Konkret kletterte die Zahl der Neugründungen im ersten Quartal von 5.799 auf 7.430 neue Unternehmen. Wirtschaftsexperten sehen einen Hauptgrund: Am 1. Oktober 2025 ließ die Wallonie - als letzte belgische Region nach Flandern und Brüssel - die Diplom-Pflicht zum Nachweis der sogenannten "unternehmerischen Fähigkeit" auslaufen.
"Früher hat dieser geforderte Nachweis von betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen viele Motivierte ausgebremst", sagt Ronan Kermer, Direktor für Unternehmensgründer und Selbständige in der Wallonie beim Sozialdienstleister Acerta. Er spricht von einem echten psychologischen Effekt und einem spürbaren Mentalitätswandel.
Auch im Eupener Büro des Dienstleisters Securex wird dieser Trend bestätigt: Seit der Abschaffung vor rund neun Monaten sei eine Welle von Neugründungen durch die Region gerollt. Ein Ende ist nicht in Sicht, denn der Aufwärtstrend scheint sich in der Wallonischen Region auch im zweiten Quartal nahtlos fortzusetzen.
Sicherheit im Nebenerwerb testen
Parallel zu den Vollzeit-Gründern boomt in gleichem Maße der Bereich der Nebenerwerbs-Selbstständigen. Dieses Modell erweist sich als Sicherheitsnetz: Arbeitnehmer können ihre Geschäftsidee in der Praxis testen, während sie weiterhin durch ihr Angestelltenverhältnis finanziell abgesichert sind. Läuft das Konzept gut, folgt oft der Schritt in die komplette Selbstständigkeit. Schlägt die Idee fehl, lässt sich das Projekt ohne existenzielle Not beenden.
Ob auch andere politische Faktoren, wie etwa die Neuregelungen beim Arbeitslosengeld für Langzeitarbeitslose, den Gründergeist beflügeln, lässt sich laut Experten mangels zeitlichen Abstands aktuell noch nicht fundiert nachweisen.
Technologie und Transport als Spitzenreiter
Das größte Wachstum bei den Neugründungen verzeichnen derzeit die Technologie- und die Transportbranche. Dennoch gilt weiterhin: Ganz ohne Regeln geht es auch heute nicht. Für bestimmte Aktivitäten sind nach wie vor Sonderlizenzen nötig, zudem bleiben einige Berufsbezeichnungen in Belgien streng geschützt.
Da der Schritt in die Selbstständigkeit gut vorbereitet sein will, bleibt Beratung das A und O. Trotz des Wegfalls der Diplom-Pflicht bietet beispielsweise das ZAWM weiterhin Kurse und Schnellkurse in Betriebsführung an. Erste Anlaufstellen für angehende Gründer bleiben zudem die Unternehmensschalter der Sozialsekretariate und Dienstleister.
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