Katastrophengebiet: Klimatologe Jean-Pascal van Ypersele macht sich ein Bild

Wetterextreme, wie der Starkregen von Mitte Juli, lassen sich nur durch den Klimawandel erklären, sagt der belgische Klimatologe Jean-Pascal van Ypersele. Er ist Professor an der Universität Löwen und ehemaliger Vizepräsident des Weltklimarates. Am Montag hat er Flutgebiete in der Region besucht.

Klimatologe Jean-Pascal van Ypersele in Limbourg (Bild: Lena Orban/BRF)

Klimatologe Jean-Pascal van Ypersele in Limbourg (Bild: Lena Orban/BRF)

Das Viertelhaus Cardijn – zentraler Treffpunkt in der Eupener Unterstadt – wurde von der Flut stark in Mitleidenschaft gezogen. Es ist van Yperseles erste Station. Mit den Verantwortlichen nimmt er sich die Zeit, das Gebäude zu begutachten und lässt sich erklären, welchen Wert das Haus für die Unterstädter hat.

Seine ersten Eindrücke in Eupen beschreibt der Klimatologe als bewegend. Es sei ein Treffpunkt für die Bevölkerung gewesen, wo viele wichtige Aktivitäten des Lebens stattgefunden hätten. Leben bedeute nicht nur ein Zuhause oder Essen zu haben. Es bedeute auch, Leute zu treffen, Kinder zu erziehen, zu tanzen usw., so van Ypersele. Es sei sehr bewegend zu sehen, dass die Auswirkungen des Klimawandels nicht nur Zahlen in einem wissenschaftlichen Artikel seien, sondern auch ganz konkrete Dinge.

Van Yperseles Hauptthema ist der Klimawandel. Dieser sei auch verantwortlich für den extremen Starkregen, den wir Mitte Juli erlebt haben. In die Diskussion um die Rolle der Talsperre wollte er sich nicht einmischen. Es sei möglich, dass die Talsperre einen Einfluss hatte. Sicher sei aber, dass diese intensiven Regenfälle nur durch den Klimawandel zu erklären seien. Wenn das Klima aufgrund der CO2-Emissionen und anderer Treibhausgase heißer wird, dann enthält die Luft mehr Wasserdampf. Das seien sieben Prozent mehr Wasserdampf pro jedes zusätzliche Grad Celsius, so der Experte. Wenn die Bedingungen dann stimmen und es regnet, seien die Wassermengen, die in einer bestimmten Zeit fallen können, viel größer.

Es geht weiter nach Limbourg. An der Weser trifft van Ypersele auf Betroffene, die direkt am Wasser leben und die Flut aus nächster Nähe miterlebt haben. Alain Thurion erinnert sich, wie er in der Nacht aus dem Fenster schaute und Asphaltblöcke vorbei schwammen und Fenster zerbrachen. Er machte kein Auge mehr zu.

Jean-Pascal van Ypersele folgt dem Verlauf der Weser und besucht Pepinster. Der Ort gleicht stellenweise einem Kriegsgebiet. Weggebrochene Häuserwände, Autos, die nicht mehr wiederzukennen sind und überall Schutt und Geröll. Hier setzt sich der lokale Vinzenz Verein ein und hilft den Flutopfern, wo er nur kann.

Mit den Helfern sucht van Ypersele das Gespräch. Auch für sie ist es nach wie vor sehr schwer, ihren Ort so zu sehen. Mauricette Mathot, Vizepräsidentin, erzählt, dass es immer noch weh tut, die Straßen nicht wiederzuerkennen.

Starkregen und allgemein Wetterextreme werden uns in Zukunft öfter beschäftigen. Unsere Region, aber auch den Rest der Welt. Ein Grund mehr, sagt van Ypersele, endlich zu reagieren und sich für den Klimaschutz einzusetzen.

Sich vorzubereiten und widerstandsfähiger gegenüber solcher Klimakatastrophen zu werden, sei das Ziel. Das bedeute auch, Armut zu bekämpfen, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, fossile Brennstoffe zu vermeiden und die Abholzung zu reduzieren.

Letzte Station für van Ypersele an diesem Tag: Verviers. Auch hier hat das Hochwasser große Schäden hinterlassen. Zeit für den Klimatologen, Bilanz zu ziehen. Der Besuch helfe ihm, die Dinge, an denen er arbeite, sehr konkret zu gestalten. Er habe auf der ganzen Welt schon Opfer von unterschiedlichen Auswirkungen des Klimawandels getroffen. Jetzt sei es bei uns passiert und es sei ihm sehr wichtig gewesen, diese Menschen zu treffen. Auch um eine noch größere Motivation zu haben, weiter zu kämpfen, um sich weiter für den Klimawandel einzusetzen.

Es wird Zeit, Energie und viel Geld kosten, die Flutgebiete wieder aufzubauen. Aber das stünde jetzt an erster Stelle, so der Klimatologe. Trotzdem müsse man an die Zukunft denken und versuchen zu vermeiden, dass solche Situationen sich wiederholen.

Lena Orban

2 Kommentare
  1. Guido Scholzen

    Ein CO2-Guru-Klimatologe kommt sich die Unwasserschäden schauen???
    Na und?
    Warum nicht der Papst? Der würde wenigstens noch beten.

    Van Ypersele, als Mitglied des „Weltklimarates“ IPCC, fordert in vielen Appellen das Vorantreiben der Energiewende aufgrund der nahenden Klimakatastrophe.

    Energiewende heisst vor allem, dass wir weniger Energie und nur teure Energie zur Verfügung haben werden, und dass dies uns ALLE ärmer macht. Und Armut ist etwas, was die Opfer des Hochwassers bestimmt nicht gebrauchen können.
    Man sollte diesen von der Öko-Politik hofierten Angeber vom Hof jagen!

  2. Frank Mandel

    Herr Scholzen- ich klatsche Beifall. Grandios und vielen Dank für diese Art der Beiträge. Wer hat diesen Mann überhaupt eingeladen und warum kommen Menschen jeglicher Gesinnung und Hoheitsgrad her“, um sich ein Bild zumachen?“
    Ich gehe mal davon aus, dass dieser Personenkreis nicht sprechen möchte.
    Die Unterstadt ist doch kein Zoo. Die Gebiete zwischen Brüssel und Eupen, welche Schaden erlitten haben, laden doch nicht zum Gucken ein! Wer um Gottes Willen ist denn da unterwegs? Oder eben ohne…..