Der Vennbrand sorgt für die ersten Evakuierungen in der Region. Küchelscheid und Leykaul wurde inzwischen evakuiert. Viele Personen konnten bei Familienmitgliedern unterkommen. Nicht alle Anwohner, wollten ihre Häuser verlassen.
Auch in der Gemeinde Weismes war die Polizei in den betroffenen Straßen in Sourbrodt unterwegs, um die Anwohner direkt zu informieren. Laut der Gemeinde sind folgende Straßen von der Evakuierung betroffen: Rue d'Averscheidt, Rue Haute, Rue du Bouvier, Rue de Bosfagne, Rue coin du bois, Rue Sainte Apolline, Chemin des Champs, Rue de la Roer, Voie des Hôtes, Rue Pré Louis, Rue Clair Chêne, Rue des Tourbières, Rue des Tchenas, Rue de la Station, Rue du camp, à la croix Marquet, Am Rurbusch (Gemeinde Bütgenbach).
Außer den genannten Straßen sind keine anderen Bereiche in Sourbrodt von der Evakuierung betroffen, so die Gemeinde Weismes. Ab Lager Elsenborn Richtung Sourbrodt hat die Polizei eine Straßensperre eingerichtet. Auch die Anwohner in Teilen der Gemeinde Monschau sollen sich auf eine mögliche Evakuierung vorbereiten.
In der Hall Omnisport in Malmedy ist ein Aufnahmezentrum eingerichtet worden. Insgesamt geht es laut RTBF um rund 600 Personen. Die Evakuierungen sind reine Vorsichtsmaßnahme, erklärte die Polizei. Die Bevölkerung war zuvor aufgefordert worden, eine kleine Tasche mit dem Nötigsten zu packen und diese, wenn möglich, in das Auto zu legen, um schnell zu Verwandten, Bekannten oder ins Aufnahmezentrum Malmedy losfahren zu können, wenn die Polizei sie aufsucht.
Für Informationen sollen Betroffene die 1771 wählen, die 112 ist nur für Notfälle freizuhalten.
BRF-Wetterexperte Karsten Brandt hat vor der Feinstaubbelastung gewarnt, die durch das Feuer ausgelöst wird. Der Rauch ist auch in Ortschaften, die kilometerweit vom Brandgebiet wegliegen, deutlich spürbar. Dort empfiehlt es sich, Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Aufgrund des Feuers haben die Gemeinden Malmedy und Stavelot ab sofort und bis morgen alle öffentlichen Veranstaltungen untersagt. Betroffen sind unter anderem eine geplante Großwanderung des Wanderclubs Bellevaux. Sie hätte mit mehr als 1.000 Teilnehmern durch Waldgebiete geführt.
Abgesagt werden müssen auch alle Rennen und Events auf der Rennstrecke von Spa-Francorchamps. Bütgenbach hat bisher kein Verbot von Veranstaltungen ausgesprochen, der Sommerbiathlon soll stattfinden.
Hilfe eingetroffen und weitere unterwegs
Laut der EU-Kommissarin für Krisenmanagement Hadja Lahbib sind Hubschrauber sowie zwei Flugzeuge der EU-Flotte auf dem Weg ins Hohe Venn. Der Hubschrauber, der aus Tschechien kommen sollte, kommt nun doch nicht. Stattdessen sollen zwei andere Hubschrauber zum Einsatz kommen.
Die beiden Flugzeuge wurden aus Schweden geschickt. Wann sie im Hohen Venn ankommen, blieb zunächst unklar. Zudem sollen auch aus den Niederlanden weitere Hubschrauber ankommen, sagte die EU-Kommissarin für Krisenmanagement. Zwei sind bereits am Samstag eingetroffen. Die Europäische Union hat zudem Kontakt mit dem Nicht-EU-Land Norwegen aufgenommen, um möglicherweise weitere Hubschrauber zu schicken.
Innenminister Bernard Quintin hat sich heute im Hohen Venn ein Bild von der Lage gemacht. Er sagte, dass bisher nicht der föderale Notfallplan in Kraft gesetzt worden sei. Es gelte weiterhin der Notfallplan der Provinz Lüttich. Aber dennoch stünden die föderalen Mittel zur Verfügung, betonte er. Man werde es von der Entwicklung der Lage abhängig machen, ob der föderale Notfallplan aktiviert werde, so der Innenminister.
Die Armee ist mit vier spezialisierten Löschfahrzeugen der Luftstreitkräfte vor Ort und insgesamt mit 13 Militärwehrleuten. Ihre Aufgabe sei vor allem, die Waldkonturen zu bewässern, um zu verhindern, dass sich das Feuer weiter ausbreitet. Die Armee kündigte an, weiteres Material bereitstellen zu können, wenn es nötig ist. Etwa Bulldozer, um Schneisen zu schlagen, um das Feuer zu stoppen.

Brand hat Torfschichten erreicht
Die Lage ist nach wie vor nicht unter Kontrolle, inzwischen ist von einer ökologischen Katastrophe die Rede. Besonders problematisch ist die Situation, weil der Brand auch die Torfschichten erfasst hat, die stellenweise mehrere Meter tief reichen. Dadurch könnte das Feuer noch über Wochen hinweg weiter schwelen. Eine schnelle Entwarnung ist daher nicht in Sicht. Schon jetzt gehen die Verantwortlichen davon aus, dass die Löscharbeiten noch Tage, möglicherweise sogar Wochen dauern könnten.
Zusätzlich erschwert der ständig drehende Wind den Kampf gegen die Flammen. Momentan sei die Brandfront Richtung Norden stabil, sagte Yves Pieper, der Leiter des Vervierser Forstamtes, hingegen dringe das Feuer im Osten weiter in Richtung Küchelscheid bzw. Sourbrodt vor.
Mehr als 200 Einsatzkräfte kämpfen derzeit gegen das Feuer. Neben Feuerwehrleuten aus den umliegenden Hilfeleistungszonen und der Hilfeleistungszone DG sind auch Kräfte aus Lüttich, Aachen sowie des Zivilschutzes im Einsatz. Unterstützung kommt zudem aus der Landwirtschaft: Landwirte fahren mit Wasser- und Güllefässern in das Gebiet und helfen dabei, die Einsatzkräfte mit Löschwasser zu versorgen.
Gleichzeitig appellieren die Behörden eindringlich an die Bevölkerung, das Hohe Venn derzeit zu meiden. Schaulustige könnten die Arbeit der Rettungs- und Einsatzkräfte zusätzlich behindern. Zwar gibt es zahlreiche Hilfsangebote aus der Bevölkerung, doch auch diese müssten zunächst koordiniert werden. Oberste Priorität habe momentan die unmittelbare Bekämpfung des Feuers.
Für die Feuerwehrleute ist der Einsatz körperlich extrem belastend. Das Gelände ist schwer zugänglich, jeder Weg durch die betroffenen Flächen kostet viel Kraft. Hinzu kommen die Hitze des Feuers und die massive Rauchentwicklung. Einsatzkräfte müssen deshalb immer wieder Pausen einlegen, um sich zu erholen.
Die heftige Rauchentwicklung komme vor allem durch das noch grüne Pfeiffengras, erklärt Nicolas Yernaux, Pressesprecher der Wallonischen Region. Zudem sei es ein Feuer, das tief in den Torfboden hineingehe. Es werde Wochen dauern, bis der Brand gelöscht sei. Generell sei die Zone äußerst entflammbar.
Situation schlimmer als 2011
Der Brand scheint aktuell schwerwiegender zu sein als im Jahr 2011, dem rund 1.200 Hektar zum Opfer fielen. Damals sei es ein Lauffeuer gewesen. "Die Leute aus der Region kennen das. Man sieht schnell, dass die Vegetation nachwächst, es war damals im Frühjahr mit trockenem Pfeiffengras. Nun ist die Situation eine andere", sagt Nicolas Yernaux, "hier gehen die Flammen tiefer in den Boden." Ökologisch sei es schlimmer als 2011.
Neben den Auswirkungen auf Menschen und Landschaft stellt der Brand auch eine erhebliche Belastung für die Tierwelt dar. Größere Säugetiere können den Flammen nach Einschätzung eines Försters vergleichsweise gut ausweichen. Deutlich stärker gefährdet sind dagegen Vögel und insbesondere Insekten. Vor allem die Zerstörung der empfindlichen Moor- und Torflandschaft dürfte langfristige ökologische Folgen haben.

Die Zufahrtswege zum Hohen Venn und ein Teil der Vennstraße (N68) sind gesperrt. Auch die Parkplätze der Talsperre in Eupen und der Gileppe-Talsperre sind nicht erreichbar. Aus beiden Talsperren wird Wasser zum Löschen des Vennbrands entnommen.
Das Feuer war am Freitag gegen 13 Uhr im Bereich der "Fagne des Deux-Séries" ausgebrochen.


cr/mh/km











Das Feuer bewegt sich in Windrichtung und wenn gegeben, Hangaufwärts.
Retten vor Ort, ist Nr. 1
Was ich schon Jahre sehe, ist dem Feuer nachgerannt!
An vielen Orten, stehen mehrheitlich Grosse Baumaschine herum.
Wenn diese Besitzer, algemein in Lokalen Feuerwehren, mit Exponierten Waldflächen eingebunden würden, könnte vieles verhindert werden! Mit diesen Maschinen, wäre es in den meisten Branherden Möglich, 100 und mehr Meter dem Feuer VORAUS , das Brandmaterial, durch Waldrodung, wegzunehmen. Dank an alle, die soweit, etwas beigetrsgen.gr.richi
Die Bilder machen sehr betroffen, da wir die Venn-Landschaft lieben.
Es wird dringend Zeit, dass sich eine europäische Löschflugstaffel gegründet wird, um überall sofort beim entstehen der Brände mit Löschflugzeugen und Helikoptern unterstützen zu können.
Man sollte sich hüten irgendwelche Vergleiche zu ziehen ! Die Leute vor Ort werden schon wissen was sie tun u. auch verantwortungsvoll.
Auf dem Venn löschen viele PROFIS.
Hier schreiben manche AMATEURE.
@ Richard (wie auch immer)
Wie wollen Sie im Torfmoor Brandschneisen ziehen?
Warum muss man noch lange überlegen um die Canadières aus Frankreich anzufordern oder muss dafür das ganze Hohe Venn brennen ??
Ja wie Gisela, aber wo können die Wasser holen...das dauert ja schon etwas, bis die Canadair wieder überm Wasser fliegen wieder voll ist....
was mich etwas wunderte, daas Carsten Brand 2x was von der Rauch zieht Richtung Westen, also D.....ich dachte immer Belgien liegt im Westen von D.
Wenn man rausschaut Richtung Wereth (gesehen aus Amelscheid) dann ist es eventuell besser, alle Fenster zu schließen, der starke Rauch wird hier in Kürze ankommen.
Das wäre schon immens wichtig den vorhergehenden Kommentar zu veröffentlichen....weil es richt übel wird....
Da sind sie wieder die ganzen Fachleute!
Ich stelle mir die Frage ob es fundierte recherchierte Informationen sind oder wie so oft
Mutmassungen!
Manche Leute haben soviel Meinung und Ahnung, da kann ja gar kein Platz mehr für Wissen sein.
Meinen Respekt haben all die Menschen welche momentan in den Wäldern, egal wo, bis zur Erschöpfung gegen
die Waldbrände ankämpfen.
Apropos....CANADAIR. aus Frankreich.
Vor einigen Jahren war doch so ein Löschflugzeug ander Bütgenbacher Talsperre,
Um zu testen ob eine Wasseraufnahme möglich wäre. Und .....der Testflug war doch erfolgreich ..... Also wäre das doch heute auch möglich , oder nicht ?
Wie Uwe Chemnitz anmerkt ist die Wasserversorgung der Löschflugzeuge bei uns eher schwierig.
Die brauchen lange gerade Gewässer und davor wie danach flaches Land.
Bei uns eher weniger gegeben.
Alternativ dazu wurde von Airbus ein leicht einsetzbares Löschsystem für die Airbus A400-M entwickelt und getestet.
Mit 20.000 L eine deutlich größere Wassermenge als die Canadair.
Dazu kommt, die belgische Armee besitzt 7, bzw. 8 von den Flugzeugen.
Ich kann nur an jeden Verantwortlichen appellieren, sich diese Lösung anzusehen.
Wenn wir, als Belgien 3-4 dieser Systeme hätten, wäre der Brand bereits Freitag Abend und vor allem über die Nacht durch bekämpft worden und das Ausmaß sicherlich bedeutend geringer.
Das Problem ist mal wieder wie beim Streusalz, wenn dieses Jahr kaum verbraucht wurde, wird nächstes Jahr weniger gekauft.
Ich halte Sparmaßnahmen an dieser Stelle als unangemessen.