Die Presseschau von Dienstag, dem 26. Oktober 2021

Der eigentlich für Freitag vorgesehene Konzertierungsausschuss ist auf heute vorgezogen worden. Dementsprechend befassen sich die Titelseiten und Leitartikel vor allem mit der Frage, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um die erneute Ausbreitung des Virus' zu bremsen.

Alles vorbereitet für die Pressekonferenz nach dem Konzertierungsausschuss

Bild: Benoît Doppagne/Belga

„Corona-Kennzahlen bereiten Sorge: Konzertierungsausschuss tritt bereits heute zusammen“, schreibt das GrenzEcho auf Seite eins. „Konzertierungsausschuss vorgezogen, neue Maßnahmen diesen Dienstag“, titelt Le Soir. „Nach einem Monat schon wieder strenger – erneut Mundschutzmasken in den Geschäften? Breiterer Einsatz des Covid-Safe-Tickets? Wieder von zu Hause arbeiten?“, bringt Gazet van Antwerpen die Fragen vor allem im Norden des Landes auf den Punkt.

Wir gehen in die nächste Runde, konstatiert La Dernière Heure. Wenn sich das Kernkabinett schon am Montag trifft und der Konzertierungsausschuss auf den nächsten Tag vorgezogen wird, dann geht es sicher nicht darum, über das Wetter zu sprechen. In die epidemiologische Situation ist eindeutig wieder Bewegung gekommen. Brüssel und die Wallonie waren vorausschauender und haben beim letzten Mal nicht zu sehr gelockert. Das heißt aber nicht, dass nicht noch mehr auf eine strikte Einhaltung der Regeln gepocht werden sollte. Das hochgeimpfte Flandern ist hingegen in die Falle getappt. Die Falle der Selbstzufriedenheit und des epidemiologischen Nationalismus. Als ob Covid Sprachgrenzen respektieren würde. Dass dort jetzt zurückgerudert werden muss, ist ein Zeichen des Scheiterns, weil man zu schnell machen wollte. Wir können es nur immer wieder wiederholen: Die beste Waffe gegen das Virus ist die Impfung. Wir müssen uns aber auch an die Krankheit gewöhnen, lernen, mit ihr zu leben. Dabei müssen wir die emotionalen Achterbahnfahrten bei jedem Wiederanstieg der Fallzahlen vermeiden, fordert La Dernière Heure.

So frei wie möglich mit dem Virus leben

Gazet van Antwerpen fühlt sich, als ob die Uhr zurückgedreht worden wäre auf Oktober 2020. Die Debatten, die Verfassungsspezialisten, die Motivationspsychologen, die Gouverneure, der Konzertierungsausschuss – ja, selbst die Frage, wie wir Weihnachten verbringen werden, sie sind alle wieder da. Gerade hinsichtlich der festlichen Periode zum Jahresende und der Erinnerung, wie kläglich wir sie letztes Jahr verbringen mussten, ist es nicht verwunderlich, dass der Druck auf die Ungeimpften zunimmt. Es gibt auch sicher genug Grund zur Sorge über zum Beispiel den Schulunterricht und die Auslastung der Krankenhäuser, aber wir sollten trotzdem auf dem Teppich bleiben. 2021 ist nicht 2020 – die Unterschiede sind sogar sehr groß. Ein halbwegs normales Weihnachten scheint – zumindest für den Augenblick – durchaus weiter möglich, meint Gazet van Antwerpen.

Anstatt uns darüber zu beklagen, wie unser Leben durch neue Maßnahmen beschwerlicher werden könnte, sollten wir das Ganze anders betrachten, wünscht sich L’Echo: Wir sollten die Maßnahmen als Mittel betrachten, das Schiff trotz schwerer See über Wasser zu halten. Je mehr die Regeln im Horeca-Sektor, in den Kinos, in den Sportsälen usw. respektiert werden, desto entspannter können diese Sektoren ihre wirtschaftliche Zukunft sehen. Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben und alle Mittel zu nutzen, um so frei wie möglich mit ihm zu leben, findet L’Echo.

Impfen, Impfen, Impfen

Für Het Laatste Nieuws ist eindeutig, dass vor allem auf noch mehr Impfen gesetzt werden muss. Überall und damit auch in Flandern. Selbst, wenn das bedeutet, dass die acht Minister für Volksgesundheit von Tür zu Tür gehen müssen, um die Bürger zu überzeugen. Die Impfung sollte im Pflegesektor so schnell wie möglich verpflichtet werden. Ältere und besonders gefährdete Menschen sollten außerdem möglichst schnell ein drittes Mal geimpft werden, fordert Het Laatste Nieuws.

De Morgen empfiehlt, dass Belgien bei seiner Impfkampagne über weniger freundliche Methoden nachdenken sollte. Zwischen Menschen freundlich einladen und Impfungen vorschreiben gibt es noch viele mögliche Zwischenstufen. Es könnte zum Beispiel noch stärker auf die Schulen gesetzt werden. Aus dem „opt-in“ sollte ein „opt-out“ werden: Wer sich echt nicht impfen lassen will, sollte das explizit melden müssen. Auch das Covid-Safe-Ticket kann helfen – als Motivation, sich doch impfen zu lassen. Den Mund-Nasen-Schutz werden wir wohl wieder aufsetzen müssen – die freundliche Maske der heutigen Impfstrategie sollten wir aber besser langsam fallen lassen, ist De Morgen überzeugt.

Impfen bleibt die beste Methode, um das Virus loszuwerden, betont De Tijd. Gleichzeitig muss aber eine zweite Verteidigungsmauer hochgezogen werden, um eventuelle Durchbrüche zu stoppen. Und um zu verhindern, dass es doch zu einer Überlastung der Krankenhäuser kommt. Eine Ausweitung der Maskenpflicht, ein breiterer Einsatz des Covid-Safe-Tickets, Belüftungspflicht, Telearbeit, Testen und Nachverfolgen, die Durchsetzung der Quarantäne bei Hochrisikokontakten – all das sind Bausteine der zweiten Verteidigungsmauer. Angenehm ist das natürlich nicht. Es ist aber auch nicht übertrieben, wenn so Distanzunterricht und ein neuer Lockdown vermieden werden können, so De Tijd.

Zu viel verlangt?

Het Nieuwsblad blickt auf die diversen Spannungen, die jetzt wieder zunehmen. Daran ändern zumindest vorläufig auch die steigenden Corona-Zahlen wenig. Die Föderalregierung seufzt über die flämische. Die scheint vor allem stur sein zu wollen. Die flämische Regierung ihrerseits beklagt, dass die föderale Regierung zu sehr ihren Willen durchsetzen will. Innerhalb Flanderns wird kritisiert, dass sowohl Ministerpräsident Jan Jambon als auch Ministerin Hilde Crevits sich im Ausland aufhalten. Das hilft nicht gerade dabei, den Flamen in puncto Epidemie ein Gefühl der Dringlichkeit zu vermitteln. Alle flämischen Mehrheitsparteien präsentieren ihre eigenen Meinungen und Vorstellungen. Drei der fünf flämischen Gouverneure wollen derweil ihren Gemeinden erlauben, ihre eigenen Corona-Regeln zu machen inklusive Ausweitung des Covid-Safe-Tickets. Ergebnis: Die Kakophonie wird immer lauter. Ist es wirklich zu viel gefragt, in Sachen Corona-Politik ein bisschen mehr mit einer Stimme zu sprechen?, fragt Het Nieuwsblad.

Boris Schmidt