No-Deal-Brexit: London will Gewässer notfalls mit Marine vor EU-Fischtrawlern schützen

Die britische Regierung hält vier Schiffe der Royal Navy für den Schutz ihrer Gewässer vor EU-Fischkuttern im Fall eines No-Deal-Brexits bereit.

Fischerboot (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / moodboard (YAYMicro))

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / moodboard (YAYMicro

Das bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in London.

Das Thema Fischerei ist einer der Knackpunkte bei den stockenden Verhandlungen über einen Brexit-Handelspakt. Bis Ende des Jahres gilt noch eine Übergangsfrist, in der sich britische Fischer und ihre Kollegen aus EU-Staaten den Zugang zu der 200-Meilen-Zone um die britische Küste teilen.

London will künftig den Zugang zu den fischreichen Gewässern nach eigenem Ermessen regeln. Die EU besteht auf einer einvernehmlichen Lösung. Bis Sonntag haben sich beide Seiten Zeit gegeben, um Fortschritte bei den Verhandlungen zu erzielen.

Die Europäische Kommission hatte kürzlich vorgeschlagen, die bisherige vorerst beizubehalten. Die Ankündigung Londons, die Königliche Marine auf den Plan zu rufen, dürfte eine eindeutige Absage an diesen Vorschlag sein.

dpa/sh

7 Kommentare
  1. Yves Tychon

    Der Handel mit dem Löwenanteil der in britischen Gewässern gefangenen Fische und Meeresfrüchte wird über den Pariser Großmarkt Rungis abgewickelt.
    Egal wer da fischt: Glaubt Johnson wirklich, er könne bei einem Einsatz der Navy damit rechnen, den Fang weiterhin exportieren zu können?

    Wenn die internationalen Absatzmärkte wegfallen, können die Briten ihre Edelfische zu Katzenfutter verarbeiten !

  2. Jean-Pierre DRESCHER

    Ich glaube an diesen angeblichen „Brexit“ erst wenn die seit 6 Jahren nimmer mehr endenden Schaugespräche der EU ein Ende haben mit einem echten No-Deal statt ewiger Privilegierung der Engländer.

  3. Marcel Scholzen eimerscheid

    Herr Tychon.

    Exportieren können die Briten weiterhin in die EU. Nur ohne Abkommen muss Zoll bezahlt werden. Das ist der entscheidende Unterschied zu vorher als Grossbritanien noch Mitglied des europäischen Binnenmarktes war.

  4. Alfons van Compernolle

    In den USA Trump , in England Johnsen , in Belgien die VB, in Nord-Korea diesen
    Kim yuong Un , in Russland Putin ( der noch der Intelligenteste von diesen Typen ist) usw usw usw. Mit was für Staatsführern , Parteien ohne Gehirn haben wir es heute zu tun ??? Normalität und Friedfertigkeit sieht anders aus !!

  5. Yves Tychon

    Herr Scholzen,

    natürlich könnten sie den Fisch selber fangen und nach WTO-Regeln exportieren, wenn er denn nicht vorher in der Lkw-Warteschlange vergammelt. Einmal in Frankreich angekommen, braucht man nur noch darauf zu hoffen, dass militante französische Fischer die Hände in den Schoß legen und die Vermarktung nicht behindern. Aber es ist natürlich Ihr gutes Recht, das zu glauben.

  6. Maria van Straelen

    Herr Tychon, das ist ja der Knackpunkt. Dieser Löwenteil an ‚britischem‘ Fisch wird ja von Franzosen und anderen Europäern gefangen bevor er in Paris auf den Großmarkt kommt. Daher auch das große Interesse der EU an dem Fischerei-Deal. Wir haben in den 70ern in der Bretagne einen Langustinenfischer kennengelernt. Der fuhr (mit Kollegen) auf einem Boot von 10 m Länge an die Schottische Küste (war 10 Tage unterwegs), um diese für uns so typischen „bretonischen“ Langustinen zu fischen, die dann sicherlich auch erst über Paris kamen. So weit zu frischem Fisch an der Küste …

  7. Yves Tychon

    Ja Frau Van Straelen, das stimmt natürlich alles. Allerdings war die Fischereipolitik vor der Brexit-Debatte alles andere als eine Priorität für Westminster. Dort setzt(e) man auf eine reine Dienstleistungsgesellschaft. Industrie-, Landwirtschafts- und Fischereipolitik galten als Auslaufmodelle.

    In der Online-Ausgabe von LeVif las ich vorhin einen interessanten Artikel. Wegen der Strömungsverhältnisse schlüpfen die meisten Jungfische im südlichen, flachen Bereich der Nordsee (F, B, NL). Die erwachsenen Fische treibt es aber Richtung Norden. In tieferen, kühleren Gewässern der britischen Fischereizone werden sie dann in erster Linie von nicht-britischen Kuttern gefangen, zumal man logischerweise lieber erwachsene Fische fängt.
    Bleibt nun der Zugang zu den britischen Fischgründen verwehrt, müssten die EU-Fischer vor der eigenen Küste die Jungfische fangen, was natürlich im Widerspruch zu einer nachhaltigen Fischereipolitik stünde und letztlich auch die Bestände vor der britischen Küste gefährden würde…