Damen im weißen Bademantel sitzen beieinander an Tischen, plaudern oder lesen. Nein, hier ist nicht das Wartezimmer für die nächste Wellnessbehandlung. Hier sind wir im Citadelle-Krankenhaus Laveu in Lüttich: in der Klinik für die Menopause. Diese Damen warten auf den nächsten Vorsorgetermin für die Frau ab 50.
Rund 60 Frauen pro Woche durchlaufen hier sämtliche medizinische Checks. Das Besondere: Alle Untersuchen finden an einem einzigen Tag statt. Die Termine sind gefragt - die Wartezeit beträgt ein Jahr.
Am Anfang steht immer ein medizinischer Fragebogen. Und dann geht es auch schon los. Wie steht es zum Beispiel um die Knochendichte? Schließlich kann sich der Hormonabfall während der Menopause auch auf den Zustand des Skeletts auswirken, Stichwort Osteoporose.
Das Lütticher Zentrum bietet seit 30 Jahren maßgeschneiderte Medizin für die Wechseljahre an. Die 58-jährige Vincianne kommt alle zwei Jahre zum Check. "Es ist sehr, sehr wichtig, um geringste Probleme zu erkennen. Man sollte früh anfangen, auch um Osteoporose zu erkennen. Denn das Messen der Knochendichte wird in der Regel nicht gemacht". Außerdem auf dem Programm: Eine Mammographie sowie eine gynäkologische Untersuchung. Wer mag, kann zudem eine Diätassistenz, eine psychologische Begleitung oder auch eine Sexualberatung in Anspruch nehmen.
Dr. Anne Firquet leitet das Zentrum. Hitzewallungen in den Wechseljahren seien nur die Spitze des Eisbergs, sagt sie. "Die Frauen schlafen nicht mehr und sind müde. Es fällt ihnen schwer, über den Tag zu kommen. Es gibt Konzentrationsprobleme und Stimmungsschwankungen. Das alles kann Auswirkungen auf die Familie und die Arbeit haben". Die Beschwerden würden oft über die Hitzewallungen hinausgehen. "Zum Beispiel gibt es Gelenkschmerzen. Das führt dazu, dass man weniger Sport machen kann. Also nimmt man zu. Schließlich mag man seinen Körper nicht mehr, es kommen Libidoprobleme hinzu. So entsteht ein Teufelskreis von Symptomen, die man zunächst nicht mit der Menopause verbindet".
Auch Depressionen und Burnouts hängen nicht selten mit den Wechseljahren zusammen. Hier gilt es, Lösungen zu finden. Mit ganzheitlichen Therapien. Helfen können auch Hormonersatztherapien, sagt Dr. Anne Firquet. "Es ist wirklich etwas, das dabei helfen kann, besser zu altern. Studien belegen, dass es weniger Alzheimerfälle und Demenz gibt. Die Frauen, die Hormone nehmen, altern besser".
Allerdings ist eine Hormonersatztherapie nicht für alle Frauen der Königsweg. Denn nicht alle Frauen brauchen sie. "Es gibt Frauen, die sagen: Es geht mir sehr gut. Ich schaffe den Übergang ohne Probleme. Da muss man auch sagen: Das ist toll! Umso besser. Die Menopause ist keine Krankheit!"
Auch Vincianne geht es darum, ganz bewusst den neuen Lebensabschnitt anzugehen. Dazu gehört auch, das Thema offen zu besprechen, denn die Menopause sei noch immer ein Tabuthema. "Allerdings öffnen sich die Frauen etwas", sagt Vincianne. Sie sei nicht wirklich auf dem Laufenden gewesen. Jetzt, da sie von diesem Zentrum wisse, rede sie ständig darüber. "Es geht mir auch darum, den Lebenszyklus der Frau zu entdramatisieren. Es ist wichtig, über die Menopause zu reden", ist Vincianne überzeugt.
Die Menopause nicht als Krankheit sehen - sondern als ganz besonderen Lebensabschnitt, den Frau selbst in die Hand nehmen kann. Mit gesellschaftlicher Aufklärung und medizinischer Begleitung.
Simonne Doepgen










