Auf dem Campingplatz "La Plage" am See von Robertville ist es ungewöhnlich still. Von den insgesamt 62 Touristenstellplätzen ist aktuell nur einer belegt. Auch von den Dauercampern sind nur wenige vor Ort. Eigentlich sollte hier jetzt mehr los sein. "Ich habe ein Chalet, das eigentlich vermietet sein sollte, ein Appartement, das vermietet sein sollte", erklärt Aarnout Barensten, Betreiber des Campingplatzes.
"Ja, zu dieser Zeit im Jahr wäre hier auch nicht alles voll, aber an den Wochenenden schon. Letztes Wochenende hatte ich hier aber auch nur ein Zelt und eine Karawane vermietet an drei Mädchen, sonst war hier nichts los. Ich habe glücklicherweise noch ein paar Jahresplätze, die belegt sind."
Allein in der ersten Woche des Vennbrands büßte der Campingplatzbetreiber rund 15.000 Euro ein. 80 Prozent der Buchungen wurden storniert - hinzu kamen die fehlenden Umsätze vor Ort. "Viele Leute bleiben weg, weil sie Angst vor dem Feuer und dem Rauch haben. Am Freitag ging das Feuer los. Ich hatte an dem Samstagmorgen noch 58 Familien hier, um 16 Uhr war es dann nur noch eine. Ein Mann aus Verviers war das mit seinen zwei Kindern. Das war der Einzige, der noch da war. So etwas habe ich noch nie erlebt."
Seit 32 Jahren betreibt Barentsen den Campingplatz am See von Robertville. Zwischen 80.000 und 100.000 Euro nimmt er nach eigenen Angaben normalerweise pro Jahr ein. Die Entwicklungen der vergangenen Wochen dürften den Jahresumsatz allerdings deutlich schmälern. "Wir - also die Leute, die vom Tourismus leben - haben Glück gehabt, dass es erst am 14. August passiert ist und nicht am 12. Juli. Dann wären verschiedene Firmen nämlich Pleite gegangen. Hilfe von außen kann man dann vergessen. Es warten ja heute noch Menschen auf die Unterstützung nach der Flut", so Barentsen.
Mit einer Besserung der Situation rechnet Aarnout Barentsen erst, wenn die "negativen" Berichte über den Vennbrand aufhören und die Sperrung des Sees aufgrund der Löscharbeiten aufgehoben wird. Um die Zukunft des Platzes sorgt er sich aber nicht, auch weil er kein Personal beschäftigt, das er bezahlen müsste. Damit sich Katastrophen wie der Vennbrand nicht wiederholen, sollten die Gemeinden mehr finanzielle Unterstützung in das Projekt um die Stewards im Hohen Venn investieren, findet Barentsen. Zwei Feuer im Venn seien in der Vergangenheit durch aufmerksame Stewards verhindert worden.
Auch im Hotel Bütgenbacher Hof sind die Folgen des Vennbrands stark zu spüren. "Wir fühlen uns hier teilweise schon wieder in die Corona-Zeit zurückversetzt", erklärt Inhaber Thorsten Maraite. "An dem Tag, an dem der Brand ausbrach, ging es noch. Auch bis zum Sonntag sind die Gäste, die hier im Hotel waren, geblieben. Nur ein oder zwei sind abgereist, das waren Asthmatiker, die den Rauch kommen sahen."
"Am Sonntag wurde es dann auf einmal ganz schlimm, da wurde alles storniert und das nicht nur bei den Zimmern, die in den nächsten Tagen belegt werden sollten, sondern auf lange Frist bis zur ersten Septemberwoche wurden die Zimmer annulliert. Es ist jetzt Anfang September und wir spüren es. Es ist ganz ruhig hier. Das ist sehr unerwartet", so Maraite.
Innerhalb von nur drei Tagen erreichten die Stornierungen in dem Hotel einen Wert von 38.000 Euro. Zudem sind seit dem Beginn des Brandes auch neue Buchungen ausgeblieben. "Wir haben vorgestern einen Newsletter rausgeschickt, mit einem kleinen Spendenaufruf, wobei wir dann auch für das Venn spenden möchten. Da sind bis jetzt nur zwei Reservierungen reingekommen, also selbst mit Anstrengungen, jetzt die Gäste hier hinzubekommen, läuft momentan gar nichts", sagt Thorsten Maraite.

Normalerweise liegt die Auslastung des Betriebs zwischen Mitte August und Mitte September bei 80 bis 90 Prozent. In den vergangenen beiden Wochen waren es gerade einmal 30 bis 40 Prozent. Im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres nahm der Bütgenbacher Hof rund 128.000 Euro weniger ein.
Und auch wenn für die kommende Woche wieder Gäste angekündigt sind - die Folgen des Vennbrands sind noch nicht überstanden. "Wir haben jetzt auch Stornierungen für Anfang Oktober, wo die Gäste Asthmatiker sind, die Angst haben, dass die Luftqualität einfach zu schlecht wäre, wobei die Luftqualität hier ja gut ist."
"Gleichzeitig bin ich über die Menge der Annullierungen sehr überrascht. Es gibt ja auch trotzdem noch genug zu tun bei uns. Normalerweise würde ich sagen, dass von unseren Gästen vielleicht fünf bis zehn Prozent ins Venn gehen. Die anderen wandern in den Wäldern oder um den See. Jetzt kommt es einem vor, als würde ohne das Venn gar nichts mehr gehen."
Der starke Sommer, den die Betriebe bis Mitte August hatten, könnte die Einbußen zumindest teilweise abfedern. Ob diese Rücklagen und die Einnahmen der kommenden Monate reichen werden, um die Folgen des Vennbrands in der Jahresbilanz auszugleichen, bleibt allerdings abzuwarten.
Lindsay Ahn








