Rund fünf Wochen sind die Wolfswelpen jetzt alt, die in der Rureifel gesichtet worden sind. Doch sie sind nicht die einzigen jungen Wölfe in der Region. Auch im Wolfsgebiet "Hohes Venn Süd" und im Gebiet "Nordeifel" habe es zumindest auf deutscher Seite gesicherte Fortpflanzungsbeweise gegeben.
"Uns liegen derzeit als Beweise Fotos der Muttertiere vor. Die Welpen selbst befinden sich noch im Bau", erklärt Alain Licoppe, Koordinator des "Netzwerk Wolf" in der Wallonie. "Im Mai werden die Jungtiere geboren, und sehr wahrscheinlich befinden sich dann auch noch Tiere aus dem Vorjahr im Rudel."
"Dabei handelt es sich um junge, noch nicht ausgewachsene Wölfe, die allmählich beginnen, das Revier zu verlassen. Wie bekannt ist, sind Wölfe territoriale Tiere. Irgendwann werden die Jungtiere aus dem elterlichen Revier verdrängt und müssen sich ein eigenes Territorium suchen. Das nennt sich 'Dispersion'. Die Wölfe legen oft weite Strecken zurück, auf der Suche nach einem Revier, das für sie geeignet ist."
Das war vermutlich auch das Schicksal des Wolfs, der am Dienstag in der Eifel gesichtet worden ist. Er fiel vor allem durch seine magere Statur und sein helles Fell auf, das nicht zu den Wölfen aus dem Rudel Nordeifel passt. Alain Licoppe vermutet, dass der Wolf aus Deutschland stammt. "Berichten zufolge wurde das Tier einige Tage zuvor in der Nähe von Dalhem auf deutscher Seite gesichtet - diese Information stammt von unseren Kollegen, die das Tier auch auf ihren Fotos identifizieren konnten."
"Der Wolf ist vermutlich auf der Suche nach einem neuen Revier unabsichtlich in den Ortschaften gelandet. Die jüngsten Sichtungen in den verschiedenen Dörfern auf belgischer Seite sollten sich daher grundsätzlich nicht wiederholen." Dennoch bleiben die Behörden wachsam. Sollte der Wolf erneut in der Nähe der Ortschaften auftauchen, sei man vorbereitet, ihn zu vertreiben. Zu diesem Zweck habe es bereits Patrouillen gegeben. Ziel sei es, mögliche Risiken zu minimieren und Wölfe konsequent aus Dörfern fernzuhalten.
Wer einen Wolf sieht, sollte die Beobachtung wenn möglich dokumentieren, also ein Foto oder Video von dem Tier machen und an das zuständige Forstamt weiterleiten. Wichtig sei außerdem, aufrecht stehen zu bleiben und nicht panisch wegzulaufen.
Sollte der Wolf nicht von alleine Abstand nehmen, empfiehlt der Experte, Lärm zu machen und mit den Armen zu gestikulieren, um das Tier zu verscheuchen. Das sollte in den meisten Fällen reichen. Im Notfall könne man auch etwas in die Richtung des Tieres werfen, um es zu vertreiben. Grundsätzlich meiden Wölfe den Kontakt zum Menschen aber.
Auch die Sorge vor Wolfsangriffen auf Nutztiere bleibt in der Region ein Thema. Vor allem Schafe gelten als gefährdet. Untersuchungen in den drei Wolfsgebieten der Wallonie zeigen jedoch, dass sich die Tiere überwiegend von Wild ernähren. "Wir haben schon mehrere Studien zur Ernährung in den drei Wolfsgebieten unserer Region durchgeführt", erklärt Alain Licoppe. "Die Nahrung besteht vor allem aus Rehen, und tatsächlich finden wir im Kot fast keine Spuren von Schafen."
Um die Situation weiter zu verbessern, passt die Wallonie aktuell den Wolfsplan an. Dieser sieht auch die Förderung von Schutzmaßnahmen für Nutztiere vor.
Lindsay Ahn