Belgien führt EU-Covid-Zertifikat ein

Wer diesen Sommer in der EU Urlaub machen möchte, dem hilft ein Nachweis, dass er gegen das Coronavirus geimpft ist oder von einer Infektionserkrankung genesen. Diesen Nachweis liefert das Corona-Zertifikat, das am 1. Juli überall in der EU verfügbar sein soll. In Belgien kann es schon ab dem 16. Juni abgerufen werden. Welche Informationen das Zertifikat beinhaltet und wie man es bekommt, das erklärt Norbert Heukemes, Generalsekretär des Ministeriums der DG und Vertreter der Hygieneinspektion.

CovidSafeBE - die App fürs Smartphone (Archivbild: BRF)

CovidSafeBE - die App fürs Smartphone (Archivbild: BRF)

Ab dem 16. Juni wird das „EU Digital Covid Certificate“ in Belgien ausgestellt. Wir sind damit zwei Wochen vor der eigentlichen Frist. Ist das Zertifikat denn auch schon von Nutzen? Gibt es Länder, in denen ich das Zertifikat schon verwenden kann?

Das ist unterschiedlich. Es gibt in der Tat Länder, die ebenfalls schon angeschlossen sind an das System und die das Zertifikat schon anerkennen, wo man mit diesem Zertifikat hinreisen kann. Und wenn man es vorzeigt, wird es gescannt dort vor Ort, dann ist es dort gültig. Aber das ist unterschiedlich, je nach Land. Also sicher ist es, dass es ab dem 1. Juli in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union dann gültig sein wird.

Ich empfehle, sich vor der Abreise oder vor der Reise in ein EU-Mitgliedsland dann auch zu informieren darüber, wie die dortigen Bedingungen sind und ob das Zertifikat schon gültig ist. Denn selbst wenn es gültig ist, was man mit dem Zertifikat in bestimmten Ländern machen kann, das wird auch von den einzelnen Ländern festgelegt. Und daher ist es wichtig, sich vor der Abreise einfach genau zu informieren. (Internetseite des belgischen Außenministeriums für Reisehinweise – nur auf Französisch oder Niederländisch)

Was steht drin im Covid-19-Zertifikat?

Unter dem Begriff Covid-Zertifikat versteht man ja eigentlich drei Zertifikate. Das ist einmal der Impfnachweis. Das Zertifikat zeigt den Impfstatus an, ob man einmal geimpft ist oder ob man zweimal geimpft ist. Eine zweite Möglichkeit ist der sogenannte Genesenen-Nachweis. Das heißt, wenn ich in den letzten 180 Tagen positiv getestet worden bin, dann kann das über dieses Zertifikat nachgewiesen werden. Das ist dann das gleiche, als wäre ich zweimal geimpft. Man geht davon aus, dass man den gleichen Schutz hat, zumindest im Rahmen dieser Reisefreiheit.

Und das dritte ist der Negativ-Test-Nachweis. Das heißt, wenn ich in den letzten 72 Stunden negativ getestet worden bin auf Covid, dann wird das auch in diesem Zertifikat angezeigt. Und je nachdem, welchen Status ich dann habe, kann ich das Zertifikat vorweisen.

Man kann mehrere Zertifikate haben. Das ist also das, was man gerade am besten gebrauchen kann in dem Land, in dem man sich aufhält.

Sie haben eben von einem QR-Code gesprochen, der auf dem Zertifikat steht. Wie kommt man da dran und gibt’s davon eigentlich auch eine Papierversion?

Also es gibt verschiedene Möglichkeiten, dieses Zertifikat zu erhalten.  Es gibt die elektronische Möglichkeit, das ist per App zu machen. Also sowohl im App Store von iPhone oder im Android App Store kann man sich eine App herunterladen, das ist CovidSafeBE, und bei dieser App identifiziere ich mich dann und mit der Anwendung Itsme, die sehr viele Menschen brauchen, um sich bei ihrer Bank zu identifizieren oder um sich generell auch bei den belgischen Online-Behörden zu identifizieren. Und dann sehe ich sofort, welche Zertifikate dann vorhanden sind, und die kann ich mir aufs Handy herunterladen. Das ist eine Möglichkeit, die ich habe.

Eine zweite Möglichkeit ist, wenn ich nicht über diese App gehen möchte, dass ich auf ein Webportal gehe: meinegesundheit.be. Auch dort muss ich mich wieder identifizieren, weil es sind ja meine persönlichen Daten, auf die ich da Zugriff nehmen möchte. Also muss ich wirklich eine starke Identifizierung haben. Und bei diesem Portal identifiziere ich mich entweder wieder mit dieser Anwendung Itsme oder auch mit meinem Ausweis, einem Kartenlesegerät und dem PIN-Code, der mit dem Ausweis verbunden ist.

Und die dritte Möglichkeit ist, bei der Hotline des Ministeriums anzurufen, das ist die Nummer 0800 23 032 und dort anzufragen, dass das Zertifikat zugeschickt wird. Da muss ich dann allerdings hinzufügen, dass wir über die Impfzertifikate sehr gut informiert sind, weil die Impfung unter Verantwortung der Deutschsprachigen Gemeinschaft stattgefunden hat. Wenn es ein Genesenen-Zertifikat ist oder ein Negativ-Test-Zertifikat, dann können wir beantragen, dass es verschickt wird. Aber wir haben keinen Einblick, ob es dieses Zertifikat überhaupt gibt, weil das sind persönliche Daten, die bei Sciensano, dem föderalen Gesundheitsinstitut gespeichert sind. Da können wir nicht ganz so gut Auskunft geben.

Was wir als Deutschsprachige Gemeinschaft noch zusätzlich machen, dass ist, sobald jemand zweimal geimpft ist – oder bei Johnson & Johnson einmal geimpft ist –  bekommt er dieses Zertifikat automatisch mit der Post zugestellt.

Kostet die Zusendung Geld?

Nein, nein, das ist vollkommen kostenlos. Die App ist kostenlos, der Zugang zur Website sowieso. Und wenn wir das verschicken, dann ist das zu Lasten der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Da sind keine Kosten für den Bürger.

Vandenbroucke über das europäische Covid-Zertifikat

jp/sh

9 Kommentare
  1. Peter Mertens

    Dann natürlich direkt die Frage, ist in der App die deutsche Sprache verfügbar?

  2. Reinhard Boest

    Ja. Französisch, niederländisch, deutsch, englisch. Und die App funktioniert wirklich!

  3. Lutz-René Jusczyk

    Ein wenig umständlich, dass man für CovidSafeBE eine weitere App (itsme) benötigt.
    Ich war mit mit meinem belgischen Impfausweis am Montag in einer Aachener Apotheke und habe binnen weniger Stunden das „EU Digital Covid Certificate“ als E-Mail-Anhang zugeschickt bekommen (genauer gesagt waren es zwei Zertifikate: für die Erst- und Zweitimpfung jeweils ein separates).
    Den enthaltenen QR-Code habe ich mit der CovPass-App einlesen können.
    Wenn ich die öffne, erscheit auf dem Display der QR-Code zusammen mit dem Datum, ab dem der vollständige Impfschutz in Kraft tritt, darunter mein Name.
    Im Großen und Ganzen ist das Prozedere recht unkompliziert.

  4. Heike De Bruecker

    Ja die App funktioniert gut. Allerdings zeigt mein Smartphone dauerhaft eine sehr niedrige Sicherheitsreputation an.
    Somit habe ich die App wieder gelöscht.
    Reicht mir, wenn das Zertifikat per Post kommt

  5. Roland Hillen

    Bekommt man das Zertifikat auch in der Wallonie automatisch zugeschickt?

  6. Lisa Frechen

    In der Wallonie kann man das Zertifikat durch einen Anruf bei einer bisher noch nicht bekanntgegebenen Nummer per Post bestellen.
    Es lässt sich aber über Meinegesundheit.be am Bildschirm auch einfach in die deutsche Corona Warn App einscannen.

  7. Hubert Savelberg

    Um Ihren Impfnachweis in Papierform per Post anzufragen, erreichen Sie den Helpdesk für

    – Flandern 078 787850 von 9-19 Uhr an Wochentagen

    – Wallonie 071 313493 von 9-19 Uhr von Montag bis Samstag

    – Brüssel 02 2141919 von 9-17,30 Uhr an Wochentagen und 10-17,30 Uhr an Wochenenden und Feiertagen

    – Deutschsprachige Gemeinschaft 0800 23032 von 9 bis 17 Uhr an Wochentagen

    . So gelesen in der CovidSafeBE app bei den häufig gestellte Fragen

  8. Serge Förster

    Herr Jusczyk: Umständlich ? Sie scheinen offenbar nicht zu wissen dass itsme eine digitale ID ist die es schon lange bei uns in Belgien gibt und ua zur Verifizierungen von Banktransaktionen, Steuererklärung und diversen digitalen Behördengängen dient usw und nichts mit der Covid App an sich zu tun hat. Da die Covid App mit sensiblen offiziellen Daten gespeist wird, ist es mehr als verständlich das dies auch ordentlich abgesichert ist und itsme ist das Instrument dazu. Mussten Sie sich etwa nicht ausweisen um Ihre Daten zu erhalten? Das “Apothekensystem” ist aufwändig, fehlerhaft und schlecht geplant. Diletantisch sozusagen. Bis zum Erhalt der Dokumente haben Sie mehrere Stunden benötigt…..bei mir waren es 2 Minuten – Appdownload eingerechnet!

  9. Lutz-René Jusczyk

    Sehr geehrter Herr Förster, um auf Ihre Frage zu antworten: Ja, in der Apotheke musste ich mich ausweisen, um besagtes Zertifikat mit dem QR-Code erhalten zu können.
    Bzgl. itsme: Danke für die Klarstellung.
    Vieles regele ich noch auf die altmodische Art, also auf Papier.
    Online-Banking ist mir allein schon deshalb zu riskant, da ich nicht weiß, ob sich bspw. ein Trojaner auf meinem Smartphone befindet. Unlängst musste ich das Gerät deshalb für ein Firmware-Update einschicken.