Der Vennbrand hat sich weiter ausgebreitet, das Tempo hat sich aber verlangsamt, berichtet die RTBF. Außerdem seien die Wetterbedingungen jetzt günstiger, da die Temperaturen abgekühlt seien und sich auch mehr Feuchtigkeit in der Luft befinde. Es sei aber noch zu früh, um von einer Entspannung der Lage zu sprechen.
Das größte Problem sei weiterhin der ständig drehende Wind. Derzeit treibe der Wind das Feuer in Richtung der deutschen Grenze. Im Bereich Ternell sei das besonders problematisch, da das Gelände dort sehr unzugänglich sei und die befestigten Zufahrtswege oft sehr weit von der Feuerfront entfernt liegen.
Bei Tagesanbruch haben zwei Hubschrauber der Föderalen Polizei sowie zwei niederländische Hubschrauber die Brandbekämpfung aus der Luft wieder aufgenommen. Die niederländischen Chinook-Helikopter können bis zu 3.000 Liter Wasser abwerfen.
Nach wie vor sind mehr als hundert Feuerwehrleute im Einsatz, aus 15 belgischen Hilfeleistungszonen und aus Deutschland und Luxemburg. Hinzu kommen etwa 70 Polizisten, rund 20 Mitarbeiter des Zivilschutzes, etwa 40 Soldaten sowie ein Dutzend Einsatzkräfte der medizinischen und psychosozialen Rettungsdienste, heißt es in einer Pressemitteilung der Provinz.
Insgesamt wurden in der Nacht mehr als 250 Einsatzkräfte und etwa 50 Fahrzeuge aller Dienste mobilisiert - darunter Wasserwerfer der Polizei und vier "Panther"-Fahrzeuge der Armee. Landwirte unterstützen die Einsatzkräfte bei der Wasserversorgung.
Wind bleibt ein Problem
Laut BRF-Wetterexperte Karsten Brandt müssen die Einsatzkräfte am Sonntag mit Wind aus dem Norden rechnen. Im Durchschnitt soll er zehn bis 15 km/h schnell werden. In Böen könnte er bis zu 25 km/h erreichen.
Die Windrichtung wird das Feuer laut Brandt wahrscheinlich weiter in Richtung Elsenborn, Weywertz, Bütgenbach und Büllingen bewegen. Dort muss dann auch mit starker Rauchentwicklung gerechnet werden.
In der Nacht und Montagfrüh soll es über dem Venn leicht regnen, etwa zwei bis vier Liter pro Quadratmeter. Das helfe etwas, sei aber nicht genug, um den Brand zu löschen, so Brandt. Am Montag soll außerdem der Wind drehen. Er weht dann eher aus westlicher Richtung. Dann könnte die deutsche Eifel mehr betroffen sein.
Gemeinden raten zur Vorsicht bei Rauchentwicklung
Mehrere Gemeinden im Süden der DG und die Stadt Malmedy haben wegen der Rauchentwicklung zu Vorsicht aufgerufen. Weil der Wind immer noch dreht, kann es weiterhin zu Beeinträchtigungen durch den Qualm kommen. Die Gemeinden raten den Bürgern, Fenster und Türen geschlossen zu halten, sowie Klimaanlagen und Lüftungsanlagen auszuschalten.
Außerdem sollte man dringend vermeiden, Rauch einzuatmen. Bei starker Rauchentwicklung wird empfohlen, wenn möglich die betroffene Zone zu verlassen. Auch im Auto sollte dann die Lüftungsanlage so eingestellt werden, dass keine Luft von außen angezogen wird.
Evakuierte Ortschaften wurden noch nicht vom Feuer erreicht
Derzeit sind keine weiteren Evakuierungen auf dem Gebiet der Gemeinde Bütgenbach geplant. Das sagte Bürgermeister Daniel Franzen dem BRF. Allerdings könne sich die Situation jederzeit entwickeln. Dann könnten weitere Maßnahmen nötig werden. Das Krisenzentrum beobachtet die Situation ständig. Franzen nimmt per Videozuschaltung an den Sitzungen teil, so wie die Bürgermeister der anderen betroffenen Gemeinden.
Die Polizei überwacht weiterhin die evakuierten Ortsteile. Bislang seien keine Wohnhäuser betroffen, aber das Feuer sei nach wie vor in der Nähe und es entstehe starker Rauch. Die evakuierten Einwohner müssen indes abwarten. Wann sie in ihre Häuser zurückkehren können, ist aktuell unklar.
20 Menschen übernachten in Notunterkunft
Am Samstag waren in den Gemeinden Bütgenbach und Weismes rund 600 Menschen vorsorglich evakuiert worden. Konkret ging es um Teile von Sourbrodt und die Ortschaften Leykaul und Küchelscheid.
Die meisten Menschen konnten bei Verwandten oder Bekannten unterkommen, in Malmedy steht ein Notunterkunftszentrum zur Verfügung für diejenigen, die keine andere Lösung gefunden haben. Nach Angaben von Malmedys Bürgermeister Jean-Paul Bastin haben 20 Menschen dort übernachtet. Aufgenommen worden waren rund 50 Menschen.
Das Notunterkunftszentrum des Roten Kreuzes verfügt über eine Kapazität von 600 Betten. Außerdem wird psychologische Betreuung angeboten.
Die wallonische Region hat die Nummer 1771 freigeschaltet für Fragen, Informationsanfragen oder Hinweise zur aktuellen Lage. Im Zusammenhang mit Spenden und Unterstützungsangeboten hat die Gemeinde Baelen eine spezielle Kontaktnummer eingerichtet: 087/76.01.46. Über diese Anlaufstelle werden Hilfsangebote von Bürgern, Vereinen sowie Unternehmen zentral erfasst und koordiniert, um die laufenden Maßnahmen bestmöglich zu unterstützen.
Darüber hinaus wurde die Bürgerplattform aidefagnes.be eingerichtet, um Hilfsangebote, Materialspenden und verfügbare Ressourcen an einem zentralen Ort zu bündeln. Die Nummer für lebensbedrohliche Notfälle bleibt 112. die Nummer für den hausärztlichen Bereitschaftsdienst bleibt 1733.
Die Behörden bitten darum, die Sicherheitszonen zu respektieren und die Anweisungen der Behörden zu befolgen.
König Philippe dankt den Einsatzkräften
König Philippe hat mit der amtierenden Gouverneurin der Provinz Lüttich, Anne Dassy, Kontakt aufgenommen, um sich über den Verlauf des Brandes im Hohen Venn zu informieren. Das teilte der Palast am Abend mit.
Das Staatsoberhaupt habe den Einsatzkräften und allen, die sich für die Bekämpfung des Brandes einsetzen, seinen Dank ausgesprochen, darunter auch dem Verteidigungsministerium, den Landwirten aus der Region und den deutschen Feuerwehrleuten, die zur Verstärkung gekommen sind, heißt es in einer Mitteilung.

Lage bei Monschau angespannt
Wegen der Ausbreitung des Vennbrands in Richtung Deutschland ist die Lage auch für die Menschen in der Stadt Monschau angespannt. Die Feuerfront im Hohen Venn befinde sich nur noch etwa drei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, teilte die Stadt in der Nacht auf ihrer Webseite mit.
Auf eine Evakuierung einstellen sollten sich die Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich. Betroffen seien rund 5.000 Menschen. Sie betonte, es seien Vorsichtsmaßnahmen. Stand jetzt gehe man von keiner Evakuierung aus.
Außerdem warnt auch die Stadt Monschau vor der starken Rauchbelastung. Die Stadt empfiehlt Bürgern einiger Ortsteile, ihre Häuser und Wohnungen vorübergehend zu verlassen. Angesichts der Ausbreitung der Feuerfront werde erwartet, dass es ab dem Vormittag zu erheblichen Rauchbelastungen und Rauchniederschlägen kommen werde, teilt die Stadt auf ihrer Webseite mit. Gesundheitliche Gefahren durch den Brandrauch seien nicht auszuschließen.
Den Einwohnern der Ortsteile Plattevenn, Leyloch und Kalterherberg riet die Stadt, ihre Häuser bis 10 Uhr zu verlassen und bei Verwandten und Freunden unterzukommen. Für Menschen, die nicht eigenständig unterkommen, stellt die Stadt eine Anlaufstelle zur Verfügung. Die Empfehlung gilt vorerst bis 18 Uhr.
Die Feuerwehr in Monschau beobachtet die Situation an der Grenze intensiv, rechnet aber nicht mit einem baldigen Übergreifen der Flammen auf deutsches Gebiet. Die Einsatzkräfte hätten zuvor Feldgrundstücke nahe der deutsch-belgischen Grenze gewässert, um einen Zeitvorsprung vor dem Feuer zu gewinnen, hieß es.
Vennbrand: Mehr als 2.000 Hektar betroffen - Anwohner evakuiert
rop/km