Die Presseschau von Dienstag, dem 14. Januar 2020

Die Mission des Informatoren-Duos wird um zwei Wochen verlängert. Die angebliche Öffnung des N-VA-Chefs betrachten die Zeitungen als Sackgasse, die derzeitigen Spannungen als Scheingefecht. Vielleicht ist die Zeit reif für einen Informator Bart De Wever? Schließlich geht es auch um einen Cyberangriff auf ein flämisches Unternehmen.

Joachim Coens und Georges-Louis Bouchez müssen wieder zum König (Archivbild: Nicolas Maeterlinck/Belga)

Joachim Coens und Georges-Louis Bouchez müssen wieder zum König (Archivbild: Nicolas Maeterlinck/Belga)

„Die Informatoren Bouchez und Coens starten zu einer neuen Runde“, schreiben nüchtern Le Soir und La Libre Belgique. „Das Duo kriegt zwei Wochen, um N-VA und PS zu versöhnen“, notiert De Morgen auf Seite eins. „Zwei zusätzliche Wochen, um PS und N-VA zu massieren“, so formuliert es Het Belang van Limburg.

König Philippe hat am Montag die Mission der beiden Informatoren Joachim Coens und Georges-Louis Bouchez noch einmal um zwei Wochen verlängert. „Nicht, weil die beiden Informatoren so erfolgreich waren, sondern weil sie keinen Erfolg hatten“, bemerkt hämisch Het Laatste Nieuws. Die Audienz der beiden im Palast hatte ungewöhnlich lange gedauert, was ein Indiz dafür sein kann, dass auch der König die Lage inzwischen als kritisch betrachtet. „Es hat sich nichts verändert“, so die dicke Schlagzeile auf Seite eins von Het Nieuwsblad. In der Tat: Die Fotos der beiden Informatoren gleichen sich – fast derselbe Look, fast das gleiche demonstrative Lächeln. Doch auch die Probleme sind immer noch dieselben. „Ein letzter Versuch mit PS und N-VA?“, fragt sich das GrenzEcho auf seiner Titelseite. Denn, in der Tat: Jetzt müssen zum vierten Mal Informatoren der Frage nachgehen, ob eine Koalition zwischen N-VA und PS nicht vielleicht doch möglich ist.

Breaking news! Wirklich?

„Und das alles nur, weil es angeblich eine ’neue Entwicklung‘ gibt“, beklagt Het Nieuwsblad in seinem Leitartikel. Diese „neue Entwicklung“, das ist die scheinbare Öffnung, die die N-VA vollzogen hat. Am Samstag, beim Neujahrsempfang der Partei, hat Bart De Wever der PS die Hand gereicht. Er stellte unter anderem eine mögliche Anhebung der niedrigsten Pensionen in Aussicht. Um diese angebliche „Öffnung“ zu sehen, ist allerdings ein Mikroskop nötig. Wenn diese „neue Entwicklung“ so hell ist, dann zeigt es eigentlich nur, in welchem schwarzen Loch wir uns gerade befinden.

Jetzt wird die Agenda des Palastes schon vom Neujahrsempfang der N-VA bestimmt, meint auch Het Laatste Nieuws in einem giftigen Kommentar. „Breaking news! Haltet die Rotationsmaschinen an!“ Es gibt eine neue Entwicklung. Das Alles wegen ein, zwei Sätzchen von Bart De Wever. Schade, dass er die am 11. Januar ausgesprochen hat und nicht, sagen wir, am 11. Dezember. Dann hätten wir uns einen verlorenen Monat sparen können. Den x-ten verlorenen Monat. Jetzt sollen die beiden Informatoren also erneut der PS-N-VA-Spur folgen. Das ist der ausgetretenste aller ausgetretenen Pfade. Um in zwei Wochen dann festzustellen, dass das doch eine Sackgasse ist. Vielleicht ist das Ganze wieder nur ein Scheinmanöver. Oder, um es mit einem Altpremier zu sagen: „Rechts blinken, um links abzubiegen“.

Ein „schaumstoffiges Scheingefecht“

Der Leitartikler von De Morgen fühlt sich an eine Szene erinnert, die er offensichtlich im VRT-Kinderfernsehen gesehen hat: Zwei Kinder, die auf einem Bein stehend, auf einem Balken balancieren, und sich dabei mit einem Schaumstoffsäbel duellieren. Besser könnte man die föderale Regierungsbildung wohl nicht beschreiben. Wie die Kinder auf dem Balken halten sich PS und N-VA ringend im Gleichgewicht. Hiebe werden ausgeteilt, gleich aber pariert, Druck wird aufgebaut, mit Fäusten wird geschwungen, Fortschritte gibt es aber nicht. Ein „schaumstoffiges Scheingefecht“.

Der König hatte keine Wahl, er musste die Mission verlängern. Wobei ihm nicht entgangen sein durfte, dass die beiden Informatoren vollkommen unterschiedliche Richtungen einschlagen wollen, meint auch sinngemäß L’Avenir. Die MR von Bouchez plädiert für eine sogenannte Vivaldi-Koalition, die CD&V von Coens will die N-VA nicht fallen lassen. Beide könne aber als Entschuldigung anführen, dass die beiden großen Parteien, PS und N-VA, letztlich schuld an der Blockade sind.

„Perfektes Patt“

„Es ist ein ‚perfektes Patt'“, glaubt sogar Gazet van Antwerpen. Im Grunde gibt es nur eine Alternative, und die ist eigentlich keine. Was sollen die beiden Informatoren denn jetzt noch herausfinden? Dass PS und N-VA tatsächlich, wirklich, in der Tat nicht zusammenpassen? De Wevers wahres Ziel mag es sein, das Land solange wie möglich zu blockieren, weil das seine Thesen bestätigt. In der Zwischenzeit scheint den Frankophonen aber immer noch nicht aufzugehen, was der flämische Wähler wirklich will. Ein Patt, das kann vorkommen. Nur, muss das immer gleich von einem traurigen Schmierentheater begleitet sein?

Das Land wird als Geisel genommen, wettert L’Echo. Festgehalten durch Parteien, die nur damit beschäftigt sind, Schwarzer Peter zu spielen. Jetzt hat Bart De Wever scheinbar Zugeständnisse in den Raum gestellt, um noch ein bisschen mehr Verwirrung zu stiften. Vielleicht wird es wirklich Zeit, die N-VA mit einer königlichen Mission zu betrauen, damit die CD&V die Nationalisten endlich loslassen kann. Denn so kann es nicht weitergehen.

Informator Bart De Wever?

La Libre Belgique schlägt in dieselbe Kerbe. Zugegeben: Die N-VA hatte schon einmal ihre Chance. Aber Geert Bourgeois, das ist nun mal nicht Bart De Wever. Wenn es eine Lehre gibt, die sich nach den letzten Monaten aufzwingt, dann die folgende: Wenn die CD&V die N-VA fallen lassen soll, dann geht das nur, wenn ein Informator Bart De Wever keine Lösung findet. Natürlich ist es aus frankophoner Sicht riskant, den klugen Taktiker De Wever zum Taktgeber zu machen. Aber vielleicht gelingt ja auch seine Mission. Ein Informator Bart De Wever? Diese Karte muss wohl früher oder später gezogen werden. Warum also noch warten?

Picanol-Mitarbeiter sind Geisel von Cyberkriminellen

So richtig viele andere interessante Storys gibt es heute nicht. Doch! Eine: „Hacker fordern Lösegeld von Picanol“, so die Aufmachergeschichte von De Morgen. Picanol ist eine Firma aus dem westflämischen Ypern, die Webmaschinen herstellt. Am Montag ist das Unternehmen das Opfer eines Cyberangriffs geworden. Unbekannte haben die Computer der Firma blockiert. Die Täter wollen die Rechner erst wieder freigeben, wenn Picanol Lösegeld bezahlt hat.

„Picanol ist vollständig in der Hand von Hackern“, schreibt De Tijd. De Standaard hat eine originelle Formulierung gefunden: „Cyber-Kriminelle haben 2.000 Mitarbeiter als Geisel genommen“.

Roger Pint

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