Kommentar: Aus der Vergangenheit lernen: Krieg ist keine Lösung

In der Ukraine herrscht Krieg. Eine Aussage, die man im vergangenen Jahr wohl noch belächelt hätte. Mittlerweile liegen mehrere Orte in der Ukraine in Schutt und Asche und unbeteiligte Bürger sind gestorben.

BRF-Redakteur Robin Emonts (Bild: Katrin Margraff/BRF)

BRF-Redakteur Robin Emonts (Bild: Katrin Margraff/BRF)

Es sind erschreckende Bilder aus Butscha, die seit Tagen durch die Medien drehen. Auch Tage später, nach dem ersten Anschauen, stimmen sie mich traurig. Es herrscht Krieg in Europa und Menschen sterben. Dennoch sind es nicht nur die Bilder von Toten in den Straßen, die verstören, sondern auch die Reaktionen auf diese Bilder und diesen Krieg.

In Berlin wird Putins Angriffskrieg mit einem Hupkonzert verharmlost, gar unterstützt. In den Sozialen Medien werden Fakten verdreht oder als Fake angesehen. Selbst eindeutigste Beweise sind anscheinend nicht mehr wahr. „Bilder, die aus den USA stammen, können nicht stimmen, das weiß man seit dem Irak-Krieg.“

Jemandem zumuten, aus der Vergangenheit zu lernen? Das ist heute scheinbar nicht mehr möglich. Jeder ist der Feind, einfacher kann man es sich nicht machen. Dabei gilt es doch aus der Vergangenheit zu lernen, mit den Fehlern zu wachsen. Die größten Fehler der Vergangenheit müssten wohl Kriege gewesen sein. Zu dieser Erkenntnis kommt man bereits in der Schule, im Geschichtsunterricht oder wenn man in Kontakt mit Geflüchteten und Überlebenden kommt. Sei es der Erste oder Zweite Weltkrieg oder seien es Konflikte zwischen verschiedenen Nationen, Ländern oder Religionen. Am Ende leiden und sterben Menschen – oftmals unschuldige noch dazu. Menschen, die nichts anderes wollen, als in Frieden zu leben.

Trotz alledem herrschen Kriege. Tag ein, Tag aus, auf der ganzen Welt und jetzt mitten in Europa. Während wir in unseren Wohnungen sitzen, auf den Sozialen Medien über die Echtheit von einem Einmarsch, einem Massaker oder Bildern und Satellitenbildern diskutieren oder in den Fußballstadien kurz klatschen, um unser Mitgefühl auszudrücken, kämpfen die Bürger in der Ukraine tagtäglich, um ihr eigenes und das Leben ihrer Mitbürger. Von den Kommentaren auf der einen Seite, aber auch von dem Applaus auf der anderen Seite haben sie nichts. Beides bereinigt nur unser eigenes Gewissen.

Auf der einen Seite blenden wir Gräueltaten aus auf der anderen Seite machen wir uns selber vor, durch das applaudieren etwas zu erreichen. Arbeit getan, wir sind alle fein raus. Es ist eine Situation zum Kopfschütteln. Das Kopfschütteln betrifft dabei aus meiner Sicht nicht nur alle Bürger Europas, sondern auch die Politik auf europäischer Ebene. Mit großem Stolz und Enthusiasmus verkündete man zu Beginn der Krise weitreichende Sanktionen gegen Russland. Was sich anfangs noch wirklich nach einer Drohung in Richtung Moskau anhörte – nach dem Motto „Das ist nur der Anfang“ – scheint mittlerweile ins Nichts zu führen. Sanktionspaket Nummer fünf hat man in Brüssel mittlerweile stolz präsentiert – gemeinsam als Europäische Union.

Auch wenn man mittlerweile einen Importstopp auf Kohle, Holz und Wodka ausgerufen hat: Die wirklich großen Strafen packt man nicht an und die Wellen an beschlossenen Strafenpaketen scheinen Moskau kaum zu beeindrucken. Zu sehr wehren sich einzelne Länder, die zu stark von Russland abhängig sind, gegen harte Strafen. Trotz alledem heißt es gleichzeitig: Selten war die EU so geeint wie heute.

Wie schön und zeitgemäß wäre es, wenn man das wirklich ernst gemeint sagen könnte? Wenn man wirklich den Schatten der Vergangenheit, der europäischen Kriege, aber auch all der anderen Kriege, in die man verwickelt war und vielleicht noch ist, hinter sich lassen kann. Wenn man aus dieser Vergangenheit lernt und, ich kann es nicht oft genug sagen, friedlich miteinander Lebt. Nicht nur als Europäische Union, sondern als Eurasischer Kontinent – und dazu zählt eben auch Russland – ohne Konflikte gemeinsam existieren, im Sinne der Bürger auf diesem Kontinent. Oder noch besser: das Ganze als Weltbevölkerung. Denn in einem sollte man sich doch heute als Politiker, als Fake News schreiender Nutzer der Sozialen Medien, als Stadionklatscher – als Mensch – einig sein: Krieg und Gewalt sind und waren nie die Lösung!

Robin Emonts

8 Kommentare
  1. Dieter Leonard

    Alles richtig, Herr Emonts!

    Aber… „Ohne Konflikte gemeinsam zu existieren…“ ist leider nur ein schöner Traum und entspricht offensichtlich nicht der menschlichen Disposition.

    Zudem machen Sie die Rechnung ohne die Ausgeburten an Despoten, Diktatoren und Psychopathen, die es in der gesamten Menschheitsgeschichte immer wieder auf die Machtpositionen geschafft haben, um Länder und Völker ins Unglück zu stürzen. Nicht trotz sondern meist wegen ihrer Bereitschaft, Konflikte herbeizuführen und mit Gewalt zu „lösen“.

    Was die Ukraine betrifft – will man dieses Land und seine Menschen nicht den imperialistischen und geschichtlich verklärten Phantasien des wohl größten Verbrechers des 21. Jahrhundert überlassen – ist „Krieg und Gewalt“ wohl leider die einzige Möglichkeit zu einer „Lösung“ zu gelangen, die dem Verbrecher und seinem Regime Einhalt gebietet. Putin darf diesen Krieg nicht gewinnen, will man noch größeres Unheil vermeiden. Auch dies hat die Geschichte uns gelehrt.

    Traum und Wirklichkeit liegen oftmals weit auseinander. Leider!

  2. Jürgen Margraff

    Der Adolf im Kreml liest den Kommentar nicht & selbst falls er ihn sich zu Gemüt führen würde, wäre er ihm sch….egal. Der versteht nur EINE Sprache, die des Stärkeren und um ihm die klarzumachen, braucht es B52 Bomber über seinen Angriffseinheiten sobald er die ukrainische Grenze übertritt. Die Bomben fallen dann auf ukrainisches Territorium nicht auf seins, folglich kann er das nicht als einen Angriff auf Mütterchen Russland verkaufen, aber seine Armee hat sich in Einzeilteile aufgelöst (genau wie die Talban 2001, die von der afghanischen Nordgrenze bis nach Pakistan nur noch gelaufen sind…

  3. Lutz-René Jusczyk

    Kein vernünftiger Mensch wünscht sich einen Krieg, aber als Ultima Ratio dürfen konventionelle Kriege niemals ausgeschlossen werden.
    Wir leben in keiner idealen Welt, d.h. es gibt die Realität des Bösen, die sich einigen Fällen nur durch den Einsatz von Gewalt bekämpfen lässt.

    Wir sollten aus der Geschichte lernen.
    Wie konnte es dazu kommen, dass Hitler ein Land nach dem anderen überfällt?
    Spätestens beim Einmarsch in Prag wäre es notwendig gewesen, ihm eine Grenze zu setzen, was jedoch nicht geschehen ist. Das Ergebnis ist bekannt.
    Diejenigen, die um des Friedens willen eine schnelle Kapitulation der Ukraine fordern, sollten bedenken, dass im russischen Staatsfernsehen bereits über die Schaffung eines Landkorridors nach Kaliningrad diskutiert wird, was einen Bündnisfall der NATO-Länder nach Art. 5 bedeuten würde.
    Man mag dies als Propaganda abtun, aber wenn Putin jetzt nicht in der Ukraine gestoppt wird, warum sollte er dann an den Grenzen zu Georgien, Moldawien und schlussendlich zum Baltikum haltmachen?

  4. Edgar Fink

    Sehr geehrter Herr Emonts,
    ihr Kommentar spricht mir aus der Seele, auch wenn ein gewisses Wunschdenken nicht zu leugnen ist. Es ist mir aber lieber als dieses scheinheilige und einäugige Getue der EU- und Nato-Staaten-Vertreter und gewisser «Militärstrategen».
    Wesentlich ist, dieser Krieg muss aufhören, besser heute als morgen. Jeder getötete Soldat odder Zivilist ist einer zuviel.
    Waffenlieferungen von Seiten anderer Staaten führen nur dazu, daß dieser Krieg sich weiter hinzieht. Auch halbherzige Sanktionmassnahmen werden ihr Ziel verfehlen. Sie schwächen auch unsere eigene Wirtschaft erheblich. Über deren Folgen werden wir noch reden!
    Sobald ein Waffenstillstand besteht, ist es immer noch Zeit, die Schuldigen von Masakern in der Ukraine vor das zuständige Tribunal zu bringen. Sie werden nicht entkommen !
    Allerdings sollten dann auch alle, die Blut an ihren Händen kleben haben, in Folge jetziger und früher begangener Greueltaten/Menschenrechtsverletzungen (Irak, Syrien, Jemen etc.) zur Rechenschaft gezogen und vom IGH in Den Haag abgeurteilt werden.

  5. Marcel Scholzen eimerscheid

    Herr Jusczyk.
    Nur mal angenommen, die West Alliierten hätten 1938 versucht, Deutschland zu besetzen.Was wäre dann passiert? Natürlich hätte die Wehrmacht gekämpft, aber auch die Bevölkerung hätte Widerstand geleistet wie bei der Besetzung des Ruhrgebiets 1923.Hitler wäre zum Helden des Widerstandes geworden.Hätte auch zu mehr Unruhen und Aufständen in den europäischen Kolonien geführt.Ein jahrelanger Krieg hätte auch zu innenpolitischen Problemen in England und Frankreich geführt.Wahrscheinlich hätte es nach spätestens 2 Jahren einen Waffenstillstand gegeben, der die Herrschaft Hitlers gefestigt hätte.Dann sähe die Welt anders als jetzt.

    Bitte bedenken Sie, nachher ist man immer schlauer und es kommt immer anders als man denkt.

    Man sollte den Ukrainern alle notwendigen Waffen liefern, damit die Russen ihr Vietnam erleben.

  6. Jürgen Margraff

    „Man sollte den Ukrainern alle notwendigen Waffen liefern, damit die Russen ihr Vietnam erleben.“ das ist ein frommer Wunsch, die Waffen die nötig sind brauchen allesamt eine Ausbildung des Personals an der Waffe, man kann MLRS Raketenwerfer nicht nach kurzer Einweisung bedienen, ebensowenig Artilleriesysteme die zudem noch eine Logistik verlangen die den Rahmen sprengt, Umstellung von ehemals sowjetischem Kaliber auf westliche Kaliber – Ausbildung an Küstenverteidigungsraketenwerfern, Piloten an Flugzeugen westlicher Machart (die Flugzeuge die Polen, die Tschechen, Rumänen liefern könnten sind URALT und deren Funktionsweise ist dem Gegner bekannt) Schwere Panzer brauchen auch erstmal einer genauen Unterweisung,erst auf Zugstärke, dann auf Kompanieebene schliesslich im Batallion und schlussendlich im Verbund einer Division in Zusammenarbeit ALLER Waffen, das geht nicht von heute auf morgen….

  7. Dieter Leonard

    @E. Fink

    Nach Meinung zahlreicher Experten, wird es keinen Waffenstillstand geben, solange Putin seinen Überfall nicht als Sieg verkaufen kann. Dazu gehören Gebietsgewinne und/oder einschlägige Zugeständnisse der Ukraine, wozu diese nicht bereit ist.
    Eine Alternative wäre das Zurückdrängen der russischen Truppen, was ohne massive Waffenlieferungen kaum zu erreichen sein wird.

    Ein Waffenstillstand allein wird Putin nicht vor den EGH bringen. Dazu bedarf es einer militärischen Niederlage und seines Machtverlustes. Den würde er allerdings kaum überleben.

    Es ist schrecklich, aber der Krieg wird wohl noch weiter eskalieren und noch viele Opfer fordern, bevor die Waffen schweigen.
    Die Kapitulation der Ukraine würde dies verhindern, aber zum Preis der Stabilisierung des verbrecherischen Kreml-Regimes und seiner unabsehbaren Folgen für die Welt.

    Sie haben Recht, der Krieg wird auch so unabsehbare Folgen haben. Aber die Welt ist seit dem 24. Februar eine andere. Viele Ukrainer bezahlen dies mit ihrem Leben und dem Verlust ihrer Heimat. Wir mit einem Teil unseres Wohlstandes.

  8. Lutz-René Jusczyk

    »Bitte bedenken Sie, nachher ist man immer schlauer und es kommt immer anders als man denkt.«

    Da ist was Wahres dran.

    »Man sollte den Ukrainern alle notwendigen Waffen liefern, damit die Russen ihr Vietnam erleben.«

    Dem kann ich nur beipflichten.

    Ganz grundsätzlich sollten wir West- und Mitteleuropäer uns Gedanken machen, wie wir mit Russland in einer Nach-Putin-Ära umgehen sollen (Putin wird dieses Jahr 70 und nicht ewig im Kreml regieren).
    Immerhin reden wir hier über das flächenmäßig größte Land der Erde mit 144 Mio. Einwohnern.
    Ich glaube, Russland wird erst dann seinen Platz in der europäischen Staatengemeinschaft finden, wenn es seine Geschichte aufarbeitet und den Nationalismus und Chauvinismus im Denken weiter Bevölkerungsteile überwindet. Das wird ein sehr langer und mühevoller Weg.
    Ergebnisse unabhängiger Meinungsforschungsinstitute belegen, dass der Einmarsch in die Ukraine die Popularität Putins gesteigert hat. Sie liegt inzwischen bei über 80 Prozent!
    Die Sanktionen stärken Putin, indem sie in den Medien als Ausdruck einer Russophobie dargestellt werden.