Kampagne: Weg mit den Wegwerfzelten

Sommerzeit ist Festivalzeit. Und damit auch wieder die Zeit der Müllberge. Nachdem die Festivalbesucher gegangen sind, sieht es auf den Campingwiesen oft aus wie auf einem Schlachtfeld. Besonders auffällig: die vielen Zelte, die die Besucher liegenlassen. Eine Initiative britischer Festivals will das verhindern, belgische Festivalorganisatoren haben sich der Kampagne angeschlossen.

Zelt (Bild: Pixabay)

Zelt (Bild: Pixabay)

Das Problem ist wirklich nicht zu unterschätzen: In Großbritannien kommt man auf etwa 250.000 Zelte, die jedes Jahr auf den Festivalcampings zurückgelassen werden. Bei einem Gewicht von rund 3.5 Kilogramm pro Zelt sind das etwa 875 Tonnen zusätzlichen Mülls – soviel wie 62 Millionen Plastikbecher, die in die Tonne wandern.

Die Festivalbesucher schmeißen ihre Zelte oft aus Bequemlichkeit weg. Nach dem Festival ist man müde, hat wahrscheinlich noch einen Kater, vielleicht regnet es in Strömen oder es ist heiß, kurzum man will einfach nur schnellstmöglich nach Hause. Und jeder, der eines dieser Wurfzelte einzupacken versucht, der weiß aus Erfahrung, dass das ziemlich knifflig ist. Man muss aus dem flexiblen Zelt eine Acht formen, das Ganze  nochmal zusammenlegen und das irgendwie in den viel zu kleinen Beutel reinbekommen. Dann muss man damit vielleicht noch kilometerweit zum Auto wandern oder in den Shuttle-Bus und dann in den Zug damit. Bei einem Preis von 50 Euro oder weniger sagen sich viele „Ist ja nicht soviel, dann lasse ich es einfach liegen“. Dementsprechend sieht es dann auch auf den Campingwiesen aus.

Britische Kampagne

Anhand der eben genannten Zahlen versucht man den Festivalbesuchern ins Gewissen zu reden. Der Appell richtet sich auch an die Verkäufer der Zelte. Im Visier der Initiatoren sind zwei Supermarktketten. Diese sollen diese „Wegwerfzelte“ nicht verkaufen.

Im Festivalland Belgien sieht es so aus: Rock Werchter sagt, man sei sich des Problems bewusst, hat sich der Kampagne angeschlossen und das britische Kampagnenvideo geteilt. Genaue Zahlen gibt Rock Werchter nicht heraus, spricht aber von hunderten Zelten. Tomorrowland spricht von 75 Tonnen Campingmaterial, das zurückgelassen wird, darunter aber auch Schlafsäcke oder Kühlboxen. Es gibt Initiativen, Material, das noch in Ordnung ist, zu sammeln und second hand weiterzuverkaufen. Was kaputt ist, landet auch im Müll.

Beim Tomorrowland-Festival kommt hinzu, dass es international bekannt ist, und deshalb auch viele Besucher per Flugzeug anreisen und deshalb kein Zelt mitbringen. Deshalb setzt Tomorrowland auch auf Leihzelte, die wieder benutzt werden oder das Easy-Tent-Paket, bei dem die Festivalbesucher komplett eingerichtete Zelte mieten können.

Beim Pukkelpopfestival versucht man es seit zwei Jahren mit positiver Motivation – per Belohnungssystem. Wer sich am Ausgang fotografieren lässt und erklärt, sein Zelt mitzunehmen, der nimmt an einer Verlosung für Gratistickets für das nächste Jahr teil.

Volker Krings

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