Kritischer Infektionsschwellenwert überschritten: Brüssel führt allgemeine Maskenpflicht ein

In Brüssel gilt ab Mittwoch eine allgemeine Tragepflicht für Mundschutzmasken. Das hat Rudi Vervoort, der Ministerpräsident der Region Brüssel-Hauptstadt, am Mittwochmorgen mitgeteilt. Die Entscheidung war absehbar, näherten sich die Zahlen der Neuinfektionen doch schon seit Tagen dem festgelegten kritischen Wert. Allerdings gibt es schon jetzt Kritik an der Maßnahme.

Maskenpflicht in der Brüsseler Einkaufsstraße

Illustrationsbild: Nicolas Maeterlinck/Belga

Die neuesten Zahlen des Instituts für Volksgesundheit, Sciensano, bestätigten am Mittwochmorgen, was ohnehin erwartet worden war: Bei 54,4 liegt der aktuelle Wert für Neuansteckungen mit dem Coronavirus je 100.000 Menschen im Durchschnitt in der Region Brüssel jetzt. Und damit ist der kritische Schwellenwert von 50 eben offiziell überschritten.

Das bedeutet, dass für alle, die älter als zwölf Jahre sind, mit sofortiger Wirkung das Bedecken von Mund und Nase an allen öffentlichen Orten vorgeschrieben ist. Und auch an allen privaten Orten, zu denen die Öffentlichkeit Zutritt hat. Diese Maßregel gilt für das gesamte Gebiet der Region Brüssel-Hauptstadt. Um die Einhaltung der Vorschrift zu gewährleisten, sollen auch verstärkt Polizeikontrollen stattfinden.

Ausnahmen sind lediglich beim intensiven Treiben von Sport und bei schwerer körperlicher Arbeit vorgesehen. Und für Menschen, die aus medizinischen Gründen keine Masken tragen können.

Weitere strenge Maßnahmen und Beschränkungen, wie sie beispielsweise wegen der Corona-Ausbrüche in der Provinz Antwerpen verhängt wurden, sind aber nicht beschlossen worden – zumindest noch nicht.

Kritik

Und die Kritik kam schon, bevor die Maßnahme überhaupt offiziell in Kraft gesetzt wurde. „Too little, too late“: Zu wenig und zu spät, beklagte beispielsweise die Oppositionspolitikerin Bianca Debaets von der CD&V in der VRT. Man müsse zwar sagen, dass „endlich“ gehandelt werde, aber sie und auch Experten hätten das schon seit langem gefordert.

Man habe in Brüssel viel zu lange gewartet und erst eingegriffen, als die Infektionszahlen alarmierende Ausmaße angenommen hätten, kritisierte die CD&V-Politikerin. Durch das Rumtrödeln der Brüsseler Regierung seien Menschen unnötig erkrankt, wetterte Debaets.

Harsche Worte kommen aber nicht nur von der Opposition, sondern auch von Fachleuten: Das Ganze sei eine sehr begrenzte Maßnahme, kritisierte beispielsweise Dirk Devroey, Professor für Allgemeinmedizin an der Freien Universität Brüssel. Insbesondere, wenn man sie auf draußen ausweite, weil die Maskenpflicht dort nur sehr wenig Nutzen habe. Wenn man auf der Straße zufällig Menschen über den Weg laufe und nicht mit ihnen spreche, sei streng genommen eine Maske eigentlich unnötig. In dicht gepackten Geschäftsstraßen sehe das natürlich anders aus.

Beim Spazieren im Park, selbst zu zweit oder zu dritt, bringe eine Maske hingegen so gut wie nichts, ist Devroey überzeugt. Und nach dem Text der Verordnung muss man das. Auch im Wald oder beim Fahrradfahren gilt die neue Maskenpflicht.

Auch der bekannte Biostatistiker Geert Molenberghs sieht keinen Sinn darin, im Wald Masken vorzuschreiben. Die Tragepflicht sei ein Fetisch, erklärte er in der Zeitung De Morgen. Mehr noch: Sie lenke von anderen Maßnahmen ab, die Brüssel ergreifen müsse.

Weitere Maßnahmen

Jetzt entstünde der Eindruck, dass die Maskenpflicht alle Probleme lösen würde, dem sei aber nicht so. Die sozialen Kontakte müssten eingeschränkt werden, forderte Molenberghs. Und je schneller das passiert, desto schneller könne man die Maßnahmen wieder lockern.

Auch Professor Devroey bezweifelt, dass die Tragepflicht die Fallzahlen tatsächlich beeinflussen wird. Wichtiger sei, dass die Polizei kontrolliere, dass die Menschen die Masken überhaupt richtig trügen, das heißt Mund und Nase bedecken. Sehr oft sehe er noch immer Menschen, die vor allem ihr Kinn beschützen und zum Miteinandersprechen die Maske herunterziehen. Das sei natürlich nicht Sinn der Sache.

Angesichts der weiter exponentiell zunehmenden Neuerkrankten in Brüssel mache er sich Sorgen. Und er hoffe, dass noch zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus beschlossen würden, betonte Devroey. Das könnte beispielsweise eine Vorschrift sein, dass die Horeca-Betriebe um 23 Uhr schließen müssen. So müssten diese einerseits nicht komplett auf ihre Einnahmen verzichten und könnten dennoch kritische Verhaltensweisen reduziert werden.

Krisenzentrum besorgt über Entwicklung der Coronazahlen in Brüssel

Boris Schmidt

12 Kommentare
  1. Daniela Regenberg

    Absolut richtig- Maskentragen im nirgendwo macht absolut keinen Sinn, während andere Maßnahmen schon seit längerem völlig vernachlässigt werden.
    Beispiel- alle Bauarbeiter halten COVID für einen Witz und denken nicht daran Masken aufzusetzen- Ich glaube eine sehr wichtige Maßnahme wäre es Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau zu versammeln (aus verschiedensten Bereichen) und ihnen klar zu machen anhand von Praxis nahen Fällen was los ist

  2. Braun Angela

    Frau Regenberg, dass Sie diesen Kommentar wirklich veröffentlicht haben, bestürzt und erschreckt mich sehr. Sie gehen davon aus, dass alle Handwerker ein niedriges Bildungsniveau besitzen und die Auswirkungen der Corona Krise nur Bildlich oder wie Sie es nennen „Praxisnah “ verstehen?
    Für mich ist dies eine Form von Rassismus, nur geht es hier nicht um die Hautfarbe oder Religion.

  3. Gerald Pesch

    Zu Ihrem Beitrag bezüglich „niedriges Bildungsniveau“ von Bauarbeiter, Sie müsste man einmal dazu verpflichten bei 32°C den Tag über mit Gesichtsmaske auf einer Baustelle zu arbeiten. Dann lägen Sie schnell neben Ihrem hohen moralischem Ross von dem Sie auf andere hinab schauen.

  4. Rutté Harry

    Frau Regenberg. Ich kann nur hoffen das sie diesen Kommentar betrunken oder unter Drogen verfasst haben. Ansonsten erwarte Ich, im Namen aller Handwerker eine öffentliche Entschuldigung von ihnen.

  5. bernard Ramscheid

    Frau Regenberg, Ihr Bildungsniveau muss erschreckend niedrig sein, um so etwas von sich zu geben. Mir fehlen die Worte!

  6. Uwe Chemnitz

    Und wieder ein Name ,den ich hier noch niemals las…Regenberg.
    Ihnen stimme ich zu Herr Pesch, aber solchen Zeitgenossen(Regenberg) die sich so äußern,sage ich nur:

    Wenn Sie mit dem niedrigen Bildungsniveau meinen, das ich als Hausmeister allen möglichen Kram kennen muss, können muss, dabei auch noch eine soziale Ader haben sollte, engagiert die anfallende Arbeit verrichte, ohne zu grantzig zu werden, Hausmeister = polyvalenter Handwerker………………
    dann haben sie Recht…fertig.

    Es tangiert mich also nur peripher..ich hoffe Frau Regenberg versteht das

  7. Horst Emonts-pool

    An Frau Regenberg. Den ganzen Tag Höchstleistung, dann über 35 Grad, und denn nicht mal durchatmen können. Da sieht man mal was sie für eine Bildung haben. Können Sie sich vorstellen wie viele Bauarbeiter Abitur haben? Sie sind garnicht informiert.

  8. John destorb

    Frau Regensburg
    Ich glaube Ihnen fehlt es an Bildung…
    Unglaublich was Sie hier von sich geben…
    Ein normaler Mensch mit Sachverstand hätte sowas nicht von sich gegeben….

  9. Marcel Scholzen eimerscheid

    Werte Frau Regenberg,

    Woher wollen Sie wissen, dass alle Bauarbeiter Covid 19 für einen Witz halten ? Ich bin Bauhandwerker(Maurer) und kann Ihnen sagen, das nicht stimmt.

    Ihr Beitrag ist ein Ausdruck der Arroganz und Ignoranz geprägt von Vorurteilen und falschen Vorstellungen. Der Bildungsgrad einer Person sagt nichts über die Intelligenz aus. Dumme und Schlaue gibt es überall. Wären alle Personen so schlau, wie der Bildungsabschluss vielleicht vermuten lässt, dürfte Belgien nicht in der aktuellen Krise stecken. Nur diese ganzen Parteischlauberger sind zu dumm, um die politische Krise zu lösen.

    Das Tragen der Maske ist bei dem heissen Wetter bestimmt nicht angenehm. Nur geht es zur Zeit nicht anders bis ein Impfstoff und ein Heilmittel gefunden ist.

  10. Maria van Straelen

    Herr Marcel Scholzen, ich bin (diesmal) ganz Ihrer Meinung bezüglich Frau Regenberg, aber dann tappen Sie zum Schluss doch noch in die gleiche Falle und beschimpfen GLOBAL alle „Parteischlauberger“ als „dumm“, das ist dann nicht besser. Lernen Sie auch hier mal zu differenzieren

  11. marcel scholzen eimerscheid

    Werte Frau van Straelen.
    Ich differenziere dort wo es möglich ist. Nur sehe ich keinen Unterschied mehr in Belgien zwischen den Parteien und deren Köpfen. Die könnte man beliebig austauschen ohne einen Unterschied festzustellen. Was erwarten Sie ? Soll ich Beifall klatschen zu dem Chaos, das seit den letzten Föderalwahlen herrscht ? Ich habe längst das Vertrauen in diese Herrschaften verloren und da kann ich nicht anders, als bissige Kommentare abzugeben.

  12. Maria van Straelen

    Werter Herr Scholzen, zu bestimmten (Nicht)entscheidungen kann man geziehlt Stellung nehmen, aber ALLE ist eben eine Pauschalisierung, die niemandem nützt, da ist viel Bequemlichkeit dabei, sich nicht mit den Themen detailiert auseinanderzusetzen. Außerdem, aus verschiedenen Kommentaren, auch von Ihnen selbst, höre ich heraus, dass auch Sie in die Politik gehen wollten. Nehmen wir mal an, es hätte geklappt, wie wäre dann Ihr Urteil ? ALLE Politiker sind dumm, außer mir ?