Wer sich auf eine duale Ausbildung vorbereitet, findet mit der Anlehre ein oft unterschätztes Modell, das seit acht Jahren besteht.
Förderpädagogin Anika Reuter vom ZAWM Eupen erklärt: "Schulkarrieren verlaufen sehr unterschiedlich - Gründe dafür können Rechenschwächen, Konzentrationsstörungen oder Sprachbarrieren sein. Die Anlehre richtet sich deshalb an junge Menschen, die noch nicht ganz fit fürs erste Lehrjahr der regulären dualen Ausbildung sind oder eine zusätzliche Förderung brauchen".
So sieht der Alltag aus: "Die Teilnehmer besuchen an zwei Tagen pro Woche Unterricht am ZAWM, montags und mittwochs von 8 bis circa 15 Uhr, und sammeln an den übrigen drei Tagen praktische Berufserfahrung im Ausbildungsbetrieb. Neben Deutsch und Mathematik werden auch Französischunterricht und sogenannte Schlüsselqualifikationen angeboten - Medienkompetenz, Kommunikationsfähigkeit sowie Teamgeist. Ziel ist, die Hürde zur Aufnahmeprüfung des IAWM zu nehmen und eine stabile Basis zu schaffen, damit der Einstieg ins erste Lehrjahr gelingt".
Das Angebot ist flexibel auf die Bedürfnisse der Kandidaten zugeschnitten. Die Anlehre begleitet Teilnehmer eng und koordiniert mit Ausbildern, dem IAWM und dem ZAWM, um eine möglichst gute Vorbereitung auf die reguläre Ausbildung zu gewährleisten. Sollte auch das Anlehre-Jahr nicht ausreichen, gibt es mit Anlehre+ eine weitere Begleitung.
Alle Infos gibt es auf der Webseite des ZAWM.
Manuel Zimmermann
Während in der DG über Sparmaßnahmen diskutiert wird, frage ich mich, ob wir auch unsere Förderlandschaft kritisch genug hinterfragen. Natürlich brauchen manche Jugendliche Unterstützung. Aber warum entstehen immer neue Übergangssysteme? Nach der Anlehre kam die Anlehre+. Etwas ketzerisch gefragt: Was folgt als Nächstes; die Anlehre Superplus? Unser ehemaliger Pflegesohn hatte erhebliche Lernschwierigkeiten und besuchte eine Förderschule. Trotzdem absolvierte er eine Industrielehre, erhielt seinen Facharbeiterbrief und arbeitet seit über zehn Jahren im selben Betrieb. Wenn heute sogar Jugendliche mit Mittlerer Reife oder Abitur zunächst eine Anlehre benötigen, stellt sich zudem die Frage, welchen Stellenwert unsere Schulabschlüsse noch haben. Förderung ist wichtig. Aber sie darf kein Selbstzweck werden. Gerade in Zeiten knapper Kassen sollten wir hinterfragen, ob immer neue Übergangssysteme junge Menschen schneller in Arbeit bringen oder den Einstieg in eine vollwertige Beschäftigung unnötig verzögern.