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Vennbrand: Lage bleibt angespannt

16.08.202606:3516.08.2026 - 19:56
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Löscharbeiten im Hohen Venn
Bild: Christophe Ramjoie/BRF

Die Situation beim Großbrand im Hohen Venn ist nach wie vor nicht unter Kontrolle. Inzwischen wurden rund 3.000 Hektar Natur zerstört. Das entspricht einer Fläche von umgerechnet fast 4.200 Fußballfeldern. Die Lage bleibt angespannt, die nächsten Stunden werden entscheidend sein.

Die Feuerwehr ist weiterhin intensiv mit den Löscharbeiten des Brandes im Hohen Venn beschäftigt. Am Sonntag kam auch Hilfe durch Helikopter und Flugzeuge - die Hilfe aus der Luft war dringend notwendig, weil das Brandgebiet für Fahrzeuge am Boden nur schwer zugänglich ist. Inzwischen sind bereits rund 3.000 Hektar den Flammen zum Opfer gefallen.

Zwei niederländische Militärhubschrauber des Typs Boeing CH-47 Chinook, die jeweils bis zu 7.000 Liter Wasser aufnehmen und abwerfen können, waren am Sonntag im Einsatz. Sie ergänzten die beiden kleineren MD902-Hubschrauber der Föderalen Polizei, die bereits seit Beginn des Brandes am Freitagnachmittag im Einsatz sind. Die Helikopter waren bis etwa 18 Uhr im Einsatz.

Außerdem waren am Sonntag auch zwei Löschflugzeuge des Typs Saab AT-802 aus der europäischen strategischen Reserve im Einsatz. Die Flugzeuge, die den Spitznamen "Air Boss" tragen, können jeweils 3.000 Liter Wasser aufnehmen.

Das größte Problem ist weiterhin der ständig wechselnde Wind.

Traktor bei Löscharbeiten im Hohen Venn
Bild: Christophe Ramjoie/BRF
Löscharbeiten im Hohen Venn am Sonntagnachmittag
Löscharbeiten im Hohen Venn am Sonntagnachmittag (Bild: Christophe Ramjoie/BRF)
Abgebranntes Venn
Bild: Christophe Ramjoie/BRF
Löschflugzeug über dem BRF-Funkhaus Eupen
Löschflugzeug über Eupen (Bild: Alain Kniebs/BRF)
Löschhubschrauber über Solwaster
Löschhubschrauber über Solwaster/Jalhay (Bild: Audric Reinartz/BRF)

 

Das Verteidigungsministerium setzte am Sonntag sechs Panther-Löschfahrzeuge ein. Das teilte Jan Van Camp, Sprecher von Verteidigungsminister Theo Francken, der Nachrichtenagentur Belga mit. Die Fahrzeuge können jeweils 10.500 Liter Wasser aufnehmen, ihr Wasserstrahl reicht bis zu 90 Meter weit.

Außerdem war auf dem Flugplatz von Spa ein Tankwagen der Armee im Einsatz, um die niederländischen Chinook-Löschhubschrauber aufzutanken.

Gaffer behindern Rettungskräfte

Entlang der Rurstraße zwischen Elsenborn und Kalterherberg wurden Pumpstationen eingerichtet. Allerdings störten Schaulustige die Arbeit der Rettungskräfte, das erklärte Hauptinspektor Thorsten Gross von der Polizei der Zone Eifel dem BRF.

Die Personen sollten den Bereich sofort verlassen. Auch in den evakuierten Ortschaften Küchelscheid und Leykaul stellte die Polizei vermehrt Personen fest, die sich durch die Straßen bewegten - auch das soll unterlassen werden.

Sperrung an der Eupener Talsperre
Bild: Jean-Marc Vanheren/Bild
Sperrung an der Eupener Talsperre
Bild: Jean-Marc Vanheren/Bild

Bütgenbacher See und Eupener Talsperre gesperrt

Die Polizei sperrte den Bütgenbacher See ab. Es gilt ein Bade- und Nutzungsverbot auf dem See, damit dort Helikopter Wasser tanken können.

Auch die Eupener Talsperre ist nicht mehr erreichbar und soll gemieden werden, da auch dort Rettungskräfte Wasser entnehmen, das teilte die Polizeizone Weser-Göhl mit.

Der Sommer-Biathlon in Elsenborn-Herzebösch ist am Sonntagnachmittag abgebrochen worden.

Leeres Gelände nach dem Abbruch des Sommer-Biathlons
Der Sommer-Biathlon ist am Sonntag abgebrochen worden (Bild: Christoph Heeren/BRF)
Lösch-Hubschrauber über Elsenborn-Herzbösch
Lösch-Hubschrauber über Elsenborn-Herzbösch (Bild: Christoph Heeren/BRF)

 

Das Ausmaß am Samstagabend auf einer Karte der Provinz Lüttich
Das Ausmaß am Samstagabend um 18 Uhr auf einer Karte der Provinz Lüttich - auch am Sonntag ist der Brand östlich der Vennstraße und nicht westlich der Vennstraße, wie manche Karten, die online kursieren, suggerieren (Bild: Gouverneur de la Province de Liège)
Feuerwehrleute vor Einsatzfahrzeugen
Bild: Christophe Ramjoie/BRF
Blick aus Elsenborn auf die Rauchwolke über dem Hohen Venn
Blick aus Elsenborn auf die Rauchwolke über dem Hohen Venn (Bild: Christophe Ramjoie/BRF)
Einsatzfahrzeuge der Aachener Feuerwehren am Sonntag in Kalterherberg
Einsatzfahrzeuge der Aachener Feuerwehren am Sonntag in Kalterherberg (Bild: Julia Slot/BRF)

Es sind mehr als hundert Feuerwehrleute im Einsatz, aus 15 belgischen Hilfeleistungszonen und aus Deutschland und Luxemburg. Hinzu kommen mehr als 100 Polizisten, rund 20 Mitarbeiter des Zivilschutzes, etwa 40 Soldaten sowie ein Dutzend Einsatzkräfte der medizinischen und psychosozialen Rettungsdienste, heißt es in einer Pressemitteilung der Provinz.

Insgesamt wurden in der Nacht mehr als 250 Einsatzkräfte und etwa 50 Fahrzeuge aller Dienste mobilisiert - darunter Wasserwerfer der Polizei und vier "Panther"-Fahrzeuge der Armee. Landwirte unterstützen die Einsatzkräfte bei der Wasserversorgung.

See von Robertville in Rauch eingehüllt
See von Robertville am Sonntag in Rauch eingehüllt (Bild: Christoph Heeren/BRF)
See von Robertville in Rauch eingehüllt
Bild: Christoph Heeren/BRF
Traktoren mit Wasserfässern auf der Brücke in Robertville
Bild: Christoph Heeren/BRF
Traktoren mit Wasserfässern in der Nähe von Robertville
Bild: Christoph Heeren/BRF
Traktoren mit Wasserfässern in der Nähe von Robertville
Bild: Christoph Heeren/BRF

Stand am Mittag

Laut BRF-Wetterexperte Karsten Brandt müssen die Einsatzkräfte am Sonntag mit Wind aus dem Norden rechnen. Im Durchschnitt soll er zehn bis 15 km/h schnell werden. In Böen könnte er bis zu 25 km/h erreichen. Die Windrichtung wird das Feuer laut Brandt wahrscheinlich weiter in Richtung Elsenborn, Weywertz, Bütgenbach und Büllingen bewegen. Dort muss dann auch mit starker Rauchentwicklung gerechnet werden.

In der Nacht und Montagfrüh soll es über dem Venn leicht regnen, etwa zwei bis vier Liter pro Quadratmeter. Das helfe etwas, sei aber nicht genug, um den Brand zu löschen, so Brandt. Am Montag soll außerdem der Wind drehen. Er weht dann eher aus westlicher Richtung. Dann könnte die deutsche Eifel mehr betroffen sein.

Gemeinden raten zur Vorsicht bei Rauchentwicklung

Mehrere Gemeinden im Süden der DG und die Stadt Malmedy haben wegen der Rauchentwicklung zu Vorsicht aufgerufen. Weil der Wind immer noch dreht, kann es weiterhin zu Beeinträchtigungen durch den Qualm kommen. Die Gemeinden raten den Bürgern, Fenster und Türen geschlossen zu halten, sowie Klimaanlagen und Lüftungsanlagen auszuschalten.

Außerdem sollte man dringend vermeiden, Rauch einzuatmen. Bei starker Rauchentwicklung wird empfohlen, wenn möglich die betroffene Zone zu verlassen. Auch im Auto sollte dann die Lüftungsanlage so eingestellt werden, dass keine Luft von außen angezogen wird.

Evakuierte Ortschaften wurden noch nicht vom Feuer erreicht

Derzeit sind keine weiteren Evakuierungen auf dem Gebiet der Gemeinde Bütgenbach geplant. Das sagte Bürgermeister Daniel Franzen dem BRF. Allerdings könne sich die Situation jederzeit entwickeln. Dann könnten weitere Maßnahmen nötig werden. Das Krisenzentrum beobachtet die Situation ständig. Franzen nimmt per Videozuschaltung an den Sitzungen teil, so wie die Bürgermeister der anderen betroffenen Gemeinden.

Die Polizei überwacht weiterhin die evakuierten Ortsteile. Bislang seien keine Wohnhäuser betroffen, aber das Feuer sei nach wie vor in der Nähe und es entstehe starker Rauch. Die evakuierten Einwohner müssen indes abwarten. Wann sie in ihre Häuser zurückkehren können, ist aktuell unklar. 

20 Menschen übernachten in Notunterkunft

Am Samstag waren in den Gemeinden Bütgenbach und Weismes rund 600 Menschen vorsorglich evakuiert worden. Konkret ging es um Teile von Sourbrodt und die Ortschaften Leykaul und Küchelscheid.

Die meisten Menschen konnten bei Verwandten oder Bekannten unterkommen, in Malmedy steht ein Notunterkunftszentrum zur Verfügung für diejenigen, die keine andere Lösung gefunden haben. Nach Angaben von Malmedys Bürgermeister Jean-Paul Bastin haben 20 Menschen dort übernachtet. Aufgenommen worden waren rund 50 Menschen.

Das Notunterkunftszentrum des Roten Kreuzes verfügt über eine Kapazität von 600 Betten. Außerdem wird psychologische Betreuung angeboten.

Die wallonische Region hat die Nummer 1771 freigeschaltet für Fragen, Informationsanfragen oder Hinweise zur aktuellen Lage. Im Zusammenhang mit Spenden und Unterstützungsangeboten hat die Gemeinde Baelen eine spezielle Kontaktnummer eingerichtet: 087/76.01.46. Über diese Anlaufstelle werden Hilfsangebote von Bürgern, Vereinen sowie Unternehmen zentral erfasst und koordiniert, um die laufenden Maßnahmen bestmöglich zu unterstützen.

Die Nummer für lebensbedrohliche Notfälle bleibt 112. Die Nummer für den hausärztlichen Bereitschaftsdienst bleibt 1733.

Die Behörden bitten darum, die Sicherheitszonen zu respektieren und die Anweisungen der Behörden zu befolgen.

De Wever würdigt den Einsatz der Rettungskräfte

Premierminister Bart De Wever (N-VA) hat die Arbeit der zahlreichen Einsatzkräfte bei der Bekämpfung des Brandes im Hohen Venn gewürdigt. "Mein Dank gilt auch unseren europäischen Partnern, die uns unterstützen", schreibt De Wever in sozialen Medien. Seine Gedanken seien bei allen Betroffenen, heißt es weiter.

Auch Verteidigungsminister Theo Francken lobte die internationale Solidarität. Gleichzeitig kündigte er an, die Armee müsse in Zukunft mehr zur Bewältigung sicherheitspolitischer Herausforderungen beitragen. Francken will dem Parlament in Kürze einen militärischen Aktionsplan zur Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden vorzulegen.

König Philippe hat mit der diensttuenden Gouverneurin der Provinz Lüttich, Anne Dassy, Kontakt aufgenommen, um sich über den Verlauf des Brandes im Hohen Venn zu informieren. Das teilte der Palast mit. Das Staatsoberhaupt habe den Einsatzkräften und allen, die sich für die Bekämpfung des Brandes einsetzen, seinen Dank ausgesprochen, darunter auch dem Verteidigungsministerium, den Landwirten aus der Region und den deutschen Feuerwehrleuten, die zur Verstärkung gekommen sind, heißt es in einer Mitteilung.

Sportzentrum Malmedy
Aufnahmestelle im Sportzentrum Malmedy am Samstagabend (Bild: Nicolas Lambert/Belga)

Feuerwehr in Monschau: Fahren Einsatz zurück

Die Gefahrenlage in Monschau hat sich nach Einschätzung der dortigen Feuerwehr entspannt. "Wir fahren zurück", sagte der zuständige Einsatzleiter. Schon in der Nacht habe man einen Großteil der rund 90 Einsatzkräfte abgezogen.

Die Stadt Monschau hatte rund 5.000 Einwohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich am Samstag vorsorglich gebeten, sich auf eine Evakuierung einzustellen. Diese Warnung werde die Stadt voraussichtlich in Kürze zurücknehmen, so die Einsatzleiter.

Man beobachte die Brand-Entwicklung weiter ganz genau und werde im Notfall angemessen reagieren und die Kräfte bei Bedarf wieder verstärken. Seit der Nacht habe sich die Feuerfront aber nicht mehr weiter auf Monschau zubewegt.

Vennbrand: Mehr als 2.000 Hektar betroffen - Anwohner evakuiert

re/cr/ake/rop/km

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