Die neuen EU-Zölle gelten für alle Pakete an Privatpersonen, die aus einem Land außerhalb der EU importiert werden und die unter 150 Euro Warenwert haben. Bisher mussten Endkunden unter diesem Wert keinen Zoll bezahlen. Das ändert sich ab dem 1. Juli. Dann gilt eine Gebühr von drei Euro pro Produktkategorie im Paket.
Dabei sind das keine Kategorien wie "Kleidung" oder "Lebensmittel", sondern die Kategorien, die der Zoll nutzt. Grob gesagt, ist jedes Produkt - zum Beispiel eine Jeanshose - eine Kategorie. Wenn man also mehrmals dasselbe Produkt in einem Paket bestellt, muss man nur einmal drei Euro bezahlen. Wenn man unterschiedliche Produkte kauft, zahlt man auf jedes die drei Euro.
Das kann sich deutlich auf den Preis auswirken. Der Zoll hat einige Beispiele gezeigt, diese Pakete werden durch die neuen Zölle zwischen 30 und 100 Prozent teurer.
Die Zöllen gelten EU-weit und bis zum 1. Juli 2028. Bis dahin will die EU ihr neues digitales Zollsystem in Betrieb nehmen. Das ermöglicht dann, alle Pakete gleich zu behandeln. Ab dem 1. Juli 2028 werden alle Pakete, egal mit welchem Warenwert, gleich verzollt.
Verantwortlich für die Abrechnung des Zolls ist das Unternehmen, das das Produkt verkauft. Also zum Beispiel die Online-Plattform in China. Zahlen wird aber am Ende der Verbraucher.
Für den Zoll selbst sind die neuen Importgebühren ein zweischneidiges Schwert, denn sie bekommen zwar mehr Mittel, haben aber auch mehr Arbeit, denn der Zoll muss am Ende prüfen, ob auch alles korrekt angegeben wurde. Das ist laut den Beamten gerade bei Waren aus China oft ein Problem.
Die Einnahmen aus den neuen Zöllen gehen an die Europäische Union. Die zahlt dann einen Teil an die Mitgliedsländer aus. In Belgien hat der Zoll mit der Föderalregierung ein Abkommen geschlossen. Insgesamt sollen gut 100 neue Zöllner angestellt und die Arbeitsbedingungen beim Zoll verbessert werden. Das reicht laut Zoll nicht, um der Paketflut Herr zu werden, aber ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Der Handlungsbedarf ist groß. 2023 kamen in Lüttich jeden Tag "nur" eine Million Pakete pro Tag an. Seitdem ist diese Zahl explodiert. 2025 waren es rund 3,6 Millionen Päckchen am Tag, 2026 sind es bisher pro Tag fünf Millionen Pakete. Am Flughafen Lüttich landet ein Viertel aller online gekauften Pakete für die gesamte EU.
Der Großteil dieser Waren kommt aus China und fällt in die Kategorie Billigimporte. Der durchschnittliche Warenwert pro Paket liegt laut Zoll bei gerade mal sechs Euro.
Durch die Paketflut entsteht eine enorme Wettbewerbsverzerrung. Erstmal können chinesische Unternehmen sehr günstig produzieren - zwar oft auf Kosten der Umwelt und der Arbeitnehmerrechte, aber für viele Verbraucher ist am Ende der Preis ausschlaggebend. Die Unternehmen aus China starten also mit einem großen Vorteil gegenüber europäischen Unternehmen in den Wettbewerb um Kunden und Verkäufe. Hinzu kommt, dass sie weniger Steuern zahlen müssen. Deshalb wird die Zollfreigrenze aufgehoben.
Und es geht nicht nur um faire Wettbewerbsbedingungen. Es geht auch um den Kampf gegen Betrug und Produktfälschung. Bisher kommt der Zoll überhaupt nicht hinterher mit den Kontrollen. In Lüttich werden gerade mal 0,006 Prozent der Pakete kontrolliert.
Der Zoll braucht also dringend mehr Mittel um sicherzustellen, dass keine gesundheits- oder umweltschädlichen Produkte in die EU gelangen und die Verkäufer Steuern und Gebühren korrekt abführen. Im Moment ist jedes dritte Paket, das kontrolliert wird, irgendwie falsch deklariert oder es entspricht nicht den EU-Standards. Da sind also noch dicke Bretter zu bohren.
Anne Kelleter











Werden die Produkte bei Tedi, Trafic, Action & Co auch teurer? Schließlich sind es teilweise die gleichen Produkte.
Oder gilt dies nur für Privatkunden?
Man muss etwas unterscheiden, nicht Alles was aus Fernost kommt ist Müll.
Aber bei TEMU oder ähnlichen Plattformen, da würde ich niemals bestellen.
@Ronny: da kann man sich den Mist wenigstens vorher anschauen. 😉