Fahrer aus ganz Europa reisten an, um Teil eines Events zu sein, das in der Freeride-Welt längst Kultstatus genießt. Zum ersten Mal dabei war der deutsche Freerider Marc Diekmann, obwohl er seit Jahren zu den bekanntesten Gesichtern der Szene zählt. Der Grund für seine Premiere war allerdings ein ganz besonderer.
"Ich habe gehört, dass es eventuell auch das letzte Mal sein könnte, dass das Loosefest stattfindet. Für mich war es deshalb jetzt now or never", erzählt Diekmann. Eigentlich sei er noch leicht verletzt gewesen und hätte momentan keine so großen Sprünge fahren sollen. Dennoch schrieb er Organisator und Streckenbauer Nico Vink kurzfristig an und fragte, ob er die letzten beiden Tage noch teilnehmen dürfe. "Zum Glück hat er Ja gesagt. Dann habe ich meine Sachen gepackt und bin losgefahren."
Nico Vink genießt unter Freeridern weltweit einen außergewöhnlichen Ruf. Nicht umsonst wird der Belgier von vielen als "Godfather of Big Bike" bezeichnet. Für Marc Diekmann ist dieser Titel mehr als verdient. "Das würde ich sofort unterschreiben. Ich kenne einige Strecken von ihm auf der ganzen Welt. Sie funktionieren alle perfekt. Man muss sich keine Sorgen machen, plötzlich irgendwo herausgeschossen zu werden oder zu kurz oder zu weit zu springen. Alles passt einfach zusammen. Auch hier sind die Sprünge zwar extrem riesig, aber gleichzeitig – soweit das bei dieser Größe überhaupt möglich ist – sehr sicher gebaut."
Dass ein Event dieser Größenordnung ausgerechnet in Belgien stattfindet, überrascht Diekmann dagegen überhaupt nicht. Solche Veranstaltungen benötigten abgelegene Orte mit den entsprechenden Voraussetzungen. "Man braucht einen Bikepark, einen geeigneten Hang und vor allem die Möglichkeit, überhaupt solche riesigen Sprünge bauen zu dürfen. In Stadtnähe wäre das kaum machbar. Deshalb passt Belgien eigentlich perfekt."
Obwohl Marc Diekmann mit mehr als 150.000 Followern in den sozialen Netzwerken zu den bekanntesten Freeridern im deutschsprachigen Raum gehört, bleibt der Respekt vor den riesigen Sprüngen bestehen. "Die Angst ist jedes Mal da, wenn man oben steht. Erst in dem Moment, in dem man reindroppt, schaltet man sie aus. Die Sprünge sind teilweise 30 Meter lang. Das Risiko bleibt immer bestehen und genau deshalb ist dieser Respekt auch wichtig."
Gerade weil über die Zukunft des Loosefestes spekuliert wird, würde ihn ein mögliches Ende des Events besonders treffen. "Nachdem ich jetzt zum ersten Mal hier gefahren bin und gemerkt habe, wie unglaublich viel Spaß diese Sprünge machen, wäre es wirklich schade, wenn es das gewesen sein sollte. Solch ein Event lässt sich nur schwer ersetzen."
Auch der Österreicher Luca Hagger war erstmals in Malmedy am Start. Für den Freerider aus Kitzbühel ging damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung. "Nico ist einfach der Godfather of Big Bike und Freeride. Wenn er eine Strecke baut, kann man ihr vertrauen. Das passt einfach. Für jeden Freerider ist es ein Lebenstraum, hier einmal fahren zu dürfen."
Schon nach den ersten Trainingsfahrten war die Begeisterung im Fahrerlager deutlich spürbar. "Nach der ersten Session sind wir durchs Fahrerlager gegangen und jeder hatte riesige Augen und ein Grinsen im Gesicht. Alle waren einfach glücklich, dass sie diese Strecke fahren durften."
Was den Kurs in Malmedy so besonders macht, erklärt Hagger mit den außergewöhnlichen Dimensionen. "Das sind eigentlich die größten Sprünge der Welt. Vielleicht gibt es irgendwo einzelne größere Sprünge, aber als komplette Strecke ist das einzigartig. Nico baut sie so, dass man riesige Distanzen fliegt und sich trotzdem sicher fühlt."
Mit Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern seien die Sprünge allerdings nichts für Anfänger. "Beim ersten Run ist man extrem angespannt. Aber wenn man unten ankommt und merkt, wie perfekt alles funktioniert, fällt der Druck ab. Dann kann man die restliche Woche einfach genießen."
Dass man auf einer solchen Strecke überhaupt starten darf, sei das Ergebnis jahrelanger Vorbereitung. "Dafür braucht man viele Jahre auf dem Bike und sehr viel Sicherheit in der Luft. Selbst viele sehr gute Fahrer fühlen sich bei diesen Dimensionen nicht wohl."
Mit seiner Rückkehr nach drei Jahren Pause hat das Loosefest eindrucksvoll gezeigt, warum es zu den bedeutendsten Freeride-Veranstaltungen der Welt zählt. Ob die diesjährige Ausgabe tatsächlich die letzte gewesen sein wird, ist derzeit offen.
Radio-Interviews mit Marc Diekmann und Luca Hagger im Player:
Christophe Ramjoie

