Zum Jubiläum: Hans Engels blickt auf seine Zeit beim BHF und BRF zurück

Der Eupener Hans Engels hat die Entwicklung des Belgischen Rundfunks ein Berufsleben lang begleitet und mitgestaltet, zunächst als Journalist, später dann als Direktor. Der heute 74-Jährige erzählt, wie er zum BRF - der damals noch BHF hieß - kam und wie es weiterging.

Hans Engels, ehemaliger Direktor des BRF (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Hans Engels, ehemaliger Direktor des BRF (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Hans Engels ist die Lebensfreude anzusehen, wie er da in seinem Sessel sitzt, in der reich bestückten Bibliothek seines prächtigen Hauses auf den Höhen von Limbourg. Das BRF-Funkhaus kann er von hier aus nicht sehen. Dafür genießt er hier einen ähnlichen Weitblick wie von seinem früheren Direktionsbüro aus, am Eupener Kehrweg.

Zum Sender gekommen ist er Anfang der 1970er Jahre eher durch Zufall: „Ich beendete gerade mein Studium der Volkswirtschaft in Münster, musste noch die Endarbeit schreiben und dachte daran, mir einen Job zu suchen. Da sagte mir jemand: Warum machst Du nicht die Prüfung beim BRF?“

„Und ich interessierte mich immer für die Tagesaktualität, auch als Student. Und dann habe ich am 1. Mai in Brüssel begonnen, ohne genau zu wissen, was mir bevorstand …“ Auch beim BHF, dem Belgischen Hör- und Fernsehfunk, wie er damals hieß, war es eine Zeit des Aufbruchs und des Wandels.

Die Pionierin Irene Janetzky, die ab dem 1. Oktober 1945 die „Sendungen in deutscher Sprache“ am Institut National de Radiodiffusion (INR) betreut und den deutschsprachigen Sender aufgebaut hatte, legte 1974 die Sendeleitung nieder und trat in den Ruhestand. Ihr Nachfolger wurde Peter Moutschen.

Und zum 30-Jährigen Bestehen, am 1. Oktober 1975, erfolgte der (teilweise) Umzug nach Eupen – was auch für Hans Engels eine nicht zu unterschätzende persönliche Entscheidung mit sich brachte: „Die drei Jahre in Brüssel haben sehr viel Spaß gemacht, an der Place Flagey, vor allem auch durch den Kontakt zum großen Bruder BRT und zur großen Schwester RTB …“

Die Einrichtung eines Regionalstudios in Eupen mit drei Journalisten und einem Informationssekretär entsprach dem Zeitgeist Mitte der 1970er Jahre. So drückte es zur Eröffnung auch der damalige Verwaltungsratsorsitzende der RTB/BRT, Adriaan Verhulst, aus.

Vorher hatte die Redaktion um Peter Thomas bei aller Kontrolle durch übergeordnete Gremien schon eine weitgehende Eigenständigkeit entwickelt: „vor allem, weil wir auch sehr autonom waren und Frau Janetzky und Peter Moutschen uns frei laufen ließen. Frau Janetzky sagte immer: Kinder, ihr müsst die Welt kennenlernen. Ihr kommt aus Ostbelgien, aber ihr müsst sehen, was sich in der Welt tut“, blickt Engels zurück.

Peter Thomas, Freddy Derwahl und Hans Engels (Bild: BRF-Archiv)

Peter Thomas, Freddy Derwahl und Hans Engels (Bild: BRF-Archiv)

Hans Engels erinnert sich an Staatsbesuche mit dem König in Afrika oder an eine zehntägige Reise in die damalige Sowjetunion. Später, von Eupen aus, stellte der kleine Grenzverkehr die Journalisten vor ganz andere Hindernisse. „Damals brauchte man für eine Auslandsreise eine Genehmigung des Generaldirektors bzw. der Direktion.“

„Wir wollten über Ereignisse berichten, die dort stattfanden, wo wir gehört werden konnten: im Aachener Raum, in Maastricht, bis Luxemburg und Rheinland-Pfalz. Wir konnten aber nicht in Brüssel anrufen und fragen: ‚Dürfen wir nach Aachen fahren? Wann kommt die Genehmigung?‘ Also haben wir uns gar nicht mehr darum gekümmert, wir haben es einfach gemacht. Wir haben dann munter berichtet aus Maastricht, aus Aachen, aus Lüttich … und auf einmal waren wir der Sender der Euregio.“

Hinzu kamen interessante Begegnungen wie dieses Interview aus dem Jahr 1978 mit dem Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff – dem ‚Mann, der bei der Bild-Zeitung Hans Esser war‘. „Es gab aber seitens der Hörer auch eine große Nachfrage. Wir merkten deutlich: Der BRF wurde gehört. Und er wurde immer mehr der eigentliche Sender der Gemeinschaft.“

Vor allem waren die Journalisten des BHF, der 1977 in BRF umbenannt wurde, jetzt näher an ihrer Region und ihrem Publikum. 1979 siedelte die Hauptredaktion von Brüssel nach Eupen um. Der BRF behielt ein redaktionelles Standbein an der Schnittstelle zwischen RTBF und VRT. 1983 kam das Regionalstudio in St. Vith hinzu.

BRF-Direktor Hans Engels mit dem damaligen Premierminister Jean-Luc Dehaene (Bild: BRF-Archiv)

BRF-Direktor Hans Engels (r.) mit dem damaligen Premierminister Jean-Luc Dehaene (Bild: BRF-Archiv)

„Die regionale Berichterstattung, als ich noch in Brüssel arbeitete, bestand sehr oft darin, dass eine Vorschau zu Ereignissen kam, die manchmal zu spät kam, weil die Ereignisse schon vorbei waren. Das wurde in Eupen an einem gewissen Tag aufgezeichnet, bei Jacques Keil, wurde dann nach Brüssel geschickt, kontrolliert … Und jetzt lief alles direkt, wir konnten sofort berichten.“

Mitte der 1980er Jahre wechselte Hans Engels in die Politik, ins Kabinett des damaligen Ministerpräsidenten Joseph Maraite – auf Zeit, denn 1990 wurde er beim BRF Nachfolger von Direktor Peter Moutschen. „Sehr schnell habe ich mich daran gesetzt, das eigentliche Problem des BRF zu lösen: das räumliche Problem. Damals schwebte das geplante Kulturzentrum Eupen als Fatamorgana von einer Ecke zur anderen. Wir hatten uns entschieden, unser BRF-Zentrum am jetzigen Standort zu bauen und 1995, pünktlich zum 50-jährigen Bestehen am 1. Oktober, haben wir es eröffnet.“

Im gleichen Zeitraum wandte sich der BRF einem anderen Medium zu, das seit BHF-Zeiten Teil des offiziellen Namens war: dem Fernsehen. „Die ersten Fernsehversuche sind so um 1993 herum gewesen. Man traute von politischer Seite dem Braten nicht und vor allem hatte man Angst vor den hohen Folgekosten.“

„Dann hat man die Sendung ‚Maskerade‘ ins Leben gerufen, die samstags ausgestrahlt wurde, einmal die Woche auf Télévesdre. Das war aber nur ein Versuch. Dann sind wir dazu gekommen, täglich Fernsehen anzubieten auf Ka3, in Zusammenarbeit mit dem Medienzentrum, ehe wir wirklich zu einer Autonomie im Fernsehen gekommen sind.“

Hans Engels im BRF-Studio mit Moderator Rolf Peters (Bild: BRF-Archiv)

Hans Engels im BRF-Studio mit Moderator Rolf Peters (Bild: BRF-Archiv)

Spätestens mit der Jahrtausendwende beschleunigte sich die Umstellung auf digitale Formate. „In der Hinsicht sind wir wirklich Pioniere. Wir hatten als erster öffentlich-rechtlicher Sender in Belgien ein voll digitalisiertes Studio. In der Tontechnik gab es weniger Bedarf, weil die Sendung im Selbstfahrermodus moderiert werden kann. Wir haben daraufhin unsere Tontechniker zu Fernsehtechnikern und Kameraleuten ausgebildet.“

Am 31. Mai 2010 verabschiedete sich Hans Engels in den Ruhestand. Im Funkhaus am Eupener Kehrweg sieht man ihn seitdem nicht mehr. Das Medium liegt ihm aber nach wie vor am Herzen. „Die Zukunft des Hörfunks liegt für mich vielleicht darin, dass man noch viel mehr gemeinsam mit dem Hörer macht, versucht den Hörer zu binden und zu beteiligen. Ich glaube, der Hörfunk lebt nur vom direkten Austausch und von der Schnelligkeit der Information. Der BRF steht und fällt mit der Qualität der Information.“

Hier sieht er einen Sender wie den BRF auch in der Pflicht gegenüber alternativen Medien und Fake News. „Da liegt meiner Ansicht nach die Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen: Mit Hilfe des Wissens und der Ausbildung der Journalisten soweit wie möglich etwas der Wahrheit Entsprechendes zu bringen und darüber zu berichten.“

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Stephan Pesch

Ein Kommentar
  1. Paul-Heinz Müller

    Hans Engels, Peter Thomas .. Walter Eicher … die Zeit von 1977 bis 1984 an der Hochstrasse wird für mich immer eine tolle menschliche Erinnerung bleiben 🤗