Trotz Ärgers über die Reiseampel: Belgien hält an dem System fest

Die Corona-Zahlen steigen weiter. Wie die Gesundheitsbehörden am Dienstagmorgen bekanntgaben, wurden in der letzten Sieben-Tages-Periode knapp 520 Neuinfektionen verzeichnet. Das sind wieder 60 Prozent mehr als in der Vorwoche. Für Ärger sorgt derweil die sogenannte Reiseampel, weil sich immer wieder die Farbcodes für einzelne Länder bzw. Regionen verändern. Das sorgt dafür, dass es für Urlauber und Tourismus-Branche keine Planungssicherheit gibt. Die zuständigen Stellen wollen aber an dem System festhalten.

Reise (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / happyalex)

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / happyalex

Über die Reiseampel dürften schon viele geflucht haben. Tatsächlich hat der eine oder andere erst auf der Autobahn erfahren, dass sein Urlaubsziel plötzlich zur Roten Zone geworden war.

Für die Tourismus-Branche ist die Situation inzwischen unerträglich geworden. Die Farbcodes für einige Länder oder Regionen können sich schnell und oft verändern. Für Schweden wurde der Farbcode innerhalb von 48 Stunden drei Mal korrigiert, sagte Koen van den Bosch vom Verband der flämischen Reisebüros. Das stellt nicht nur die Reisenden vor Probleme, sondern auch diejenigen, die mit dem Organisieren und Verkaufen von Reisen ihr Geld verdienen.

Man kann argumentieren, dass sich eben die Situation vor Ort verändert hat und die Gesundheitsbehörden darauf lediglich reagieren. „Wir setzen nur um, was Celeval uns übermittelt“, sagte etwa auch Außenminister Philippe Goffin am Dienstagmorgen in der RTBF. Celeval, das ist die zuständige Arbeitsgruppe, der im Wesentlichen Gesundheitsexperten angehören. Celeval analysiert die Situation und gibt entsprechend seine Empfehlung ab. „Und wir veröffentlichen dieses Urteil dann auf unserer Webseite“, sagt Goffin.

Drei Kriterien

Bei dieser Empfehlung kommen drei Kriterien zum Tragen: Erstens die Zahlen der Neuinfektionen, zweitens die Zahl der durchgeführten Tests und drittens die Vorsichtsmaßnahmen, die in der jeweiligen Region gelten.

Er werde sich jedenfalls nicht anmaßen, die Einschätzungen der Experten infrage zu stellen, sagt Goffin. Andere tun das aber durchaus: Vor allem am Beispiel der Schweiz. Die Stadt Genf und die beiden umliegenden Kantone Waadt und Wallis wurden von den belgischen Behörden zur Roten Zone erklärt. Die Entscheidung hat für viel Unverständnis gesorgt.

Zwar gibt es vor Ort ein Problem mit steigenden Fallzahlen, doch beschränkt sich das anscheinend im Wesentlichen auf die Stadt Genf. Warum dann gleich die relativ bergige Kantone mit auf die Liste gesetzt wurden, erschließt sich nicht jedem.

„Wir haben die Regionen vorab definiert“, sagte der Sciensano-Virologe Steven van Gucht. Jede Region umfasst so zwischen 800.000 und drei Millionen Einwohner. Wenn innerhalb dieser Region in einer Gegend die Zahlen steigen, dann gilt das Prinzip: Mitgehangen, mitgefangen.

Hohe Fallzahlen in Belgien

Doch da fragen die Kritiker, ob dies nicht inkonsequent sei. Manche Regionen, die zur Roten Zone gestempelt wurden, haben schließlich niedrigere Fallzahlen als Antwerpen. „Das stimmt“, sagt -Doktor Frédérique Jacobs, eine der Sprecherinnen des Gesundheitsministeriums. „Wir haben auch nie gesagt, dass man in Antwerpen Urlaub machen sollte. Man muss bedenken, dass berufliche Kontakte anders gelagert sind als ein Urlaubsverhalten.“

Nachvollziehbar ist die Reiseampel also nicht immer. Das System überdenken wollen die Verantwortlichen allerdings nicht. „Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir versuchen, unsere Bürger zu schützen“, sagte etwa Außenminister Goffin. „Es war von Anfang an klar, dass diese Urlaubszeit nicht wie jede andere sein würde. Das ist von Anfang an so kommuniziert worden.“

Die betroffenen Länder können außerdem genauere Infos schicken. Das kann etwa über die Botschaften erfolgen. Das erlaubt es Celeval, die Empfehlung zu verfeinern. Ob Celeval das tut oder nicht, das liegt aber allein in seiner Verantwortung.

Roger Pint

Ein Kommentar
  1. Udo Laschet

    Planungssicherheit ist sicher wichtig. Das belgische Reisewarn-System ist in dieser Hinsicht eines der sichersten europaweit, da auf die Corona-Gegenmaßnahmen in den Reiseländern geachtet wird, und zudem die – weit gefassten – regionalen Fallzahlen Berücksichtigung finden.

    Doch nun ja, wer reisen will, mag sich selbst ein Urteil bilden. Für die BRD ist Belgien kein Risiko-Gebiet, die Provinz Antwerpen wird dort nur ab und an erwähnt.

    Für belgische Maßstäbe sind vielleicht auch andere Werte relevant. Die Kriterien für den Aufenthalt in Belgien wurden durch Belgien während der letzten Wochen bereits 3x geändert, ohne dass der Staat den Mut und den Willen zur Umsetzung eines „immerhin tatsächlich vorliegenden Plans“ von immerhin tatsächlich 82-Seiten-Dicke gegen die Ausbreitung des Virus aufbrachte (der BRF berichtete).

    Ein Schelm, der Böses … nicht dabei denkt, sondern unterstellt, man wolle keinen Schutz. Man kann jedoch derzeit keine Planungssicherheit für niemanden gewährleisten. Nur für einen Urlaub im eigenen Land.