Zum BRF-Jubiläum: Der frühere Phonothekar Kajo Drösch plaudert aus dem Nähkästchen

Der BRF feiert sein 75-jähriges Bestehen: Am 1. Oktober 1945 wurden von Brüssel aus die ersten Sendungen in deutscher Sprache ausgestrahlt. Kajo Drösch hat Mitte der 1970er Jahre den Umzug des 'BHF' nach Eupen miterlebt - und später den digitalen Wandel. Seit ein paar Jahren ist er nun im Ruhestand.

Kajo Drösch plaudert aus dem Nähkästchen (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Kajo Drösch plaudert aus dem Nähkästchen (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Karl-Joseph, genannt Kajo, Drösch kam geradewegs vom Militärdienst, als er sich 1975 auf ein Stellenangebot beim Belgischen Hörfunk in Brüssel bewarb. Mit seiner technischen Ausbildung glaubt er sich dort gut aufgehoben. Auch wenn er erst einmal im Redaktionssekretariat eingesetzt wurde.

Der Umzug des damaligen BHF nach Eupen stand kurz bevor: „Das war totale Aufbruchstimmung, das war ganz neu. Das Medium Radio war in voller Entwicklung. Die Technik schritt schnell voran. Das war für uns eine Herausforderung, die wir aber auch suchten und gerne annahmen“, blickt Kajo Drösch zurück.

Die regionale Hinwendung zum Publikum in der eigenen Region entsprach auch dem Zeitgeist mit dem Entstehen der Autonomie. „Das waren vor allen Dingen die Wahlkampfzeiten und die Wahlabende, da ging es etwas lebhafter zu. Da gab es interessante politische Auseinandersetzungen, die wir beobachten konnten, und über die wir berichteten.“

Paul Maraite, Hans Engels, Kajo Drösch und Rolf Peters im Studio (Bild: BRF-Archiv)

Paul Maraite, Hans Engels, Kajo Drösch und Rolf Peters im Studio (Bild: BRF-Archiv)

Umzug nach Eupen

Schon wenige Jahre später übernahm Karl-Joseph Drösch im BRF, wie er seit 1977 hieß, Verantwortung als ‚Phonothekar‘. „Das war 1980. Im Jahr 1975 war der BHF/BRF nur mit einer kleinen Mannschaft von Brüssel nach Eupen umgezogen. Dann wurde der Hauptsitz nach Eupen verlagert und in Brüssel bleibt nur eine Redaktion. Der Direktor fragte mich, ob ich das Musikarchiv übernehmen wolle. Das war für als Techniker sowieso interessant. So habe ich den Umzug organisiert und hatte seitdem die Verantwortung für das Musikarchiv.“

In Zeiten, wo Musiktitel mal eben schnell per App heruntergeladen werden, fällt es vielleicht nicht mehr ganz so leicht, sich die meterlangen Regale voller Tonträger vorzustellen – „Schallplatten! In dem alten Archiv in Brüssel, das in den 1960er Jahren aufgebaut worden war, habe ich noch Schellackplatten vorgefunden. Es wurde auch später noch mit Tonbändern gearbeitet, aber hauptsächlich mit Vinyl.“

Kajo Drösch erklärt Schülern die Arbeit eines "Phonothekars" (Bild: BRF-Archiv)

Kajo Drösch erklärt Schülern die Arbeit eines „Phonothekars“ (Bild: BRF-Archiv)

Über tausend Platten pro Wochenende

Eine, wie sich Karl-Joseph Drösch erinnert, mitunter auch mühsame Arbeit. „Vor der digitalen Umstellung mussten wir an manchen Wochenenden über tausend Platten für die Sendungen heraussuchen, abliefern, die Sendelisten erstellen, Autorenlisten – und nach dem Wochenende musste am Montag, Dienstag alles wieder zurückgeräumt werden.“

Dann kam erst die Compact Disc, mit der anfangs auch nicht immer alles reibungslos lief, und schließlich die Umstellung auf rein digitale Formate. Und Kajo Drösch mittendrin. „Es macht schon Spaß zu sehen und auszutüfteln, was jetzt kommt. Ich vergleiche das mit der heutigen Frage nach der Elektromobilität: Welche Technik setzt sich durch? Auch damals wollte jeder sein System auf dem Markt etablieren, da musste man sich schon für das richtige entscheiden …“

Heute verbringt Karl-Joseph Drösch seinen Ruhestand zu Hause in Baelen, mit allen häuslichen und familiären Verpflichtungen, die das mit sich bringt. Dem BRF ist er als Hörer verbunden geblieben: „Das Zeitgeschehen interessiert mich immer noch sehr. Wenn man einmal im Radio gearbeitet hat, vergeht die Lust an den Informationen nicht.“

Kajo Drösch mit einer Besuchergruppe im Musikarchiv (Bild: BRF-Archiv)

Kajo Drösch mit einer Besuchergruppe im Musikarchiv (Bild: BRF-Archiv)

Stephan Pesch