Bürgermeisterin Niessen: „An manchen Stellen ist es tatsächlich ein Alptraum“

Die Stadt Eupen ist stark von den Unwettern getroffen worden. Am Donnerstag hat sich die Lage in der Oberstadt beruhigt, in der Unterstadt ist davon aber noch keine Rede. Bürgermeisterin Claudia Niessen hat sich ein Bild von der Lage gemacht. Die Schäden sind enorm.

Eupen Unterstadt (Bild: Christophe Ramjoie/BRF)

Die Eupener Unterstadt ist am stärksten betroffen (Bild: Christophe Ramjoie/BRF)

Frau Niessen, wie war die Lage heute (Donnerstag) in Eupen, vor allem in der Unterstadt?

Wir haben uns einen Eindruck verschaffen können und an manchen Stellen ist es tatsächlich ein Alptraum. Manche Leute werden mittelfristig und langfristig nicht mehr in ihre Wohnungen zurückkehren, weil die so stark beschädigt worden sind, dass quasi das komplette Haus renoviert werden muss. Teilweise sind ganze Straßen entweder ab- oder eingebrochen und Brücken zerstört.

Die Unterstadt ist auch Heimat von vielen Betrieben, großen und kleinen Betrieben. Wie sieht da die Lage aus?

Die Betriebe, die sich entlang dieses Flusslauf befinden, sind alle sehr, sehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Was das genau für den einzelnen Betrieb bedeutet, kann ich nicht sagen. Wir haben versucht, uns ein Bild zu machen und die Situation ist verheerend.

Die Lage ist also noch nicht wirklich zu bewerten?

Wir sind mitten in einer Krise. Wir versuchen aktuell, so gut es geht, sie zu verstehen und danach zu agieren. Das heißt, wir haben heute sehr lange eine Art Bestandsaufnahme gemacht mit den unterschiedlichen Sicherheitsdiensten. Wir haben auch noch Leute evakuiert. Wir haben versucht, die Gefahrenstellen heute schon zu beseitigen, weil es ja gegebenenfalls sein kann, dass weitere Regenfälle diese Nacht kommen. Und wir haben versucht, manche Straßen freizumachen, um den Zugang für die Sicherheitskräfte zu ermöglichen. Das ist im Moment das oberste Ziel, dass die Sicherheitskräfte so gut wie möglich überall drankommen. Wir haben Brücken inspiziert und begutachten lassen von Experten, um zu schauen, ob die Stabilität noch garantiert ist. Wir sind aber noch nicht dabei, wirklich aufzuräumen, weil wir noch nicht wissen, was die Nacht bringt. Ab morgen sollten denn alle Parameter stimmen, um mit den eigentlichen Aufräumarbeiten konkret beginnen zu können. Im Moment sind es Sicherheitsmaßnahmen und wir haben auch die Möglichkeit geschaffen für die Anwohner, zumindest kurzzeitig zu schauen, was aus ihrem Hab und Gut geworden ist.

Hochwasser-Katastrophe in Eupen: Wie kann ich helfen? Wie kann ich spenden?

Eine Frage, die immer wieder gestellt wird ist: Was ist mit der Talsperre? Sind da weitere Wassermengen zu erwarten?

Also es gibt ein Krisenzentrum auf föderaler Ebene, das die Talsperren koordiniert. Das Wasser, was reinkommt, wird abgelassen. Das heißt, je stärker es regnet, je mehr Wasser wird abgelassen, weil die Talsperre voll ist und keinen Puffer mehr bieten kann. Sie hat ganz kurzzeitig zusätzlich Wasser abgelassen, das war aber nur eine Stunde. All das andere Wasser ist wirklich Wasser, was vom Regen gekommen ist. Und man muss ja auch wissen: Die Talsperre ist die Sperre der Weser. Aber wir haben auch enorme Schäden durch die Hill – und die Hill ist einfach unkontrolliert das Tal hinab geschossen, so muss man das sagen.

Und wir hängen auch von der Gileppe-Talsperre ab …

Wir hängen indirekt auch von der Gileppe-Talsperre ab, weil auch das Wasser der Gileppe in die Weser fließt. Und je mehr Wasser, desto weniger schnell kann die Weser abfließen und es können sich Rückstaus bilden.

Schwere Verwüstungen durch Hochwasser in der Eupener Unterstadt – Lage in Oberstadt und Raeren beruhigt

Land unter in Ouren und Schönberg – Lage im Süden ansonsten ruhig

mz/km