Kommentar – Ein bisschen Respekt, bitte!

Der angekündigte Rücktritt von Bildungsminister Harald Mollers hat in dieser Woche landesweit für Aufsehen gesorgt. Das liegt an den Gründen, die der Minister für seinen Schritt angab: die zunehmenden persönlichen Anfeindungen, vor allem in den "Neuen Medien". Auch wenn Hasskommentare und Pauschalurteile dort besonders deutlich zu Tage treten - an Respekt fehlt es nicht nur da.

BRF-Chefredakteur Stephan Pesch

BRF-Chefredakteur Stephan Pesch (Foto: Achim Nelles/BRF)

Von der kalenderfüllenden Reihe der Welttage für dieses oder jenes kann jeder halten, was er will. Dass es gerade jetzt, am 18. September, einen Tag des Respekts gibt, der an den höflichen und respektvollen Umgang miteinander erinnert, sollte aber zu denken geben.

Respekt ist Harald Mollers dafür zu zollen, dass er diese Woche den Mut gefunden hat, die Reißleine zu ziehen. Aus seiner Sicht, so sagte er, ist die Grenze dessen, was er sich zumuten kann, überschritten.

Nun ist er sicher niemand, der sich gar so schnell aus der Ruhe bringen lässt: Aber schon ein Blick in einschlägige Internetforen und Chats genügte, um zu sehen, was ihm vor den Latz geknallt wurde. Spätestens seit Mitte August und der Ankündigung, dass der Sekundarunterricht in den Schulen nur mit der Auflage einer Maskenpflicht im Unterricht wieder an fünf Tagen die Woche aufgenommen werden könne. „Der Ton wird rauer und schärfer“, formulierte es Mollers in seiner beachtenswerten Stellungnahme.

Derselbe Minister saß im Frühjahr kurz nach Beginn der Corona-Krise bei uns im Funkhaus und meinte, es herrsche eine Situation, in der selbst die Politiker sagen müssten: „Wir wissen es nicht.“ Und das ist etwas, was wir von solchen Leuten nicht gewohnt sind. Er ist auch nicht der einzige Politiker, der das seitdem eingeräumt hat. Und diese Einsicht würde dem einen oder anderen nicht schaden, der sich ganz sicher ist, alles ganz genau zu wissen – woher auch immer. Selbstgerecht. Und dann gerne übers Ziel hinausschießt.

Die „Social Media“, die vom Teilen und vom Heischen nach Belohnung leben, sind voll davon. Oder die Internetforen, wo jeder sich hinter seinem Bildschirm und hinter einem Falschnamen verstecken kann. Und auch noch Zustimmung erfährt. Nur selten Widerspruch.

Immerhin ist die Entscheidung des Ministers ein starkes Zeichen, nach dem Motto: „Ich mach‘ da nicht mehr mit.“ Ob die spürbar breite Empörung über die Umtriebe, die dieser Entscheidung zugrunde liegen, etwas ändert – zu hoffen wäre es, aber machen wir uns nichts vor.

Insofern ist die Nachfolgerin als Bildungsministerin, Lydia Klinkenberg, in der Tat gut beraten, wenn sie sich für den Umgang mit solchen Dingen professionelle Hilfe holen will. Und ich könnte mir vorstellen, dass die Umgangsformen in den Neuen Medien auf der Bildungs-Agenda ganz oben stehen dürften. Auch wenn im vorliegenden Fall das Manko weniger bei Schülern lag als bei den sogenannten Erwachsenen.

Stephan Pesch

5 Kommentare
  1. Tom Havenith

    Ich finde diesen Kommentar einen guten Anfang, aber leider nicht Vollständig.

    Was mir an diesem Kommentar absolut fehlt ist das Verhältnis unserer verrohten „Debattenkultur“ zu den rekrutierten (oder besser nicht-rekrutierten) Politikern.
    Wer will sich denn noch Politik antun, wenn er weiß dass eine Wahl dazu führt 6 Jahre lang fortdauernd benörgelt und persönlich angegangen zu werden.

    Ich möchte nicht wissen, wieviele gute Leute in den letzten Jahren bei dem Angebot einen Listenplatz anzunehmen dankend verzichtet haben. Der Mangel an Frauen, die an exponierten Positionen in der Politik interesse haben, kommt vermutlich auch nicht von ungefähr.

    Vermutlich ist es halt doch war – eine Gesellschaft bekommt die Politiker die sie verdient. Wenn man gute Leute vergrault werden, muss man in der Zukunft halt nehmen, wer übrig ist.

  2. marcel scholzen eimerscheid

    Werter Herr Havenith

    Sie haben teilweise recht. Viele haben keine Lust auf Politik. Aber andererseits wollen die Parteien auch nicht jeden. Die sind sehr wählerisch. Wie schon sooft gesagt von mir, bevorzugen die DG Parteien akademisch gebildete Kandidaten.

  3. Jean-Pierre DRESCHER

    Ich ergänze zu „Ein bißchen Respekt bitte“ mit vor allem „Solidarität, Zusammenhalt, Diplomatie, Meinungspluralismus“.

    Nur gemeinsam sind wir stark, unsere kleine aber feine DG.

  4. Frank Kueches

    Jeder der sich dazu berufen fühlt sich offentlich zu äussern und dies unter einem Pseudonym macht, ist in meinen Augen ein armseliges unbedeutenes Würstchen
    Wir leben nicht in einer Diktatur wo man um sein Leben bangen muss, falls man seine Meinung kund tut. Was für Helden sind die Menschen, welche in gewissen Ländern Ihre Meinung sagen und deshalb verfolgt werden, Und hier werden wegen einer Maskenpflicht Menschen fertig gemacht. Aber diejenigen die das machen haben nicht die „Eier“ das unter Ihrer Identität zu tun. Erbärmliche Feiglinge!!!!!!

    Deshalb ist diese BRF Seite eine wohltuende Ausnahme.

  5. Horst Emonts-pool

    Ich bin dafür, das man sagen kann wenn einem die Politik die betrieben nicht gefällt. Aber was im Moment in den Internetportalen abgeht ist unterste Schublade. Immer persönliche Angriffe. Es muss verboten werden unter Pseudonym Berichte zu veröffentlichen. Dann überlegt doch mancheiner was er loslässt.