Je zwei Klassen aus der Gemeindegrundschule Kettenis und der Grundschule des Königlichen Athenäums haben teilgenommen. Ziel des Projekts ist es, einen Austausch zwischen Kindern und Politikern zu ermöglichen. Und die Kinder lernen etwas über die Demokratie und das Parlament. Entwickelt wurde das Projekt vom Zentrum für politische Bildung in Luxemburg. Zusammen mit dem Institut für Demokratiepädagogik hat das Parlament der DG das Projekt dann für Ostbelgien angepasst. Im Gegensatz zum Projekt in Luxemburg wird hier jedes Jahr ein neues, aktuelles Thema ausgewählt.
Im Vorfeld des Besuchs im PDG haben die Kinder aus dem vierten Grundschuljahr lebensgroße Holzfiguren gestaltet. Auf die Kinderfigur haben sie geschrieben, was sie selbst verändern können. Und auf der Erwachsenen-Holzfigur steht, was sie sich von der Politik wünschen. Vorschläge hatten die Kinder einige: Es ging unter anderem um gesunde Ernährung, Handykonsum, Tierschutz und Verkehrssicherheit.
Christian Kretschmer unterrichtet an der Grundschule in Kettenis. Während er das Projekt mit seinen Schülern vorbereitet hat, sei er sehr überrascht gewesen, wie viele Ideen die Schüler hatten. "Ich hatte am Anfang nicht erwartet, dass so viele Ideen dann sofort auch kommen. Man sieht, den Kindern liegt schon sehr viel auf dem Herzen und man merkt auf jeden Fall, dass die Kinder auch ihre Zukunft mitgestalten wollen."
Genau das will auch der neunjährige Maxime. Seine Idee war es, zwei neue Bäume zu pflanzen, wenn ein Baum gefällt wird. Er fand es aufregend, mit den Politikern zu diskutieren - aber auch ein bisschen unbefriedigend, wie er sagt. "Mir hat es sehr gut gefallen, weil ich auch sehr viel gelernt habe, aber ich fand es halt doof, dass die Politiker bei vielen Ideen gesagt haben, dass sie dafür nicht zuständig sind."
Die gleiche Erfahrung hat auch Schülerin Jana gemacht. Ihr Wunsch war es, Spielplätze einzuzäunen, um zu verhindern, das Hunde dort ihr Geschäft verrichten. Nun weiß sie, dass nicht das Parlament, sondern die Stadt Eupen für ihr Anliegen zuständig ist. Der Tag im Parlament hat ihr trotzdem richtig gut gefallen. "Es war sehr spannend und interessant, weil man hier das Parlament sieht. Man durfte auf den Sitzplätzen von den Politikern und Politikerinnen sitzen. Besser geht es eigentlich gar nicht."
Nicht nur den Kindern, sondern auch den Politikern hat der Nachmittag gefallen. Zehn Politiker - vorrangig aus dem Ausschuss für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung - standen den Kindern Rede und Antwort. Die Debatten mit den Kindern seien sehr lebhaft, erzählt Politikerin Kathy Elsen. Sie hat schon öfter bei dem Projekt mitgemacht. "Das Projekt ist sehr bereichernd. Wenn die Kinder mit ihren Ideen heraussprudeln und man ihnen dann ein bisschen zuordnen muss, was man schon im Kleinen machen kann: Appelliert an eure Eltern, appelliert an eure Lehrer beziehungsweise geht mal bei der Stadt oder der Gemeinde anklopfen. Und dann sehen sie, dass es manchmal über viel kürzere Wege möglich ist, anstatt dass das die große Politik machen muss."
Viele der Vorschläge der Kinder seien nämlich auch ohne die Politik umsetzbar. Andere Vorschläge würden die Politiker im Parlament aber auch nachhaltig beschäftigen, bestätigt Nadine Streicher, die den Zug der Demokratie organisiert. "Tatsächlich ist es oft so gewesen, dass die Themen, die die Kinder angestoßen haben, auch danach noch in den entsprechenden Ausschüssen oder unter den Politikern besprochen wurden. Es hat auch schon Jahre gegeben, in denen schriftliche oder mündliche Fragen an die Regierung gerichtet worden sind, die wir dann wiederum den Schulen zuschicken, um zu zeigen: Da tut sich was und ihr werdet gehört."
Auch wenn Kinder nicht an Wahlen teilnehmen können, können sie also auf diesem Wege ihre Wünsche zum Ausdruck bringen. Die Holzfiguren mit den Vorschlägen werden im nächsten Jahr wiederverwertet. Bis dahin können sie im Parlament von den Politikern und Besuchergruppen bestaunt werden.
Josefina Evers