Die Presseschau von Montag, dem 26. April 2021

Neben dem gestrigen Pokalfinale zwischen Genk und Lüttich wird heute vor allem eine polemische Aussage des flämischen Ministerpräsidenten Jan Jambon thematisiert. Im schneller geimpften nördlichen Landesteil sollte demnach schneller gelockert werden, was die Zeitungen anprangern. Sie machen sich auch Sorgen um den Zustand der belgischen Streitkräfte.

Der KRC Genk ist der neue Pokalsieger (Bild: Kurt Desplenter/Belga)

Der KRC Genk ist der neue Pokalsieger (Bild: Kurt Desplenter/Belga)

„Genk feiert“, titelt Het Nieuwsblad. Und auf Seite eins sieht man jubelnde Spieler in blauen Trikots, die den Landes-Pokal in die Luft heben. Der RC Genk hat am Abend das Pokalfinale gewonnen. Genk besiegte Standard Lüttich mit 2:1. „Für Genk ist es der fünfte Pokalsieg“, bemerkt Het Laatste Nieuws auf Seite eins. Aber, des einen Freud, des anderen Leid: „Genk verhagelt die Träume von Standard Lüttich“, schreiben L’Avenir und Le Soir auf Seite eins. „Die Rouches hatten einen schlechten Tag“, titelt La Dernière Heure.

Das GrenzEcho nimmt Abschied von Joseph Maraite. Der frühere DG-Ministerpräsident ist gestern Morgen im Alter von 71 Jahren gestorben. „Ein letztes Lächeln“, so die Schlagzeile auf Seite eins. „Seine herzhafte Art bleibt in Erinnerung“, fügt das Blatt im Innenteil hinzu. „Er war nie um einen Spruch verlegen, offen und jovial, und immer mit einem spitzbübischen Lächeln ausgestattet“.

Gemeinschaftspolitische Spielchen mit der Impfkampagne

„Dann lasst Flandern schneller lockern“, schreibt derweil Het Laatste Nieuws auf Seite eins. Das ist ein Zitat des flämischen Ministerpräsidenten Jan Jambon. In Flandern ist die Impfquote bei den Über-65-Jährigen wesentlich höher als in der Wallonie oder in Brüssel. Außerdem scheint die Impfkampagne im Norden des Landes schneller zu laufen als im Süden. Deswegen sagt Jan Jambon: „Wenn in Flandern mehr Menschen schneller geimpft werden, dann muss in Flandern auch schneller geöffnet werden“. Premierminister Alexander De Croo will von solchen Überlegungen aber nichts wissen.

Jambons Diagnose mag stimmen, die Schlussfolgerung, die er daraus zieht, ist aber falsch, meint De Morgen in seinem Leitartikel. Ja, es stimmt: In der Wallonie und vor allem in Brüssel gibt es wesentlich mehr Menschen, die zögern sich impfen zu lassen. Das hatte sich schon angebahnt, als sich zeigte, dass viele Pflegekräfte in den Wohn- und Pflegezentren der Hauptstadt eine Impfung verweigerten. Das mag daran liegen, dass das frankophone Belgien gerne nach Frankreich schaut, wo die Impfgegner im öffentlichen Raum sichtbarer sind. Demgegenüber können es die Flamen kaum erwarten, endlich die erlösende Spritze zu bekommen.

Jambons Idee mag sich denn auch in manchen Ohren im ersten Moment gut anhören. Nur: Wie will man das umsetzen? Wenn der flämische Horeca-Sektor früher öffnen darf, dann droht ein Sturmlauf aus den beiden anderen Regionen. Und was ist mit den Flamen, die in Brüssel wohnen? Es ist offensichtlich, dass Jambon die Gemeinschaften gegeneinander aufhetzen will. Und das ist so ungefähr das Letzte, was wir jetzt brauchen.

Wo bleibt das Solidaritätsprinzip?

Het Nieuwsblad sieht das ähnlich. Die flämische Regierung verrät hier eigentlich die eigenen Prinzipien. Wenn man die Frage stellt, warum die älteren Menschen trotz Impfung auf die Jugend warten müssen, bevor sie das „Reich der Freiheit“ betreten dürfen, dann antwortet der flämische Gesundheitsminister Wouter Beke immer das gleiche: „Gemeinsam drinnen, gemeinsam heraus“. Dieses Solidaritätsprinzip scheint aber plötzlich nicht mehr zu gelten, wenn es um die Situation in den anderen Regionen des Landes geht.

Die Corona-Krise ist in vielen Bereichen ein Crash-Test für Freundschaften und Beziehungen insgesamt, ob nun zwischen Menschen, Sektoren, Einrichtungen, Institutionen oder gar Ländern. Man erinnere sich nur an die Anfangszeit der Pandemie in Europa, als die EU-Staaten sich gegenseitig die Hilfe verweigerten und sich einigelten. Und auch hierzulande scheint auf der Ziellinie die Solidarität schon wieder abzubröckeln.

Impfungen werden zum gemeinschaftspolitischen Zankapfel

„Jetzt werden auch schon die Impfungen zum gemeinschaftspolitischen Zankapfel“, ärgert sich auch La Dernière Heure. Wer naiverweise geglaubt hatte, dass die Krise das Land zusammenrücken lassen und gegen das gemeinschaftspolitische Virus immunisieren könnte, der hat am Wochenende eine kalte Dusche gekriegt. Und dabei fußt Jambons Vorstoß auf inhaltlich falschen Thesen. Erstens: Es gibt so gut wie keinen Unterschied, was den Verlauf der Impfkampagnen in den verschiedenen Landesteilen angeht. Und, zweitens: Wer hat denn die Lockerungen im Kultursektor blockiert? Das war doch eben dieser Jan Jambon. Es gibt nichts, was wir weniger brauchen als Politiker, die in diesen Zeiten unverhohlen die Karte des Egoismus und der Spaltung ausspielen…

Stattdessen sollten auch die flämischen Politiker auch mal ein bisschen weiter denken als bis zur Nasenspitze, mahnt De Standaard. Wie kurzsichtig kann man sein? Da wird in Flandern versprochen, dass vielleicht schon zu Pfingsten der Scheitelpunkt erreicht wird. Wer glaubt denn allen Ernstes, dass es reicht, wenn in seiner kleinen Region die Herdenimmunität erreicht wird? Große Bevölkerungsgruppen, und, nicht vergessen, ganze Kontinente werden dann immer noch nicht geimpft sein. Und damit kann das Virus weiter um sich greifen und mutieren. Kein Politiker hat aber den Mut, den Menschen zu sagen, dass wir noch lange mit diesem Virus werden leben müssen. Und, schlimmer noch: Niemand ergreift Initiativen, um diese Zeit aktiv vorzubereiten. Das scheint in diesen Tagen ein Tabu zu sein.

Miserabler Zustand der belgischen Armee

„Der große Truppenübungsplatz ist jetzt eine große Wüste“, schreibt derweil Gazet van Antwerpen auf Seite eins. Gemeint ist das Gelände nördlich von Antwerpen, das Ende letzter Woche regelrecht in Rauch aufgegangen ist. Verursacht wurde der Brand anscheinend durch Schießübungen. Rund 750 Hektar Wald- und Heideland wurden zerstört. „Es wird Jahrzehnte brauchen, bis sich das Gelände vollständig erholt hat“, sagt ein Experte.

„Der Brand steht symbolisch für den Zustand der Streitkräfte“, analysiert Het Belang van Limburg. Die Sparmaßnahmen bei der Armee fordern jetzt buchstäblich ihren Tribut. Denn: Der einzige Feuerwehrwagen der Streitkräfte, der eigentlich für solche Fälle bereitsteht, war in Reparatur. Darüber hinaus sind die beiden letzten Soldaten, die noch wussten, wie man das Fahrzeug bedient, vor fünf Jahren in den Ruhestand gegangen. Am Ende mussten die Niederländer helfen. In diesem Land gehört es zum guten Ton, die Armee stiefmütterlich zu behandeln. Wenn die Streitkräfte aber zur Gefahr für die eigenen Bevölkerung werden, dann wird es vielleicht Zeit, das Ganze nochmal zu überdenken.

Davon abgesehen hat sich auch die Welt verändert. Russland hängt nicht mehr in den Seilen, sondern sorgt gleich vor der Haustüre der EU für Unruhe. Spätestens die russische Truppenkonzentration an der ukrainischen Grenze sollte Europa doch wachgerüttelt haben. Und in den nächsten Jahren dürfte die Welt wohl nicht sicherer werden, auch mit Blick auf China und seine aggressive Politik etwa Taiwan gegenüber. Die Nato könnte also irgendwann in einen handfesten Konflikt hineingezogen werden. Auf Dauer kann man sich also nicht mehr auf andere verlassen, um einen Brand zu löschen…

Roger Pint

Ein Kommentar
  1. Ulla Roder

    Eine Impfung schützt vor schwerer Erkrankung. Infizieren kann man sich trotzdem und daher auch das Virus weitergeben! Also: Bitte weiterhin Vorsicht!!