"Es ist ein großes Privileg, in einem Gebäude mit so einer schönen Geschichte wohnen zu dürfen", sagt Yves de Bruyne, Teil der Familie Laloux-Lelièvre.
Die Abtei von Beaufays ist sein Zuhause. "Heute leben sieben Familien hier. Es ist also ein Leben in einer Gemeinschaft geblieben. Man kann hier sehr gut leben. Der Ur-Ur-Ur-Großvater der Familie hat die Abtei 1980 gekauft, um sie zu renovieren. Seitdem ist sie im Besitz der Familie, also seit etwas mehr als 130 Jahren."
An der Fassade erkennt man die lange Geschichte des Gebäudes. Von links nach rechts wurde der Wohnflügel stückweise erweitert. Der älteste Teil, der noch steht, ist der Wohnturm aus dem 15. Jahrhundert. Die letzte Erweiterung, eine Mädchenschule, wurde im 19. Jahrhundert von Ursulinen aus Deutschland angebaut. Damals war die Abtei von Wasser umgeben. Erst Adolphe Laloux ließ die Teiche Ende des 19. Jahrhunderts trockenlegen.
Insgesamt ist die Abtei über 900 Jahre alt. Damals bauten Augustinermönche hier ein Hospiz, eine Brauerei und auch schon eine Kirche, die an derselben Stelle wie der heutige Barockbau stand. In den bunten Glasfenstern haben sich die Äbte verewigt, die die Abtei schrittweise zu dem glanzvollen Komplex ausbauten, der die Abtei heute ist. Ihre Salons voller Kunstgegenstände und Verzierungen zeugen vom großen Reichtum der Äbte damals. "Das Gebäude ändert sich mit der Sonne. Morgens ist die Aussicht auf den Teich besonders schön, mittags hält man sich in den Wäldern im Süden auf. Jede kleine Ecke des Gebäudes hat ihren idealen Moment."
Mehr als die Hälfte der denkmalgeschützten Gebäude in Belgien sind in Privatbesitz. Dabei bringt das Leben in einem Denkmal auch Herausforderungen mit sich. "Man wird nie fertig", erzählt Yves de Buyne. "Das ist schon eine große Investition. Wir stecken da viel Herzblut rein. Aber wenn man es regelmäßig unterhält und einen Teil der Arbeiten selbst ausführt, ist es machbar."
Die Besitzer sind sich ihres außergewöhnlichen Privilegs bewusst. "Wir sind hocherfreut, das Haus zu zeigen. Es ist ja auch da, um gesehen zu werden. Wir wollen allen die Gelegenheit geben, es zu sehen, denn es ist ja auch das Kulturerbe von allen."
Vestalia 2026 findet vom 6. bis zum 14. Juni statt. Ein Blick auf die anderen Teilnehmer auf der Vestalia-Webseite lohnt sich auch. Allerdings muss man sich einschreiben.
Anne Kelleter




