In diesem Jahr waren neben den drei deutschsprachigen Abgeordneten auch der deutsche Botschafter in Belgien, Martin Kotthaus, DG-Ministerpräsident Oliver Paasch und die Parlamentspräsidentin Patricia Creutz-Vilvoye nach Namur gekommen, um im wallonischen Parlament den Tag der deutschen Sprache zu feiern.
Ein besonderer Moment für Oliver Paasch
Für DG-Ministerpräsident Oliver Paasch war es das erste Mal, dass er im wallonischen Parlament auf Deutsch sprechen durfte. "Dass ich heute in meiner Muttersprache zu Ihnen sprechen darf, das bedeutet mir etwas", sagte er.
Dabei ging es ihm nicht nur um die Sprache als Teil der eigenen Identität. Paasch betonte auch, wie wichtig es für die deutschsprachige Bevölkerung sei, staatliche Informationen in ihrer Muttersprache zu erhalten. Wer eine Entscheidung verstehen, sich über seine Rechte informieren oder eine öffentliche Leistung beantragen wolle, sollte dies auch auf Deutsch tun können.
Der SP/PS-Abgeordnete Patrick Spies hatte zuvor scherzhaft angemerkt, dass bei so vielen Rednern die Gefahr bestehe, sich inhaltlich zu wiederholen. Deshalb gab er kurzerhand einen kleinen Deutschkurs und widmete sich unter anderem schwierigen Begriffen wie "Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaftskapitän". Auch regionale Unterschiede kamen zur Sprache. In der belgischen Eifel heiße es bei der Begrüßung beispielsweise ganz einfach: "Tach zesaame."
Mehrsprachigkeit als Chance
Der deutsche Botschafter Martin Kotthaus sprach ebenfalls zum ersten Mal am Rednerpult des wallonischen Parlaments. Er bezeichnete sich als sehr glücklichen Diplomaten und unterstrich die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. "Ostbelgien zeigt jeden Tag ganz praktisch, welche Türen Mehrsprachigkeit öffnen kann", erklärte Kotthaus. Die Verbindung nach Deutschland liege für die Wallonie nicht in weiter Ferne, sondern direkt vor der eigenen Haustür.
Auch Parlamentspräsidentin Patricia Creutz-Vilvoye warb dafür, Mehrsprachigkeit nicht als Last, sondern als Chance zu verstehen. Wie wichtig Solidarität über Sprachgrenzen hinweg sei, habe sich zuletzt beim Brand im Hohen Venn gezeigt. In einer solchen Situation habe niemand zuerst gefragt, welche Sprache jemand spreche. "Solidarität und Hilfsbereitschaft kennen keine Sprachengrenzen."
Der Ecolo-Abgeordnete Freddy Mockel griff den Brand ebenfalls auf. Er plädierte für eine bessere Zusammenarbeit im grenzüberschreitenden Nationalpark Hohes Venn-Eifel, der sich über deutsches, wallonisches und deutschsprachiges Gebiet erstreckt. Es wäre ein wichtiges Zeichen des mehrsprachigen Dialogs, wenn die verschiedenen Strukturen und Akteure vor Ort gemeinsam daran arbeiteten, das Hohe Venn wiederaufzubauen.
Deutsche Sprache in Belgien lebendig
Die MR-Abgeordnete Christine Mauel freute sich darüber, dass in diesem Jahr nicht nur die drei deutschsprachigen Abgeordneten ein Zeichen für die deutsche Sprache gesetzt hatten. Sie dankte den Gästen für ihre Anwesenheit, die für Verbundenheit und eine Sprache stehe, "die über Grenzen hinaus lebt und verbindet".
Die Redner setzten unterschiedliche Schwerpunkte. In einer Botschaft waren sie sich jedoch einig: Die deutsche Sprache ist ein wichtiger Bestandteil der sprachlichen Vielfalt Belgiens und kann Menschen über Grenzen hinweg verbinden.
"Die deutsche Sprache in Belgien ist lebendig. Sie lebt durch die Menschen, die sie benutzen, mit ihren Ideen bereichern und an die kommenden Generationen weitergeben", fasste Mauel zusammen.
Robin Emonts