Die geplante Krankenhausreform von Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke sorgt bei zahlreichen Krankenhausakteuren im ganzen Land für Besorgnis. Ab dem 1. Januar 2027 sollen Brustkrebsoperationen nur noch in sogenannten koordinierenden Brustkliniken durchgeführt werden dürfen.
Anerkannte angeschlossene Brustkliniken würden diese Eingriffe dann nicht mehr selbst vornehmen können. Zu den betroffenen Einrichtungen gehört auch die Klinik St. Josef in St. Vith. Die Klinik schließt sich gemeinsam mit Fachkräften aus allen drei Sprachgemeinschaften des Landes der Kritik an den Reformplänen an.
Nach Ansicht der beteiligten Ärzte, Chirurgen, Gynäkologen und Onkologen könnte die Zentralisierung zu längeren Wartezeiten, weiteren Anfahrtswegen und einer Einschränkung der wohnortnahen Versorgung führen. Besonders ältere, mobilitätseingeschränkte oder sozial benachteiligte Patientinnen könnten dadurch vor zusätzliche Herausforderungen gestellt werden.
Die Krankenhausakteure betonen, dass die Qualität der Brustkrebsbehandlung nicht allein vom Ort der Operation abhänge. Entscheidend seien vielmehr die multidisziplinäre Zusammenarbeit der Fachkräfte, die Einhaltung von Qualitätsstandards, die Koordination der Behandlung sowie die kontinuierliche Begleitung der Patientinnen. Anerkannte angeschlossene Brustkliniken erfüllten bereits heute strenge Qualitätskriterien und arbeiteten eng mit koordinierenden Zentren zusammen.
Die Fachkräfte verweisen zudem auf wissenschaftliche Analysen, wonach bei anerkannten Brustkliniken keine wesentlichen Unterschiede bei den Behandlungsergebnissen oder Überlebensraten festgestellt worden seien. Statt einer raschen Umsetzung der Reform fordern sie deshalb eine neue unabhängige Bewertung, die neben medizinischen Kriterien auch Faktoren wie Erreichbarkeit, Lebensqualität, Patientenzufriedenheit und Versorgungskontinuität berücksichtigt.
Mit ihrer gemeinsamen Stellungnahme appellieren die Krankenhausakteure an die Politik, Qualität, Zugänglichkeit und Wohnortnähe auch künftig miteinander zu verbinden.
Brustkrebs bleibt mit rund 11.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Belgien. Für die Fachkräfte muss daher sichergestellt werden, dass alle Patientinnen unabhängig von Wohnort, Sprache oder Mobilität Zugang zu einer umfassenden und wohnortnahen Versorgung behalten.
Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke hat die Neuorganisation der Brustkrebszentren mit dem Ziel einer stärkeren Spezialisierung und höheren medizinischen Expertise verteidigt.
Robin Emonts