Die Presseschau von Montag, dem 8. März 2021

Auf ihren Titelseiten beschäftigen sich die Zeitungen zunächst mit dem Medaillenrekord der belgischen Leichtathletik-Mannschaft. Daneben gibt der heutige Weltfrauentag Anlass zu Überlegungen über die Entwicklung der Frauenrechte hierzulande, unter anderem beim Profisport. Politik und die Corona-Epidemie sind heute auch wieder große Themen.

Gleich fünf Medaillen holten die belgischen Leichtathleten in Torun - Gold gab es unter anderem für Nafi Thiam (Bild: Jasper Jacobs/Belga)

Gleich fünf Medaillen holten die belgischen Leichtathleten in Torun - Gold gab es unter anderem für Nafi Thiam (Bild: Jasper Jacobs/Belga)

„Hut ab!“, titelt La Dernière Heure. „Historische Medaillenausbeute“, so die Schlagzeile von L’Avenir. „Medaillenrekord für die belgischen Athleten“, schreibt La Libre Belgique auf Seite eins.

Bei der Hallen-Europameisterschaft im polnischen Torun hat die belgische Leichtathletikmannschaft ein historisch gutes Ergebnis eingefahren. Fünf Medaillen gab es für das Team, zwei davon aus Gold. Nach der Siebenkämpferin Nafissatou Thiam hat auch noch die Mittelstreckenläuferin Elise Vanderelst aus Mons eine Goldmedaille gewonnen, und zwar über 1.500 Meter. „Zweimal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze“, präzisiert De Standaard. „Traumwochenende für die belgische Leichtathletik“, schreibt denn auch Le Soir.

„Gaybashing“ in Flandern

In Flandern sorgt indes ein brutaler Mord für Schlagzeilen. „In die Falle gelockt, weil er homosexuell war“, titelt Het Laatste Nieuws. „Junge Männer locken Homo in die Falle“, schreibt De Morgen auf Seite eins. In Beveren bei Antwerpen ist ein 41-jähriger Mann in einem Park ermordet worden. Seine Leiche war am Samstag entdeckt worden.

Schnell stellte sich heraus, dass er am Abend zuvor über eine Dating-App ein Rendezvous abgesprochen hatte. Drei junge Männer steckten wohl hinter dem falschen Profil. Sie haben den Mann in die Falle gelockt, anscheinend, um ihm eine Abreibung zu verpassen; und das nur, weil er homosexuell war. „Der Mord im Park war wohl das Werk von ‚Gaybashern'“, schreibt Het Nieuwsblad. Bislang konnte erst einer der drei Verdächtigen gefasst werden.

Weltfrauentag oder Welttag der Frauenrechte?

Viele Leitartikler beschäftigen sich ihrerseits mit dem heutigen Weltfrauentag. „Weltfrauentag“, das ist eigentlich der falsche Begriff, korrigiert La Libre Belgique. „Weltfrauentag“, das klingt so, als wären die Frauen vom Aussterben bedroht. Die Frauen sind aber keine Roten Pandas; sie stellen bekanntlich die Hälfte der Weltbevölkerung. Nein, der heutige Tag, das ist der Welttag der FrauenRECHTE. Dieser Tag ist immer ein Anlass, die Fortschritte im Kampf für die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung zu bilanzieren. Und bei der Gelegenheit eben auch genau das wieder zu fordern.

Denn: In unserer Gesellschaft regiert nach wie vor die Ungleichheit. Frauen haben strukturell weniger Chancen auf eine Führungsposition, verdienen nach wie vor weniger als Männer und bekommen auch weniger Rente. Demgegenüber ist für Frauen das Risiko größer, in Armut abzugleiten oder das Opfer von (sexueller) Gewalt zu werden. Und, wenn diese Ungleichheiten und Diskriminierungen noch bestehen, dann vor allem, weil in unserem System letztlich immer noch die Männer den Ton angeben. Und dann noch eine Zahl: Jede fünfte Frau wird in Belgien das Opfer einer Vergewaltigung. Das kann man doch nicht so stehenlassen!

Sexismus in Reinform an einer Schule

Doch wurde in Sachen Gleichberechtigung in Belgien auch schon viel erreicht, meint L’Avenir. Das zeigt allein ein Blick auf das politische Personal: Die Vorsitzenden der beiden Parlamentskammern sind Frauen. Und in der Regierung herrscht zum ersten Mal Geschlechterparität. Nach Angaben der Weltbank gehört Belgien zu den einzigen zehn Ländern dieser Welt, in der Frauen und Männer rechtlich gleichgestellt sind. Das alles darf aber freilich nicht unsere Sicht vernebeln. Natürlich gehören Ungleichbehandlungen in der Praxis längst noch nicht der Vergangenheit an: auf dem Arbeitsmarkt, in den Familien, in den Medien, in den Machtzirkeln, wo es nach wie vor die Gläserne Decke gibt. Unsere Gesellschaft ist nach wie vor patriarchalisch geprägt. Diese Feststellung zu akzeptieren, das wäre schonmal ein erster Schritt.

Eine Schule in Charleroi hat aber gerade wieder gezeigt, wie nötig ein Welttag der Frauenrechte immer noch ist, bemerkt La Dernière Heure. Die Direktion hatte sich per Mail an die Eltern von Schülerinnen gewandt, um sie zu „sensibilisieren“. Konkret: Die Schülerinnen sollten auf zu kurze Röcke oder Hosen und auch auf zu tief ausgeschnittene Dekolletés verzichten. Die Schule werde künftig „Jagd auf unangepasste Kleidung“ machen. Hier wird den Mädchen also wieder das Recht abgesprochen, sich zu kleiden wie sie wollen. Damit verbunden ist eine indirekte Schuldzuweisung. Wenn’s wohl auch keine Absicht war, das ist Sexismus in Reinform. Und das zeigt, dass der Welttag der Frauenrechte noch längst nicht seine Existenzberechtigung verloren hat.

Ungleichbehandlung auch im Sportmilieu

Das gilt auch für den Sport, findet Het Belang van Limburg. Welttag der Frauenrechte oder nicht: In der Sportwelt ist jeden Tag Männertag. Nirgendwo sonst ist die Ungleichheit so flagrant. Und dann sprechen wir nicht mal über die himmelschreienden Unterschiede bei den Bezügen. Fußballerinen müssen gar nicht so viel verdienen wie die Eden Hazards und Kevin De Bruynes dieser Welt. Es wäre aber schon begrüßenswert, wenn sie nicht mehr andere Jobs nötig hätten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Das Problem liegt vor allem im Marketing. Von allen Euros und Dollars, die weltweit in den Sport fließen, landen nur 0,5 Prozent bei den Frauenligen. Von nichts kommt nichts…

Nötige heilsame Staatsreform

„Eine Reform der Brüsseler Institutionen zwingt sich auf“, titelt derweil Le Soir und das ist ein Zitat des wallonischen Ministerpräsidenten Elio Di Rupo. Der kann nach eigenen Worten einem Belgien zu viert etwas abgewinnen, mit vier gleichberechtigten Regionen.

Den Staat zu vereinfachen, dagegen kann niemand etwas haben, meint Le Soir sinngemäß in seinem Kommentar. Viel zu viele Zuständigkeiten sind in diesem Land zersplittert. Es gibt viel zu viele Minister und Verwaltungen, die keinerlei Mehrwert haben. Und bei der nächsten Staatsreform, wenn wieder Zuständigkeiten vom Föderalstaat an die Teilstaaten übertragen werden, dann kann das nur noch schlimmer werden. Es sei denn, man strafft eben das Modell. Und, das sind keine Überlegungen im luftleeren Raum, für die man in dieser Corona-Krise keine Zeit hätte. Im Gegenteil: Gerade jetzt wäre eine solche Reform so nötig wie heilsam.

Kampf der Desinformation

De Morgen beschäftigt sich schließlich mit der Klage gegen eine Gruppe von Ärzten, die auf einer Webseite hanebüchene Schauermärchen und Desinformation über die Pandemie verbreiten und auch Stimmung gegen das Impfen machen. Die Klage gegen diese Leute mag bei so manchem den Eindruck erhärten, wir lebten derzeit in einer Diktatur. Das allerdings ist Unsinn. Lebten wir wirklich in einer Diktatur, dann hätte man all die Leugner und Skeptiker, die seit Monaten ihren Unfug verbreiten, längst mundtot gemacht.

Die Klage kommt in jedem Fall keine Sekunde zu früh. Besagte Ärzte richten enormen Schaden an. Zweifel insbesondere an der Wirksamkeit von Impfungen zu schüren, das führt nur zu mehr Leid, mehr Kranken und mehr Toten.

Roger Pint

Ein Kommentar
  1. marcel scholzen eimerscheid

    Eine gute Presseschau.

    Es wird auch höchste Eisenbahn für eine „heilsame Staatsreform“. Diese sollte auf der Vernunft aufbauen und nicht auf den Wünschen von Postenjägern, Profiteuren und anderen karieregeilen. Es sollte eine abschließende Staatsreform sein mit einer einfachen klaren Struktur aus Föderalstaat, 4 Regionen (in Grossgemeinden unterteilt). Senat und Provinzen sollten abgeschafft werden.