"Es geht in diesem Projekt nicht um diese großen Fluten wie im Ahrtal oder das, was die Ruhr betroffen hat und hier in der Region auch die Kyll zum Beispiel ...", stellt Manuel Seeger von der Universität Trier gleich zu Beginn des Gesprächs klar. Vielmehr gehe es um kleinere Vorkommnisse, die oft nur in der Lokalpresse Erwähnung finden, bei dem, der davon betroffen ist, aber großen Schaden anrichten kann.
Man spricht auch von "Schlammlawinen" oder wissenschaftlicher von "Flutereignissen mit hoher Sedimentbelastung". Solche Ereignisse wollen Wissenschaftler, aber auch Behördenvertreter und Praxispartner aus Belgien, Deutschland und Frankreich systematisch erfassen und daraus gemeinsam Schlüsse ziehen: "Wie geht man damit um? Wer ist zuständig für die Mitigationsmaßnahmen, also für die Maßnahmen, die das Ganze entweder reduzieren können oder vielleicht sogar verhindern."
"Wir können lernen, damit umzugehen"
Bei letzterem Punkt sei er selbst "immer ein bisschen skeptisch", sagt Manuel Seeger, "verhindern werden wir es nie hundertprozentig können, insbesondere mit Blick auf den Klimawandel. Aber wir können lernen, damit umzugehen und die Schäden zu minimieren. Also, dass weniger Leute weniger hart betroffen sind."
In Belgien untersuchen die Forscher die Einzugsgebiete der Flussläufe Herk in Limburg sowie Dyle oder Dijle in Brabant, beides im fruchtbaren belgischen Lössgürtel. In Deutschland ist es die Ruwer südöstlich von Trier: "Die Situation an der Ruwer ist ein bisschen anders. Wir haben hier nur ganz wenig Löss obendrauf liegen. Wir haben aber hier die entsprechende Topografie, die solche Fluten ermöglicht."
Und das sei sehr vergleichbar mit dem Hunsrück oder der Eifel auch im deutschsprachigen Teil Belgiens: "In den Höhen relativ flache Lagen eben, an denen viel Landwirtschaft stattfindet und dann sehr steile, enge Täler ..."
Vorbeugemaßnahmen fangen oben an
Unten in diesen Tälern liegen Ortschaften, die das abkriegen, was von oben herabfließt. Da gehe es dann auch um die Frage der Akzeptanz von notwendigen Vorbeugemaßnahmen, sagt Manuel Seeger: "Die Hochwasserereignisse oder die kleinen Fluten, die entstehen ja meistens auf den Höhen, da, wo die Äcker sind. Warum soll ein Landwirt dort Maßnahmen umsetzen, die ihn unter Umständen etwas Ernte, aber mindestens Arbeit kosten, wenn die Probleme bei ihm gar nicht so akut werden, sondern eigentlich nur die Ortschaften unten drunter davor geschützt werden sollen, zumindest partiell, dass sie nasse Füße oder viel Schlamm abkriegen?"
Das müsse natürlich im Dialog passieren und dieser Aspekt der Beteiligungsprozesse wird von Projektpartnern an der Universität Erlangen begleitet. Es geht aber grundsätzlich auch um die Frage, was die Verwaltungen in den verschiedenen Ländern voneinander lernen können: "Wo fehlen uns Daten? Wo fehlen uns Beratungsinstitutionen? Wo fehlen Kompetenzen? Sowohl Entscheidungskompetenzen als auch fachliche Kompetenzen. Es gibt eine entsprechende Gesetzgebung, aber viele Verwaltungen haben nicht die Fachkompetenz, sie umzusetzen." Das sei kein Vorwurf, sagt Manuel Seeger, vielmehr gäben manche Strukturen das einfach nicht her.
Das Forschungsprojekt firmiert unter dem englischen Kürzel MUDCAP (das steht für "MUDdy flood mitigation through transnational action-oriented CAPacity building"). Es wird über das Interreg-Programm der Europäischen Union mit mehr als 3,5 Millionen Euro gefördert und ist auf drei Jahre angelegt.
Ausführliches Radio-Interview mit Manuel Seeger im Player:
Stephan Pesch