Das Öffentliche Sozialhilfezentrum (ÖSHZ) Eupen bestätigt auf Anfrage, dass es auch in der Region Einzelfälle gibt. Mitunter kommen Betroffene sogar aus anderen Gemeinden nach Eupen. Der Bahnhof - Endstation für Züge, manchmal auch für Menschen in Not.
Eine Erhebung der Universität Neu-Löwen zählte im Oktober 2022 in der Deutschsprachigen Gemeinschaft 192 obdach- oder wohnungslose Erwachsene und Kinder. Davon lebten fünf Menschen in einer Nacht tatsächlich im öffentlichen Raum - also ohne jegliche Unterkunft.
Hilfe im Notfall
Wer obdachlos wird, hat Anspruch auf Soforthilfe durch das ÖSHZ. Nach einer Einzelfallprüfung organisiert das Sozialhilfezentrum eine passende Unterbringung.
In akuten Notsituationen, etwa nach einem Brand, vermittelt das ÖSHZ auch kurzfristige Unterkünfte in Hotels oder Jugendherbergen. In Eupen können Notwohnungen für maximal sechs Monate genutzt werden. Burg-Reuland verfügt derzeit über vier solcher Wohnungen, St. Vith über acht. Wer stärker betreuungsbedürftig ist, findet Plätze in spezialisierten Einrichtungen in Verviers oder Aachen.
Unterstützung und verdeckte Not
Neben der Unterkunftshilfe übernimmt das ÖSHZ bei Bedarf auch Kosten für medizinische Basisversorgung und bietet Zugang zu Hygienemöglichkeiten. Ein festes Hilfsnetzwerk gibt es allerdings nicht.
Verdeckte Wohnungslosigkeit - etwa Menschen, die im Auto schlafen - gilt laut dem ÖSHZ Eupen als seltenes Phänomen. Genau erfassen lasse sich das nicht, denn die Inanspruchnahme von Sozialhilfe ist freiwillig. Nur in Ausnahmefällen, etwa durch richterliche Anordnung, kann eine Person zu Hilfemaßnahmen verpflichtet werden.
Fazit
Obdachlosigkeit gibt es auch in Ostbelgien. Jeder Fall hat seine eigene Geschichte - und jede Hilfe setzt voraus, dass sie angenommen wird.
Manuel Zimmermann