In Belgien sind 600.000 Menschen auf Lebensmittelhilfen angewiesen - doch die Spenden gehen drastisch zurück. Dass Lebensmittelspenden knapper werden, hat paradoxerweise auch mit technologischem Fortschritt zu tun.
Kurt Hoffmann, Präsident der Deutschsprachigen Rot-Kreuz-Gemeinschaft in Belgien, sieht die Ursachen unter anderem in einer effizienteren Lagerhaltung des Handels. "Wir sehen, dass die Produktionen besser angepasst werden. Das merkt man schon in den kleinen Supermärkten, wo das Kaufverhalten durch Künstliche Intelligenz antizipiert wird. Das wird mit der Bereitschaft gekoppelt, auch mal ein Regal leergehen zu lassen. Das heißt: Die Spenden, die wir von dort bekommen, gehen ebenfalls zurück."
Zusätzlich sorgen Anti-Verschwendungs-Apps und reduzierte Förderprogramme für massive Einbußen. Allein in der Deutschsprachigen Gemeinschaft verzeichnete das Rote Kreuz laut Hoffmann bei europäischen Überproduktionen in den letzten beiden Jahren Einbrüche von rund 45.000 Euro pro Jahr.
Zentrale Rufnummer 105 als Rettungsanker
Herzstück der neuen Allianz ist die Koordination über die zentrale Rufnummer 105. Hier können Händler und Produzenten ihre Spenden unkompliziert melden. Das Rote Kreuz übernimmt die Verwaltung, während die "Restos du Cœur" die Logistik und Abholung sichern. Über große Hubs wie zum Beispiel in Brüssel, Namur und bald auch Flémalle sollen die Waren verteilt werden.
Hoffmann betont die Notwendigkeit dieser Kooperation. "Um zu vermeiden, dass Lebensmittel in Biogasanlagen gehen oder im Tierfutter landen, versucht man diese umzulenken in die Lebensmittelverteilung. Aber da braucht man diese größeren Strukturen. Deshalb haben sich zwei große Akteure zusammengesetzt."

Sprachbarrieren und Infrastruktur
Trotz der nationalen Synergien blickt man in Ostbelgien mit gemischten Gefühlen auf die Zentralisierung. Da die "Restos du Cœur" in der DG nicht vertreten sind und die Hotline in Namur sitzt, befürchtet Hoffmann Hürden für lokale Spender. "Wenn die Französischsprachige Gemeinschaft einen solchen Aufruf startet, wir aber die Deutschsprachige Gemeinschaft sind, in der Deutsch gesprochen wird: Wie wird dann garantiert, dass bei der in Namur ansässigen Nummer 105 jemand abhebt, der Deutsch spricht? Wenn eine Firma dort ein- oder zweimal anruft und keine Hilfe erhält, wird sie sich abwenden."
Um die Versorgungssicherheit in Ostbelgien zu garantieren, arbeitet das Rote Kreuz in der DG daher parallel an der Verbesserung seiner Lagerkapazitäten.
Manuel Zimmermann