Außenminister Maxime Prévot hatte den Botschafter formal einbestellt, nachdem dieser scharfe Kritik an Belgien und auch an der Regierung geübt hatte. Konkret hatte er Belgien aufgefordert, die gerichtlichen Ermittlungen gegen drei jüdische Beschneider in Antwerpen zu stoppen. Außerdem solle die Gesetzgebung dahingehend verändert werden, dass deren Tätigkeit legal werde.
Außenminister Maxime Prévot konnte Bill White nicht empfangen - der Les Engagés-Politiker befindet sich derzeit im Ausland. Vertreten wurde er von der ranghöchsten Diplomatin des Landes. Und die hat gegenüber dem amerikanischen Botschafter unter anderem noch einmal klargemacht, dass jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes einen Verstoß gegen die diplomatischen Grundregeln darstellten.
White selbst zeigte sich aber unbeeindruckt. Er werde in Kürze nach Antwerpen fahren, um dort die drei Männer zu treffen, gegen die wegen mutmaßlich illegaler ritueller Beschneidungen ermittelt werden. Und er werde sie in jedem Fall weiter unterstützen.
Die Affäre bekommt unterdessen jetzt auch eine innenpolitische Dimension. Der N-VA-Kammerabgeordnete Michael Freilich hat eingeräumt, im Rahmen einer parlamentarischen Mission in Washington den Fall angesprochen zu haben, und zwar gegenüber einem ranghohen Berater von Präsident Trump.
Einige Oppositionsparteien warfen ihm vor, ausländische politische Kanäle genutzt zu haben, um Druck auf die belgische Debatte auszuüben. Auch die CD&V, also ein Koalitionspartner der N-VA, übte scharfe Kritik am Vorgehen von Freilich.
Diplomatischer Streit: Außenminister Prévot bestellt den amerikanischen Botschafter ein
Roger Pint