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Chalets nahe der Weser: Streit um Ferienpark in Eupen

10.06.202614:5210.06.2026 - 18:10
  • Ecolo
  • Eupen
  • Hochwasser 2021 in Ostbelgien
  • PFF
Das Gelände des ehemaligen Campings Hertogenwald in der Eupener Unterstadt von oben
Das Gelände des ehemaligen Campings Hertogenwald in der Eupener Unterstadt (Bild: Luca Janssen/BRF)

Fünf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe sorgt ein geplantes Tourismusprojekt in Eupen für politische Spannungen. Während Ecolo vor Risiken warnt, zeigt sich die Mehrheit im Stadtrat offen für das Vorhaben.

Ein Investor plant auf dem ehemaligen Campingplatz "Hertogenwald" in der Eupener Unterstadt einen Ferienpark mit 62 Chalets - teils weniger als 15 Meter von der Weser entfernt. Für die Ecolo-Fraktion ist das Projekt in dieser Form problematisch und abzulehnen.

Hauptkritikpunkt ist der Hochwasserschutz. Statt die Fläche als Retentions- und Pufferzone zu nutzen, werde die Flussaue verbaut, sagt Stadträtin Claudia Niessen. "Aus Studien wissen wir, dass dieser Ort immer wieder als Ort genannt worden ist, dem man eine gewisse Aufmerksamkeit ('point d’attention') schenken soll."

"Diese Aufmerksamkeit bezieht sich nicht darauf, noch dichter zu bauen, sondern eben dieses Gelände möglicherweise auch als Hochwasserschutzgebiet auszuweisen, beziehungsweise als Retentionsfläche. Das heißt, dass diese Fläche zukünftig mehr Wasser aufnehmen kann als aktuell."

Auch mögliche Evakuierungen im Ernstfall sowie der Aufwand für Einsatzkräfte bereiten Ecolo Sorgen. Zudem kritisiert die Fraktion die Kommunikation rund um das Projekt. "Man hat uns gesagt, es hätte eine öffentliche Untersuchung gegeben. Höchstwahrscheinlich hat eines dieser grünen Schilder am Camping Hertogenwald gestanden."

"Das mag von der Prozedur her bestimmt richtig sein. Im Sinne einer transparenten und offenen Kommunikation - gerade wenn man fünf Jahre Hochwasser thematisiert und weiß, dass das ein sensibler Ort ist - hatten die Bürger und Ausschüsse nicht wirklich Zeit, sich mit diesem Projekt auseinanderzusetzen und alle Konsequenzen kennenzulernen." Ecolo plädiert stattdessen für ein naturnahes Konzept mit weniger Bebauung.

Mehrheit sieht Chancen für Tourismus

Die Mehrheit im Eupener Stadtrat bewertet das Projekt deutlich positiver. Tourismusschöffin Joëlle Birnbaum-Köttgen (PFF) betont, dass noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei und die Verfahren laufen.

"Erst einmal muss erwähnt werden, dass die Stadt es begrüßt, wenn ein Investor Tourismus in Eupen betreiben möchte. Und der Standort ist ein Ort, der auch schon in der Vergangenheit als passender Standort evaluiert wurde. Und was den Standort heute angeht, nach der Erfahrung mit dem Hochwasser, muss man wissen, dass die Stadt sich dessen bewusst ist und wir keine leichtsinnige Entscheidung treffen, sondern eine klar überdachte und bedachte Entscheidung."

Eine vorschnelle Ablehnung komme für die Stadt nicht infrage. Der Investor müsse zunächst ein konkretes Projekt vorlegen, das alle Auflagen erfüllt. "Ein Projekt einfach abzuschmettern, ohne dem Projekt überhaupt die Möglichkeit zu geben, sich vorzustellen, zu zeigen was machbar ist im Sinne des Hochwasser, das wollen wir nicht. Wir sind dem Projekt also erst mal positiv gegenüber gestimmt."

"Es gibt klare Voraussetzungen, die hinsichtlich des Hochwasserschutzes eingehalten werden müssen. Und der Projektautor ist momentan in einer Vorbereitungsphase, um den Bauantrag einzureichen. Und er muss sich natürlich an diese Vorgaben halten", betont Birnbaum-Köttgen.

Offene Fragen

Laut Birnbaum-Köttgen gelten klare Regeln: "Es gibt einen ganz klaren Bereich des Weserufers, der freigehalten werden muss. Dort darf nichts gebaut werden. Es muss ein Rücklaufbecken vorgesehen sein. Darüber hinaus standen an dem früheren Standort über 120 Caravans, also eine dichte Besiedlung. Auch davon sieht man ganz klar ab. Momentan sprechen wir von plus minus 60 kleinen Chalets, die der Caravangröße entsprechen."

Ob und in welcher Form das Projekt umgesetzt wird, bleibt offen. Klar ist: Die Diskussion um Tourismus und Hochwasserschutz in Eupen ist damit neu entfacht.

Manuel Zimmermann

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