Lydia Klinkenberg ProDG-Spitzenkandidatin für Europa

Wie schon vor fünf Jahren ist Lydia Klinkenberg aus Eupen wieder ProDG-Spitzenkandidatin für die Europawahl. Sie möchte sich für ein bürgernahes Europa einsetzen.

Bild: Manuel Zimmermann/BRF

Bild: Manuel Zimmermann/BRF

Für Klinkenberg sind die zahlreichen Jugendlichen, die zur Zeit in Europa auf die Straße gehen, ein Zeichen dafür, dass Veränderung möglich sei. „Wir brauchen eine Politik, die sich komplett verändert – eine Politik von unten nach oben. Zur Zeit identifizieren die Leute sehr wenig mit Europa und die Sorgen und Ängste der Menschen werden auf europäischer Ebene nicht richtig berücksichtigt.“

„Wir brauchen ein sozialeres, ein gerechteres und ein solidarischeres Europa“, so Klinkenberg, die keinen Zweifel daran lässt, dass ProDG auch pro Europa ist.

Doch es gebe noch viele Baustellen in der EU. Klinkenberg denkt da an Grenzgängerfragen, Sozialdumping, Steuerungleichheit sowie fehlende gemeinsame Antworten zum Thema Flüchtlingspolitik.

Sollte Klinkenberg ins Europaparlament gewählt werden, will sie erst nach der Wahl entscheiden, welcher europäischen Fraktion sie sich anschließt. „Man muss mal schauen, wie die neuen Konstellationen sein werden im neuen EU-Parlament. Zur Zeit versammeln sich die verschiedenen Regionalparteien und freien Bürgerlisten in der liberalen Alde-Fraktion oder bei den Grünen. Es sieht aber so aus, als würde sich eine anti-populistische Fraktion gründen. Ich persönlich hätte ein großes Problem damit, in einer Fraktion mit Orban (ungarische Fidesz-Partei) zu sein.“

Klinkenberg wisse sehr wohl, dass ihre Chancen im Europawahlkampf bescheiden sind. Sie glaube aber, dass die Europapapolitik in Ostbelgien zu sehr auf Parteipolitik ausgerichtet sei.

Weil es nur einen ostbelgischen Europaabgeordneten gibt, sollte er oder sie alle Ostbelgier vertreten. „Wir brauchen eine bürgernähere Europapolitik. Und zwar denken wir, dass es sehr sinnvoll wäre einen parteiübergreifenden Mitarbeiterstab für unseren Europaparlamentarier vorzusehen.“, so die 37-Jährige.

„Wir glauben, dass der derzeitige ostbelgische Europaabgeordnete die Parteipolitik zu sehr in den Vordergrund stellt und sich deshalb auch viele Ostbelgier nicht vertreten fühlen von unserem Europaabgeordneten“, argumentiert Klinkenberg.

Gerne hätte Klinkenberg auch eine parteiübergreifende Liste gesehen. Man sei dem bisherigen Europaabgeordneten Pascal Arimont in dieser Sache sehr entgegen gekommen: „Wir haben im Allparteiengespräch Pascal Arimont die Spitzenkandidatur einer Allparteienliste angeboten – und zwar ohne Rotation. Das heißt, Pascal Arimont wäre mit großer Wahrscheinlichkeit der Vertreter Ostbelgiens im Europaparlament geworden.“

Einzige Bedingung bei der Allparteienliste sei laut der ProDG-Kandidatin, dass es einen parteiübergreifenden Mitarbeiterstab gibt. „Damit man die europapolitische Diskussion hier in Ostbelgien sehr viel lebendiger gestalten kann und Europa somit dem Bürger näher bringt.“

Aus der gemeinsamen Liste ist nichts geworden. Aber für Lydia Klinkenberg bedeute dies noch lange nicht, dass das Thema nach den Wahlen vom Tisch ist. „Die Diskussion wird im Parlament der DG auf jeden Fall weitergeführt“, versichert Klinkenberg, die zur Zeit ProDG-Fraktionsmitglied im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist.

Am Mittwoch wurde auch die Liste der Ersatzkandidaten der ProDG-Liste für die Europawahl vorgestellt. Erster Ersatzkandidat ist der 25-jährige Student Andreas Lejeune aus Büllingen.

Ersatzkandidaten im Überblick

1. Andreas Lejeune (25), Student, Büllingen
2. Elke Comoth (50), Sozialassistentin, Amel
3. Alain Kever (45), Geschäftsführer, Eupen
4. Lara Lentzen (23), Architektin, St. Vith
5. Lieselotte Blanken (76), Rentnerin, Grüfflingen
6. Markus Hendrich (30), Kommunikationsberater, Kettenis

Manuel Zimmermann

7 Kommentare
  1. Ralph Lenges

    Also ganz ehrlich, ich vermisse bei Frau Klinkenberg klar die Substanz. Sie wirft nur mit allgemeinen nichtssagenden Stichwörtern um sich und bietet keinerlei konkrete Inhalte und Ideen.

    Zudem besteht das Groß ihrer Strategie darin, Herrn Arimont schlecht zu machen, um selbst besser dazustehen. Wer bittet durchschaut das nicht?

    Ganz zu schweigen davon, dass sie hier wieder ihre Underdog-Rolle betont, um Mitleidspunkte beim Wähler zu sammeln. Das hat früher gut bei Deutschland-sucht-den-Superstar funktioniert, aber hier bestimmt nicht.

    Nicht zuletzt will sie ProDG-Leute bei Herrn Arimont als dessen Mitarbeiter einsetzen? Das alleine ist schon völlig unsinnig, aber würde Frau Klinkenberg das auch CSP/Ecolo/Vivant anbieten, wenn sie selbst EU-Abgeordnete wäre? Wohl eher nicht. Beschäftigen Herr Paasch oder die Minister in ihren Kabinetten denn auch CSP/Ecolo/Vivant-Leute? Nein.

    In meinen Augen betreiben Frau Klinkenberg und ProDG Wahlkampf der untersten Schublade und sind in höchstem Maße unglaubwürdig.

  2. Jean-Pierre DRESCHER

    So richtig informiert fühle ich mich jetzt auch leider nicht was Frau Klinkenberg nun konkret für unsere DG plant. Etwas verändern ja, aber in welcher Richtung? Ich erkenne kein politisches Profil sondern nur allgemein genannten Handlungsbedarf z.B. in der Flüchtlingspolitik ohne zu sagen was man jetzt genau tun will.

    Um von den Bürgern der DG gewählt zu werden ist es aber erforderlich, mit seinen Thesen so konkret rüberzukommen, dass die Menschen in unserer DG sicher sein können, dass der kandidierende Abgeordnete wirklich auch ausschließlich die Interessen der Menschen in unserer DG in allen Situationen ggü. den EU-Beamten professionell vertreten kann und tatsächlich vertritt.

    Jeder Kandidat kann das nur erreichen, wenn er im Detail offenlegt was er in welchem Problemfeld in welcher Richtung genau verändern will. Sprich ein detailiertes Positionsprogramm was von den Menschen leicht, kurz und frei von langen Vorträgen zu verstehen ist.

  3. Lydia Klinkenberg

    Lieber Herr Lenges,
    selbstverständlich gibt es mit ProDG einen parteiübergreifenden Mitarbeiterstab. Nehmen Sie mich beim Wort! Als Teil einer freie Bürgerliste bin ich bestens darauf vorbereitet, verschiedenste Meinungen zusammenzuführen!
    Am Mittwoch ging es lediglich um die Vorstellung der Liste und der großen Leitlinien. Selbstverständlich werden wir in Kürze auch unser detailliertes Wahlprogramm vorstellen. Tatsache ist, dass es so nicht weitergehen kann. Die EU steht an einem Scheidweg. Stellt sich die Frage: Status Quo wählen oder Veränderung? Wir stehen für Veränderung und eine bürgernähere EU jenseits von Ideologien und Parteidenken!

  4. Maria van Straelen

    Die DG hat 1 (einen !) Sitz im Europa-Parlament, nachdem Grönland den ihm zugeordneten nicht wollte. Dann ist man Teil von Belgien (oder am Ende erstmal nur der Wallonie ?). Es werden insgesamt 705 Abgeordnete im neuen Parlament sein. Wie größenwahnsinnig muß man da sein, wenn man irgendwelche EIGENEN Bedürfnisse hofft durchzubekommen, und dann mit einer Partei, die nur durch max. 61.000 (abzüglich Minderjährigen) wählbar ist. Die klassischen Parteien können sich wenigstens in ganz Belgien zu ihresgleichen gesellen. Die obige Diskussion ist sinnlos. Das wir vertreten sind ist eher als kurzer Weg für eine Informationsquelle zu werten.

  5. Ralph Lenges

    Frau Klinkenberg,

    seien Sie mir nicht böse, aber Sie unterstellen Herrn Arimont, dass er als EVP-Mitglied nicht unabhängig sei, ohne es zu begründen. Zugleich liebäugeln Sie damit, sich den Liberalen oder Grünen anzuschließen zu wollen. Außerdem sind Sie im Vorstand von ProDG – also ganz und gar nicht parteiunabhängig. Ist das nicht ein Widerspruch?

    Wie viele EU-Abgeordnete der Sozialisten, Liberalen, Grünen verlässt auch Herr Arimont häufig die Fraktionslinie. Das liegt daran, dass das EU-Parlament flexible Mehrheiten bildet, je nach Thema. Er bildet sich also eine eigene – parteiunabhängige – Meinung.

    Im Übrigen sind Sie meiner Frage ausgewichen, ob in den Kabinetten Mitglieder von CSP/Ecolo/Vivant beschäftigt sind? Nein! Umgekehrt möchten Sie aber ProDG-Leute beim EU-Abgeordneten unterbringen. Versuchen Sie ihm nicht gerade dadurch seine Unabhängigkeit zu nehmen und das Parteidenken von ProDG aufzuwingen?

    Die EU hat viele Baustellen aber pauschal zu sagen „Arimont ist Status Quo, ich bin Veränderung“ finde ich eher schwach.

  6. Lydia Klinkenberg

    Lieber Herr Lenges,
    gerne empfehle ich Ihnen, sich etwas näher mit der Materie der Unabhängigkeit Herrn Arimonts auseinanderzusetzen. Es gibt interessante Webseites, die abhängig vom Abstimmungsverhalten, errechnen, wie loyal ein Europaabgeordneter seiner Partei gegenüber ist. Ich verrate Ihnen jetzt schon: Sie werden sich wundern und Ihre Aussage in Frage stellen müssen.
    Und ja, in den Kabinetten sind Mitarbeiter beschäftigt, die anderen Parteien zuzuordnen sind. Und das ist auch gut so, denn es geht schließlich um Kompetenz und um Arbeit im Sinne der DG und nicht um die Parteikarte!

  7. Ralph Lenges

    Frau Klinkenberg,

    ich muss meine Aussage sicher nicht in Frage stellen, denn Sie verwechseln (absichtlich?) nicht nur Inhalte mit Statistiken, sondern verstehen die Statistiken auch noch falsch.

    1. Wenn Sozialisten, Grüne, Liberale und EVPler alle ihrer eigenen Fraktionslinie folgend denselben Änderungsantrag unterstützen, erhöht sich statisch ihre jeweilige Loyalität. Ist es inhaltlich ein guter oder schlechter Änderungsantrag gewesen?

    Konkret: bei welchen Themen hätten Sie denn anders abgestimmt, als Herr Arimont?

    2. In den Kabinetten ist NIEMAND von den Oppositionsparteien beschäftigt. Parteikarte spielt also eine Rolle. Sie selbst verlangen also von Herrn Arimont, dass er bei der Auswahl seiner Mitarbeiter statt auf Kompetenz nur auf Parteikarte setzt?

    Fazit: Sie wollen auf billigste Weise die uniformierten Bürger täuschen und ihnen verkaufen, Herr Arimont sei ein schlechter EU-Abgeordneter – ohne Beweise zu liefern.

    Sie betreiben damit eine Desinformationskampagne der niedersten Art und sind dieses Amtes absolut unwürdig. Genau genommen JEDES politischen Amtes.