Die Presseschau von Montag, dem 3. Juni 2019

Einige Blätter machen am Montag mit Sport auf, in Flandern geht es dabei um Frauenboxen. Eine Woche nach den Wahlen laufen die Sondierungsgespräche auf Hochtouren. Optimismus ist nicht gerade angesagt. Die Doppelmoral der N-VA ist kein gutes Omen. Außerdem geht es um eine Klage gegen BASF Antwerpen.

Delfine Persoon bei ihrem Boxkampf gegen die Irin Katie Taylor am 1. Juni in New York (Bild: Dirk Waem/Belga)

Delfine Persoon bei ihrem Boxkampf gegen die Irin Katie Taylor am 1. Juni in New York (Bild: Dirk Waem/Belga)

„Alle haben Delfine Persoon als Siegerin gesehen, nur die Jury nicht“, schreibt Het Laatste Nieuws auf Seite eins. „Die Jury schlägt Delfine Persoon KO“, so die Schlagzeile von De Standaard. „Viel Unverständnis nach der Niederlage“, bemerkt Gazet van Antwerpen.

Vor allem die flämische Presse ärgert sich über die Niederlage der belgischen Boxerin Delfine Persoon. In New York verlor sie ihren Weltmeistertitel gegen die Irin Katie Taylor nach Punkten. Die meisten Beobachter hatten Persoon als Siegerin gesehen. De Morgen zitiert auf seiner Titelseite einen Experten mit drastischen Worten: „Profiboxen, das ist eine der korruptesten Sportarten der Welt“.

Viele Zeitungen blicken auch noch einmal zurück auf das Champions League-Finale. In dem rein englischen Endspiel hatte der FC Liverpool Tottenham mit 2:0 besiegt. Maßgeblichen Anteil hatte der Belgier Divock Origi, der ein Tor beigesteuert hat. „Origi ist für die Ewigkeit der Held von Liverpool“, titelt Het Laatste Nieuws. „Ich habe meinen Kindheitstraum erfüllt“, sagt Origi auf Seite eins von La Dernière Heure. „Die fabelhafte Welt von Origi“, bemerkt überschwänglich L’Avenir.

Zurück zur Realität – Maßanzug gegen Blaumann

Innenpolitisch beginnt am Montag eine neue Woche der Sondierungsgespräche. In der Wallonie und Brüssel ist die PS am Drücker. In Flandern führt die N-VA die Verhandlungen. Parteichef Bart De Wever hat auch schon mit dem rechtsextremen Vlaams Belang gesprochen. „Jetzt fordert die N-VA konkrete Vorschläge“, konstatiert Het Laatste Nieuws auf seiner Titelseite. Der N-VA-Spitzenpolitiker Theo Francken erklärte dazu sinngemäß in Presseinterviews, dass er gespannt sei auf die Ideen der Rechtsextremisten, da viele Wahlkampfparolen des Vlaams Belang nicht in die Praxis umsetzbar seien.

Francken will konkrete Lösungsansätze vom Vlaams Belang; und da ist er nicht der Einzige, meint Het Belang van Limburg in seinem Leitartikel. Von der zweitstärksten Partei des Landes darf man doch erwarten, dass sie über einen gut durchdachten und realistischen Plan verfügt. Jetzt sollte jedenfalls der Realitätstest anstehen. Bislang konnten die Rechtsextremisten aus der Opposition heraus ungestört Parolen in die Welt posaunen. Jetzt wird es höchste Zeit, dass sie ihren Maßanzug einmal eintauschen gegen einen Blaumann. Dann wird sich zeigen, dass viele Vorschläge des Vlaams Belang, insbesondere in puncto Migration, schlicht und einfach nicht in die Tat umzusetzen sind.

„Wenn alle unzufrieden sind, dann macht man seine Arbeit gut“

Man muss in jedem Fall mit dem Vlaams Belang reden, ist Gazet van Antwerpen überzeugt. Wenn man eine Partei grundsätzlich ausschließt, dann ist es logisch, dass die Wähler den Eindruck haben, dass man nicht auf sie hört. Deswegen ist die Haltung der N-VA gegenüber dem Vlaams Belang auch intelligenter als die der anderen. Leider legt die N-VA nicht die gleiche geistige Offenheit in Bezug auf die PS an den Tag. Dazu nur so viel: Eine Föderalregierung mit der PS zu bilden, das ist immer noch einfacher als das Land zu spalten. Zumal nur 23 Prozent der Flamen das wirklich wollen.

Het Nieuwsblad stellt derweil auf seiner Titelseite fest, dass die N-VA und der Vlaams Belang ab jetzt über die Hälfte der Mandate im Verwaltungsrat der flämischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt VRT verfügen werden. Beide Parteien äußern sich seit jeher sehr kritisch über den Sender. Natürlich ist Kritik erlaubt, meint das Blatt in seinem Kommentar. Die kommt allerdings von allen Seiten. Und in einem solchen Fall gilt eigentlich das Sprichwort: „Wenn alle unzufrieden sind, dann macht man seine Arbeit gut“. In jedem Fall sollten sich Politiker hier tunlichst zurückhalten. Wer, wie die N-VA, die Werte der Aufklärung hochhält, der sollte die Finger von der freien Presse lassen.

Regierungsbildung – Quick-Deal wegen No-Deal?

Was die föderale Ebene angeht, so sind einige Zeitungen nicht gerade optimistisch. Johan Vande Lanotte, einer der beiden Informatoren, glaubt, dass Belgien frühestens 2020 eine Regierung haben wird. „Ein ganzes Jahr verloren!“, beklagt Het Laatste Nieuws. Im Vergleich zu 541-Tage-Krise gibt es diesmal einen entscheidenden Unterschied: Das geschäftsführende Minderheitskabinett von Charles Michel muss ohne Haushaltsplan arbeiten. Das föderale Budget droht massiv zu entgleisen. Von allen Wahlkampfversprechen wird am Ende so gut wie nichts übrigbleiben. Die Ernüchterung dürfte groß sein.

De Morgen glaubt seinerseits, dass möglicherweise externe Faktoren die Regierungsbildungen beschleunigen könnten. Großbritannien scheint sich in Richtung eines harten Brexit zu bewegen. Die Aussicht auf einen No-Deal sollte in Belgien und insbesondere in Flandern die Alarmglocken schrillen lassen. Großbritannien ist ein enorm wichtiger Handelspartner. Im Falle eines No-Deal wären mindestens 30 Prozent der flämischen Exporte betroffen. Entsprechend brauchen wir schnell handlungsfähige Regierungen. Ein No-Deal-Brexit sollte am Ende im Idealfall eine „Quick-Deal“ in Belgien bewirken, eine schnelle Einigung.

Exportierte BASF Giftgasgrundstoff?

Bemerkenswerte Schlagzeile schließlich auf Seite eins von De Morgen: „BASF exportierte Grundstoff für Giftgas“, schreibt das Blatt. Drei Menschenrechts-Organisationen haben Klage eingereicht gegen die Antwerpener Niederlassung von BASF und zwei deutsche Unternehmen. Sie sollen 2014 über die Schweiz Chemikalien nach Syrien ausgeführt haben, die zur Herstellung von Giftgas dienen können.

Besagte Substanzen standen bereits seit 2012 auf einer EU-Sanktionenliste von so genannten Dual-Use-Gütern. Diese Waren mit doppeltem Verwendungszweck können auch zur Herstellung von Kampfstoffen oder Waffen dienen. BASF Antwerpen hat angekündigt die Vorwürfe untersuchen zu wollen, verweist aber auf die Konzernspitze in Ludwigshafen.

Roger Pint

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