Erneut Schießerei in Antwerpen und verdächtiges Paket vor Haus von Van Quickenborne

Nach der vereitelten Entführung von Justizminister Van Quickenborne hält die Bedrohung an. In der Nähe seines Wohnhauses wurde am Montag ein verdächtiges Paket entdeckt. In der Gemeinde Deurne im Großraum Antwerpen sind Montagabend erneut Schüsse gefallen.

Absperrung in der Nähe des Hauses von Justizminister Van Quickenborne

Polizeisperre in der Nähe des Hauses von Justizminister Van Quickenborne am 26. September (Bild: Kurt Desplenter/Belga)

Durch die Schüsse wurde niemand verletzt. Die Polizei nahm kurz darauf die Insassen eines verdächtigen Fahrzeugs in der Antwerpener Gemeinde Borgerhout fest.

Noch ist nicht klar, ob die Schüsse erneut im Zusammenhang mit dem Streit zwischen rivalisierenden Drogenbanden in Antwerpen gefallen sind. Eine Spezialeinheit der Polizei war nach der Schießerei in Deurne schnell vor Ort. Der Tatort wurde abgeriegelt.

De Wever: Eskalation der Gewalt in Antwerpen besorgniserregend

Der Kampf gegen die Drogenmafia und der offene Bandenkrieg in Antwerpen war Montagabend auch Thema bei der Gemeinderatssitzung in Antwerpen. Bürgermeister Bart De Wever erklärte, die Eskalation der Gewalt sei sehr besorgniserregend. Sie sei aber vorhersehbar gewesen.

Vergangene Woche hatte der Stadtrat in einer geheimen Sitzung mit Polizei und Staatsanwaltschaft ausgetauscht. Die Opposition im Stadtrat warf De Wever vor, mit dem Finger auf die Föderalregierung zu zeigen und der Repression statt der Prävention den Vorrang zu geben. De Wever entgegnete, zwischen den Drogenbanden sei ein Krieg ausgebrochen. Es sei zu spät, auf die Nachbarschaftspolizei zu setzen.

Bürgermeister Bart De Wever sprach dem föderalen Justizminister Vincent Van Quickenborne seine Unterstützung aus. Van Quickenborne befindet sich zurzeit unter Polizeischutz. Das Nationale Sicherheitszentrum geht davon aus, dass Van Quickenborne von Mitgliedern der Drogenmafia entführt werden sollte.

Verdächtiges Paket in der Nähe von Haus von Van Quickenborne

Vor dem Haus von Van Quickenborne wurde Montag am frühen Abend ein verdächtiges Paket gefunden. Die Polizei riegelte das Gelände ab, Anwohner wurden aus ihren Häusern evakuiert. Sprengstoffspezialisten stellten dann jedoch fest, dass das Paket ungefährlich war.

Der föderalen Staatsanwaltschaft zufolge müssen die Drohungen gegen Van Quickenborne ernst genommen werden. Vier Verdächtige wurden bereits in den Niederlanden festgenommen. Van Quickenborne hatte den Kampf gegen Drogenkriminalität zuletzt deutlich verschärft.

Verdächtige zu Drohungen gegen Van Quickenborne bleiben in Haft

belga/vrt/kw/cd

3 Kommentare
  1. Yves Tychon

    Nur mal angenommen, in Charleroi würden die blauen Bohnen so rumfliegen wie in Antwerpen: Dann wäre es bestimmt lustig, Herrn De Wevers Tiraden gegen die schlampigen wallonischen Sozis zuzuhören! Und jetzt? Sieht ganz danach aus, als sei der klügste Kopf Flanderns mit seinem Latein am Ende.

  2. Peter Schallenberg

    Es ist schon beachtlich, das gerade aus der „Musterregion Flandern“, insbesondere Antwerpen, immer wieder derartige Schlagzeilen zu lesen. Ich nahm an, das dort die Welt noch in Ordnung sei…

  3. Alexander Hezel

    Ja Herr Tychon, es ist in der Tat verdächtig still geworden um Bürgermeister De Wever und all seinem Gerede von „goed bestuur“ und den Tiraden gegen die ach so ineffizienten Wallonen und dem Haus Belgien, dem er natürlich wieder den schwarzen Peter zuschiebt, denn er erhalte ja zu wenig Unterstützung von dieser Ebene im Kampf gegen die Drogenkriminalität… Auf einmal ist dann Papa Föderalstaat, den er doch abschaffen will, wieder bitter nötig.

    Man muss sich mal vor Augen führen, dass De Wever seit knapp 20 Jahren (!) das Ruder in Antwerpen hält, und es in all den Jahren nicht auf die Reihe bekommen hat, den Drogenbanden und der einhergehenden schweren Kriminalität Einhalt zu gebieten. Im Gegenteil, Antwerpen ist quasi Drogenversorger – insbesondere für Kokain – für ganz Europa. Vor der eigenen Haustür kehren stünde den flämischen Nationalisten ganz gut.