Die Presseschau von Samstag, dem 9. Februar 2019

Die Zeitungen blicken auf eine Vielzahl von Themen: Neben den Auswirkungen des Nationalen Streiks auf den Brussels Airport bleibt das Klima im Fokus, auch durch Interviews des CD&V-Chefs Wouter Beke. Aber auch die Brüsseler "Stadtboulevards" und ein Vorstoß der Bpost-Bank sorgen für Wirbel.

Brussels Airlines (Bild: Benoît Doppagne/BELGA)

Bild: Benoît Doppagne/BELGA

„Brussels Airlines streicht alle Flüge“, titelt Het Laatste Nieuws. Diese Maßnahme gilt für den kommenden Mittwoch. An diesem Tag rufen die Gewerkschaften alle Beschäftigten des Privatsektors zu einem Nationalen Streik auf. Von dem Ausstand dürfte auch der Brussels Airport in erheblichem Maße betroffen sein. So wird etwa befürchtet, dass bei der Gepäckabfertigung nichts mehr gehen wird. Zudem ist es nicht auszuschließen, dass auch die Fluglotsen sich an dem Streik beteiligen. „Bevor die Passagiere nicht wissen, ob sie nun fliegen können oder nicht, sagen wir besser gleich alle Flüge ab“, zitiert Het Nieuwsblad eine Sprecherin von Brussels Airlines. Konkret hat die Fluggesellschaft 222 Flüge annulliert, betroffen sind 16.000 Passagiere.

„Ja, das Klima ist noch zu retten!“ Diese Einschätzung steht auf Seite eins von De Tijd. Zusammen mit der Schwesterzeitung L’Echo bringt das Blatt heute eine große Sonderbeilage zum Thema Klimaschutz. L’Echo fasst seinerseits auf seiner Titelseite die wichtigsten Fragen zusammen: „Sind wir auf dem richtigen Weg? Wie können wir die nötigen Maßnahmen finanzieren? Was sind die Lösungen?“ Die Antworten also in De Tijd und L’Echo.

„Um Lösungen zu finden, brauchen wir jetzt erst einmal weniger Drama“, empfiehlt De Tijd in ihrem Leitartikel. Es ist eine Sache, bei Kundgebungen und auf kreativen Spruchbändern einige, zugegeben amüsante Parolen in die Welt zu posaunen. Jetzt muss aber auch mal der Verstand sprechen. Da ist es nützlich, einige rote Linien zu ziehen. Erstens: Das Problem des Klimawandels anzuzweifeln, ist nicht wirklich hilfreich. Grüner Dogmatismus allerdings genauswenig. Man darf den Menschen nicht in bester katholischer Tradition Schuldgefühle einreden. Aber auch politische Utopie ist nicht wirklich zielführend. Man muss den Menschen klarmachen, dass Opfer und Verhaltensänderungen nötig sein werden. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen diesen roten Linien. Kein blinder Optimismus, aber die Überzeugung, dass Lösungen möglich sind.

Dazu passt die Schlagzeile heute auf Seite eins von De Standaard: „Die Bauern und die Grünen: Ist es nicht möglich, beide Seiten zu versöhnen?“, fragt sich das Blatt. Unmittelbarer Anlass ist wohl der Rücktritt der flämischen Agrar- und Umweltministerin Joke Schauvliege. Sie personifizierte sozusagen dieses Spannungsfeld. Und Schauvliege hatte ja vor Mitgliedern eines Bauernverbandes Verschwörungstheorien über die angeblichen Hintergründe der Klimaschutzdemos verbreitet, was letztlich zu ihrem Rücktritt geführt hatte. Fakt ist, schreibt De Standaard: Die Bauern fühlen sich tatsächlich wegen der drohenden neuen Umweltschutzmaßnahmen in ihrer Existenz bedroht.

„Wie bitte?“

CD&V-Chef Wouter Beke kommt in einigen Samstagsinterviews zurück auf den Rücktritt seiner Parteifreundin. Und er scheint nachzukarten: „Die extreme Linke hat die Klimabewegung gekapert“, zitiert De Morgen den CD&V-Chef. Joke Schauvliege sei demnach gezielt beschädigt worden.

„Wie bitte?“, fragt sich das Blatt empört in seinem Leitartikel. Es waren also nicht Anuna De Wever und Kyra Gantois, die mit einer Biolimonade in der Hand diese Bewegung aus dem Boden gestampft haben? Klar, die ein oder andere Organisation und auch einige Parteien haben versucht, ihren Waggon an diesen Zug anzukoppeln. Aber mit der Behauptung, es handele sich hier um eine koordinierte Aktion von Linksradikalen, die es auf den Skalp von Schauvliege abgesehen hatten, geht Wouter Beke eindeutig zu weit. Wenn der CD&V-Chef ehrlich ist, dann muss er zugeben, dass er in dieser Woche die „grüne Generation“ verloren hat.

Brüssel first

Het Laatste Nieuws kommt in seinem Leitartikel zurück auf die neuerlichen Pläne der Brüsseler Regionalverantwortlichen hinsichtlich der Verkehrsplanung auf den Zugangsstraßen nach Brüssel. Demnach sollen zwei Autobahnteilstücke in sogenannte Stadtboulevards umgewandelt werden. Wichtigste Änderungen: weniger Fahrspuren und eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 Stdunenkiolometern.

Das Ganze klingt nach einem billigen Wahlkampfgeschenk, meckert die Zeitung. Jetzt wollen die Brüsseler also auf der E40 75.000 Fahrzeuge durch einen Flaschenhals zwängen. Damit exportiert die Hauptstadt ihre Staus nach Flandern. Und damit auch die schlechte Luft. Dem Minister Pascal Smet ist das wohl egal. Hier gilt offensichtlich die Maxime: Brüssel first.

Ein Zeichen an der Wand

Empörte Kommentare auch in der frankophonen Presse: Im Fokus steht eine umstrittene Idee der Postbank. Das Geldinstitut von bpost wollte eine neue Gebühr einführen: Inhaber eines Internetkontos sollten pro Geldabhebung 50 Cent zahlen – das sogar an den eigenen Bankautomaten. Nach einem kurzen aber heftigen Sturm der Entrüstung zog Bpost den Plan aber wieder zurück.

Und doch lässt die Idee tief blicken, findet zum Beispiel L’Echo. Es gibt bestimmt gute Gründe, sich vom Bargeld zu verabschieden. Es ist aber nicht Aufgabe der Banken, diesen Übergang zu forcieren. Es gibt eben nach wie vor Kunden, die ihre Geldgeschäfte nicht zu 100 Prozent digital abwickeln können oder wollen. Und mal ganz davon abgesehen: Geld ist der Rohstoff der Banken. Und dieses Geld wird von den Kunden dort deponiert. Es ist nicht zu rechtfertigen, dass die dafür bezahlen müssen, um „freundlicherweise“ ihr Eigentum wieder zurückzubekommen.

La Libre Belgique sieht das genauso: Natürlich suchen die Banken nach neuen Wegen, um ihre zuletzt geschrumpften Gewinnmargen wieder etwas aufzupäppeln. Und einige Banken haben auch wieder damit begonnen, Gebühren zu erheben für Transaktionen an fremden Automaten. Bpost wollte aber gleich überall mitverdienen. Und das ist eines Unternehmens unwürdig, das nach wie vor ein Staatsbetrieb ist und vor allem eine nicht ganz so finanzkräftige Kundschaft anzieht.

In eben diese Kerbe schlägt auch L’Avenir: Der Bpost-Vorstoß wirkt wie ein Zeichen an der Wand. Immer deutlicher zeigen sich die Grundzüge einer Zweiklassengesellschaft, in der die Schwächsten am Ende noch nicht einmal mehr Zugang zur Grundversorgung haben werden. Dann war es auch noch ausgerechnet Bpost. Hier entsteht schlichtweg der Eindruck, dass der Staat einen Teil der Bevölkerung einfach im Stich lässt.

Roger Pint

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