vor allem die Rallye zu Ende zu fahren – um so viele Kilometer zu sammeln wie möglich, damit wir Erfahrung sammeln mit den neuen Technologien. Und hoffentlich fahren wir dann am Sonntag aufs Podium.“

Saisonstart

Die Rallye Monte-Carlo ist also der erste Härtetest für die neuen Autos – und auch das erste Kräftemessen. Denn noch weiß niemand, wie die Kräfteverhältnisse zwischen den Teams sind. Wer hat das beste Rally1-Auto gebaut? Die Antwort auf diese Frage wird es nicht unbedingt sofort geben, da die Rallye Monte-Carlo eine sehr besondere Rallye ist – mit gemischten Bedingungen: Asphalt, Schnee und Eis. Ein solches Profil gibt es kein zweites Mal im WM-Kalender.

Dieses Jahr schlägt der Rallye-Zirkus die Zelte von Anfang an in Monaco auf und nicht mehr in Gap. Auf die Fahrer warten somit lange Verbindungsetappen, außerdem fällt der Mittagsservice flach. „Der Parcours hat sich um einiges verändert. Trotzdem werden viele WP aus den früheren Jahren wieder gefahren – in die eine oder andere Richtung. Ich denke, dass wir schwierige Bedingungen haben werden, denn es geht manchmal über 1.600 Höhenmeter hinauf. Es werden sicherlich einige Stellen mit Schnee oder Eis auf uns warten, die uns das Ganze noch etwas schwieriger machen.“

„Zudem gibt es dieses Jahr keinen Service zur Mittagsstunde. Das heißt, dass wir den ganzen Tag ohne Service durchfahren müssen, mit neuen Fahrzeugen, mit neuen Technologien. Ich denke, da wird es das ein oder andere Problem geben und deswegen ist es wichtig, sehr gut vorbereitet zu sein.“

Dass das der Fall ist, dafür sorgt auch Beifahrer Martijn Wydaeghe. Monte-Carlo, ist nämlich seine Lieblingsrallye im Kalender. „Es braucht sehr viel Vorbereitung – und genau deshalb kann der Beifahrer da den Unterschied machen. Ich mag diese Herausforderung“, zeigt sich Wydaeghe extra-motiviert. Das ist auch nötig, denn die Konkurrenz ist groß.

Nicht nur die WM-Favoriten wie Teamkollege Ott Tänak, Elfyn Evans und Kalle Rovanperä (Toyota) oder Craig Breen (M-Sport-Ford) sind in Monte-Carlo am Start, sondern auch die beiden Sebs: Sébastien Ogier (Toyota) und Sébastien Loeb (M-Sport-Ford). Allein die beiden sind noch zusätzlich Salz in der Suppe.

Zeitplan: Rallye Monte-Carlo

Donnerstag, 20. Januar 2022
Shakedown: Sainte-Agnès – Peille 09:30 Uhr
Startpodium: Monaco 18:45
WP1: Luceram – Lantosque 20:18
WP2: La Bollène-Vésubie – Moulinet 21:31

Freitag, 21. Januar 2022
WP3: Roure – Beuil 09:14
WP4: Guillaumes – Péone – Valberg 10:17
WP5: Val-de-Chalvagne – Entrevaux 11:35
WP6: Roure – Beuil 14:16
WP7: Guillaumes – Péone – Valberg 15:19
WP8: Val-de-Chalvagne – Entrevaux 16:37

Samstag, 22. Januar 2022
WP9: Le Fugeret – Thorame-Haute 08:17
WP10: Saint Jeannet – Malijai 10:08
WP11: Saint Geniez – Thoard 11:16
WP12: Saint Jeannet – Malijai 14:08
WP13: Saint Geniez – Thoard 15:16

Sonntag, 23. Januar 2022
WP14: La Penne – Collongues 08:45
WP15: Briançonnet – Entrevaux 10:08
WP16: La Penne – Collongues 10:53
WP17: Briançonnet – Entrevaux (Power Stage) 12:18
Zielpodium: Monaco 15:00

Katrin Margraff