Wegen Anfeindungen: Minister Mollers tritt zurück

Harald Mollers zieht sich aus der Politik zurück. Das hat er am Dienstagvormittag auf einer Pressekonferenz verkündet. Als Grund gab er die heftigen persönlichen Anfeindungen im Zuge der Corona-Krise an. Über seine Nachfolge wollen die Gremien von ProDG in dieser Woche befinden.

Harald Mollers (Foto: Robin Emonts, BRF)

Harald Mollers erklärt seinen Rückzug aus der Politik (Foto: Robin Emonts, BRF)

In einer ausführlichen Stellungnahme hatte Harald Mollers die Entwicklung der Corona-Krise seit Mitte März nachgezeichnet: „Die letzten Wochen und Monate waren für viele von uns extrem anstrengend und herausfordernd“, sagte er einleitend. Die Pandemie habe „unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben buchstäblich aus den Angeln gehoben“.

„Ton wird rauer und schärfer“

Mollers kritisiert den Diskurs in den neuen Medien, den sogenannten Social Media und den Messenger-Diensten: „Immer häufiger werden Politiker auch hier in Ostbelgien mit Aussagen und angeblichen Fakten konfrontiert, die ihren Ursprung in einschlägigen Telegram-Gruppen bei Youtube oder Facebook finden.“

Der Ton in solchen Gruppen werde „rauer und schärfer“, so Mollers. „In den vergangenen Wochen haben die Anfeindungen, die Schmähungen und Beleidigungen nicht nur in der Anzahl zugenommen, sondern sie sind auch persönlicher geworden.“ Damit bezieht er sich wohl vor allem auf die heftige Kritik an der Maskenpflicht im Sekundarunterricht, an berufsbildenden Schulen und an Hochschulen, die von den drei Bildungsministern des Landes im August angekündigt worden war.

Grenze des Zumutbaren überschritten

„Ich habe nichts gegen sachliche Auseinandersetzungen und ich habe mich nie einer politischen Debatte verweigert“, sagte Mollers. Das sollten seiner Einschätzung nach „gerade die letzten Wochen nochmal bewiesen haben“. Aber, so fügte er hinzu, „aus meiner ganz persönlichen Sicht ist die Grenze dessen, was man sich selbst zumuten kann und will überschritten.“

Am 12. Oktober wird er sein Amt niederlegen. Außerdem wird er sein Mandat als Mitglied des Parlamentes nicht antreten.

Harald Mollers war vor knapp zwölf Jahren in die Politik gegangen. Von 2009 bis 2014 war er Sozial- und Gesundheitsminister der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Nach den Wahlen 2014 übernahm er das Bildungsressort.

ProDG-Gremien befassen sich mit Nachfolge

Über einen möglichen Nachfolger oder eine Nachfolgerin sagte Mollers nichts. Auf BRF-Nachfrage wollte sich auch die Co-Vorsitzende Lydia Klinkenberg dazu nicht näher äußern. Nach ihren Worten werden sich die Gremien von ProDG „noch in dieser Woche mit dieser Frage beschäftigen“. Treffen waren schon für den Dienstag anberaumt worden.

Robin Emonts

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10 Kommentare
  1. Jean-Pierre DRESCHER

    In unserer DG sind Meinungsverschiedenheiten auf sachlicher Ebene in einem zivilisierten Umgangston miteinander zu debattieren.

    Wer sich nicht zivilisiert benehmen will wie es in einem zivilisierten Land übrig ist sollte für sich selber die Konsequenzen ziehen.

    Meiner Meinung nach sollten wir uns in unserer DG vor allem auf unsere heimatlichen Werte und Kultur der Solidarität zurückbesinnen anstatt uns das „Sovoir-Vivre“ unserer westlichen Nachbarn sprachlich wie kulturell unkritisch zu assimilieren.

  2. Gerd Havenith

    Dieser Rücktritt ist sehr schade. Wir haben Harald Mollers stets als kompetenten, jovialen und verantwortungsbewussten Minister erlebt. Sein Rücktritt ist ein herber Verlust für Ostbelgien.
    Wir können seine Beweggründe sehr gut nachvollziehen, denn das Coronavirus hat zahlreiche dumme Verschwörungstheorien, unkontrolliert-impulsive Aggressionen und Anfeindungen gegen seine Person aufkommen lassen. Letzlich ist sein Rücktritt ein dubioser Sieg für die „dummen, unwissenden Corona-Leugner“.

  3. Jean-Pierre DRESCHER

    Ob Verschwörung hin oder her, dieser Rücktritt ist wie Sie schon sagten, ein herber Verlust für unsere DG. Die Leute, die Herrn Mollers unter Druck gesetzt haben, sollten die kommende Zeit zur Selbstreflektion über sich selbst nutzen.

    Ein Gegeneinander darf es nicht weiter geben. Was wir brauchen ist eine solidarische DG, wo der reiche dem armen hilft und alle an einem Strang ziehen.

    Nur gemeinsam sind wir stark.

  4. Maria van Straelen

    Es hilft , bei diesen Hetzmedien erst gar nicht mitzumachen, dann bleibt einem der größte Sch.. erspart. Man erkennt auch hier bei BRF an den persönlichen Anfeindungen, wer sich in diesen Medien tummelt und hier aber einen Gang runterschalten muss, um posten zu können. Facebook und co sind sowieso Medien, die die Weltherrschaft beeinflussen wollen. Wer mitmacht und dabei anonym bleiben kann, lässt allen Anstand fallen. Boycott diesen nutzlosen Spionagemedien, die die Welt verrohen lassen !

  5. Reinhard Janssen

    Sehr schade, war sympathisch und erschien mir kompetent.
    Ein verlust eines vertrauenswürdigen Politikers…

  6. Marcel Scholzen eimerscheid

    Am besten Twitter, Facebook und Co ignorieren, dann lebt es sich leichter.

  7. Dieter Leonard

    @M. Scholzen

    Dann wohl auch das BRF- und andere Foren ignorieren, in denen u.a. gewisser Marcel Scholzen fast täglich und undifferenziert gegen inkompetente Politiker hetzt, denen es ja seiner Meinung nach nur darum geht, sich zu bereichern und sich an den Fleischtöpfen zu laben.

  8. Mario Meis

    Das kann ein Herr Leonard auch sehr gut!

  9. Dieter Leonard

    @M. Meis
    Das Gegenteil ist der Fall, Herr Meis

  10. Marcel Scholzen eimerscheid

    Werter Herr Leonard.

    Wissen Sie überhaupt, was „hetzen“ bedeutet ?

    Nazis haben gegen Juden gehetzt und Rechtsradikale hetzen gegen Ausländer. Wollen Sie mich mit denen auf eine Stufe stellen? Ich bin demokratisch eingestellt und lehne jede Art von Links oder Rechtsextremis ab. Auch lehne ich jede Art von Rassismus und Kolonialismus ab.

    Wenn ich mich nun täglich kritisch über inkompetente Politiker äußere, so ist das keine Hetze, sondern eine Meinungsäußerung, die sowohl von der Verfassung als auch von den Richtlinien des brf gedeckt sind. Ich habe nie behauptet, dass Politiker sich bereichern. Ich behaupte nur, dass sind Postenjäger und Profiteure. Das ist ein Unterschied.

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